Bri­ga­da Sie­gena

Der Beginn der bevor­ste­hen­den neu­en Fuß­ball­sai­son wirft sei­ne Schat­ten vor­aus: Ein 18jähriger "Fan" der Sport­freun­de Sie­gen e.V. wird in der nächs­ten Sai­son kei­nes der Heim- oder Aus­wärts­spie­le der Sport­freun­de live ver­fol­gen kön­nen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg bestä­tig­te in einem Eil­ver­fah­ren ein Betre­tungs- und Auf­ent­halts­ver­bot (ver­bun­den mit Mel­de­auf­la­gen), mit dem die Kreis­po­li­zei­be­hör­de Sie­gen dem 18jährigen ver­bo­ten hat, sich in den nächs­ten drei Mona­ten in der Zeit von zwei Stun­den vor bis zwei Stun­den nach den Spie­len sei­nes Clubs in der Nähe der jewei­li­gen Sta­di­en bzw. im Bereich des Sie­ge­ner Bahn­ho­fes auf­zu­hal­ten. Dar­über hin­aus hat der Ver­ein gegen ihn bis 2012 ein Sta­di­on­ver­bot ver­hängt. Mit sei­nem Eil­an­trag gegen den sofor­ti­gen Voll­zug des Betre­tungs- und Auf­ent­halts­ver­bots hat­te der jun­ge Mann errei­chen wol­len, sich wenn schon nicht im jewei­li­gen Sta­di­on, so doch im unmit­tel­ba­ren räum­li­chen Umfeld auf­hal­ten zu dür­fen.

Bri­ga­da Sie­gena

Das Ver­wal­tungs­ge­richt führt in ihrem Beschluss vom 1. Juli 2009 im Wesent­li­chen aus: Der Antrag­stel­ler gehö­re nach eige­nen Anga­ben der "Bri­ga­da Sie­gena" an und damit einer Grup­pie­rung, die neben einer wei­te­ren Grup­pe im Lau­fe der ver­gan­ge­nen Spiel­zeit in einer Viel­zahl von Fäl­len mit zuneh­mend außer­ge­wöhn­lich aggres­si­vem und gewalt­be­rei­tem Ver­hal­ten gegen­über ande­ren – fried­li­chen – Fans, Ord­nern und der Poli­zei auf­ge­fal­len sei. Er selbst sei bei dem vor­läu­fi­gen Höhe­punkt der Gescheh­nis­se am 8. Mai 2009 wegen des Ver­dachts des schwe­ren Land­frie­dens­bru­ches fest­ge­nom­men wor­den, nach­dem aus der Grup­pe her­aus u.a. Äste und Stö­cke gegen die Poli­zei gewor­fen wor­den sei­en, wobei zwei Poli­zis­ten ver­letzt wor­den sei­en. Ange­sichts des­sen spre­che viel für die Annah­me der Poli­zei, die "Bri­ga­da Sie­gena" und auch der Antrag­stel­ler, der bei sei­ner Fest­nah­me hoo­li­gan-typi­sche Beklei­dung mit sich geführt habe, wer­de künf­ti­ge Spie­le der Sport­freun­de Sie­gen zu Straf­ta­ten, ins­be­son­de­re Gewalt­tä­tig­kei­ten i.o.S., nut­zen. Der Antrag­stel­ler sei zwar erst ein­mal selbst auf­ge­fal­len. Er för­de­re indes allein durch die offen zum Aus­druck gebrach­te Zuge­hö­rig­keit zur "Bri­ga­da Sie­gena" die Gewalt­be­reit­schaft der übri­gen Grup­pen­mit­glie­der und unter­stüt­ze sie dadurch psy­cho­lo­gisch. Das Auf­ent­halts­ver­bot stel­le aller­dings trotz des eng umris­se­nen zeit­li­chen und ört­li­chen Gel­tungs­be­reichs einen nicht uner­heb­li­chen Ein­griff in das Recht auf Frei­zü­gig­keit dar. Im vor­lie­gen­den Fall sei dies aber des­halb nicht beson­ders hoch zu gewich­ten, weil der Antrag­stel­ler die Sta­di­en ohne­hin nicht betre­ten dür­fe und daher sein Inter­es­se, sich unmit­tel­bar vor, wäh­rend oder nach den Spie­len im Umfeld der Sta­di­en auf­zu­hal­ten, objek­tiv nur gering ein­zu­schät­zen sei. Der Bahn­hofs­be­reich sei, weil die­se Umge­bung typi­scher­wei­se für Ankunft, den Marsch, das Fahr­zeug­par­ken und das Sam­meln der jewei­li­gen Fan­grup­pen genutzt wer­de, eben­falls ein beson­ders gefah­ren­träch­ti­ger Bereich im hier inter­es­sie­ren­den Sin­ne. Außer­dem kön­ne der Antrag­stel­ler zur Erle­di­gung drin­gen­der per­sön­li­cher Anlie­gen im erfass­ten Bereich (wie Arzt­be­su­che o.ä.) Aus­nah­men errei­chen. Ins­ge­samt über­wie­ge daher die im öffent­li­chen Inter­es­se lie­gen­de Ziel­set­zung der poli­zei­li­chen Maß­nah­me die pri­va­ten Inter­es­sen des Antrag­stel­lers.

Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, Beschluss vom 1. Juli 2009 – 3 L 345/​09