Bread & But­ter in Tem­pel­hof

Manch­mal ent­schie­det das nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­des­pres­se­ge­setz über die Geheim­hal­tung von Ver­trä­gen über den Flug­ha­fen Ber­lin-Tem­pel­hof: So ent­schied jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, dass die in Bonn ansäs­si­ge Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben den von ihr mit der Trend­mes­se „Bread & But­ter“ über die Nut­zung von Tei­len des ehe­ma­li­gen Flug­ha­fens Ber­lin-Tem­pel­hof abge­schlos­se­nen Miet­ver­trag gegen­über der Pres­se nicht offen­le­gen muss. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln wies damit die Kla­ge eines Chef­re­dak­teurs der BILD-Zei­tung ab.

Bread & But­ter in Tem­pel­hof

Die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben ist neben dem Land Ber­lin Eigen­tü­mer des inzwi­schen nicht mehr für den Luft­ver­kehr genutz­ten Flug­ha­fens Ber­lin-Tem­pel­hof. Anfang 2009 schlos­sen die Eigen­tü­mer mit der Mode­mes­se „Bread & But­ter“ einen Ver­trag über die Nut­zung des Flug­ha­fen­han­gars. In der Fol­ge trat der Klä­ger an die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben mit Sitz in Bonn her­an und begehr­te von die­ser Aus­kunft über Ein­zel­hei­ten des Miet­ver­tra­ges, unter ande­rem über die Höhe der Mie­te, die die Mes­se für die Nut­zung des Han­gars jähr­lich zu ent­rich­ten hat. Sein Aus­kunfts­be­geh­ren begrün­de­te der Klä­ger damit, ihm ste­he unter ande­rem ein pres­se­recht­li­cher Aus­kunfts­an­spruch zu. Die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben lehn­te die Ertei­lung der Aus­kunft unter Hin­weis auf das Gebot ver­trau­li­cher Behand­lung geschlos­se­ner Miet­ver­trä­ge und den Anspruch des Ver­trags­part­ners auf Wah­rung sei­ner Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se ab.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln sah dies eben­so und folgt der Argu­men­ta­ti­on des Klä­gers nicht. Zwar sei­en Behör­den nach § 4 Abs. 1 LPG NRW grund­sätz­lich ver­pflich­tet, den Ver­tre­tern der Pres­se die Aus­künf­te zu ertei­len, die der Erfül­lung ihrer öffent­li­chen Auf­ga­ben die­nen. Dem Aus­kunfts­an­spruch des Klä­gers ste­he aber im vor­lie­gen­den Fall § 4 Abs. 2 Nr. 3 LPG NRW ent­ge­gen, wonach ein Anspruch auf Aus­kunft nicht bestehe, soweit durch die Aus­kunfts­er­tei­lung ein über­wie­gen­des öffent­li­ches oder ein schutz­wür­di­ges pri­va­tes Inter­es­se ver­letzt wer­de. Zwar gebe es hin­sicht­lich der Nut­zung des Flug­ha­fens Ber­lin-Tem­pel­hof ein hohes Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Öffent­lich­keit. Das öffent­li­che Bekannt­wer­den der begehr­ten Infor­ma­tio­nen sei jedoch geeig­net, schutz­wür­di­ge fis­ka­li­sche Inter­es­sen des Bun­des im Wirt­schafts­ver­kehr erheb­lich zu beein­träch­ti­gen. Auch sei­en die Inter­es­sen der Mode­mes­se als Ver­trags­part­ner schutz­wür­dig, in deren Geschäfts­ge­heim­nis­se ein­ge­grif­fen wer­de, wenn die begehr­te Aus­kunft erteilt wer­de. Aus dem glei­chen Grund kom­me auch ein Aus­kunfts­an­spruch des Klä­gers nach dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz nicht in Betracht.

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Urteil vom 28. Janu­ar 2011 – 6 K 4165/​09