Bre­men ist nicht Bre­men – oder: für wen han­delt die Wider­spruchs­be­hör­de?

In Bre­mer Beam­ten­sa­chen han­delt die Wider­spruchs­be­hör­de für den Senat der Frei­en Han­se­stadt Bre­men als Lan­des­re­gie­rung (obers­te Dienst­be­hör­de) und nicht als Organ der beklag­ten Stadt­ge­mein­de Bre­men.

Bre­men ist nicht Bre­men – oder: für wen han­delt die Wider­spruchs­be­hör­de?

Der bre­mi­sche Staat führt den Namen "Freie Han­se­stadt Bre­men" (Art. 64 LV Bre­men). Die Stadt Bre­men bil­det für sich eine Gemein­de des bre­mi­schen Staa­tes und ist eine Gebiets­kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts (Art. 143 Abs. 1, Art. 144 Satz 1 LV Bre­men). Der Senat ist die Lan­des­re­gie­rung der Frei­en Han­se­stadt Bre­men (Art. 107 Abs. 1 LV Bre­men) und hat die Auf­sicht über die Gemein­den (Art. 147 Abs. 1 LV Bre­men). Er ist zugleich gesetz­li­ches Organ der Stadt­ge­mein­de Bre­men (Art. 148 Abs. 1 Satz 1 LV Bre­men).

Bei Kla­gen aus dem Beam­ten­ver­hält­nis, zu denen auch Kla­gen auf Ein­stel­lung in das Beam­ten­ver­hält­nis gehö­ren 1, erlässt gemäß § 126 Abs. 3 Nr. 2 Satz 1 BRRG und dem am 1.04.2009 in Kraft getre­te­nen, gleich­lau­ten­den § 54 Abs. 3 Satz 1 BeamtStG den Wider­spruchs­be­scheid die obers­te Dienst­be­hör­de. Dies ist für das Land und die Stadt­ge­mein­de Bre­men gemäß § 4 Abs. 1 Satz 1 des Bre­mi­schen Beam­ten­ge­set­zes 2 der Senat der Frei­en Han­se­stadt Bre­men, das heißt des bre­mi­schen Staa­tes (vgl. Art. 64 LV Bre­men), und damit die Lan­des­re­gie­rung. Der Bre­mer Senat hat die Ent­schei­dung über Wider­sprü­che nach § 126 Abs. 3 Nr. 2 BRRG (= § 54 Abs. 3 Satz 1 BeamtStG) auf sei­ne Mit­glie­der für ihren jewei­li­gen Geschäfts­be­reich über­tra­gen (Art. 3 Abs. 5 der Anord­nung des Senats zur Über­tra­gung von dienst­recht­li­chen Befug­nis­sen vom 07.12 1999).

Nach der vor­ste­hen­den gesetz­li­chen Kom­pe­tenz­ver­tei­lung hät­te der Amts­trä­ger der Wider­spruchs­be­hör­de, Herr M. , für den Senat der Frei­en Han­se­stadt Bre­men als Lan­des­re­gie­rung (obers­te Dienst­be­hör­de) und nicht als Organ der beklag­ten Stadt­ge­mein­de han­deln müs­sen. Dem Senat oblag einer­seits die Ernen­nung der Beam­ten im Schul­dienst (§ 9 Abs. 1 Satz 1 BremBG) als Organ der Stadt­ge­mein­de Bre­men (Art. 148 Abs. 1 Satz 1 LV Bre­men) und ande­rer­seits die Ent­schei­dung über Wider­sprü­che nach § 126 Abs. 3 Nr. 2 BRRG i.V.m. § 4 Abs. 1 Satz 1 des Bre­mi­schen Beam­ten­ge­set­zes (i.d.F. v. 15.09.1995) als Organ der Frei­en Han­se­stadt Bre­men, das heißt des Lan­des.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. August 2019 – III ZR 18/​19

  1. BVerw­GE 100, 280, 283 mwN; Eck in Schütz/​Maiwald aaO § 54 BeamtStG Rn. 25; Burk­holz in v. Roetteken/​Rothländer, BeamtStG, 15. Upd. 5/​2019, § 54 Rn. 16[]
  2. i.d.F. v. 15.09.1995; ähn­lich § 3 Abs. 1 Satz 1 und 2 Bre­mi­sches Beam­ten­ge­setz i.d.F. vom 22.12 2009[]