Bull­ter­ri­er oder Mini-Bull­ter­ri­er: Nicht nur die Höhe machts !

Nach dem Lan­des­hun­de­ge­setz NRW gehö­ren Stan­dard Bull­ter­ri­er zu den gefähr­li­chen Hun­den. Sie unter­schei­den sich von Minia­tur Bull­ter­ri­ern in ers­ter Linie anhand der Wider­rist­hö­he und ergän­zend anhand wei­te­rer Kri­te­ri­en.

Bull­ter­ri­er oder Mini-Bull­ter­ri­er: Nicht nur die Höhe machts !

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len zwei Minia­tur Bull­ter­ri­er mit einer für die­se Ras­se nur gering­fü­gig über­schrit­te­nen Wider­rist­hö­he nicht als Stan­dard Bull­ter­ri­er ein­ge­stuft. Die Besit­ze­rin­nen der Hun­de "Jag­ger" und "Lou­is" strei­ten in zwei Ver­fah­ren jeweils mit der Stadt Düs­sel­dorf um die Ein­stu­fung ihrer Hun­de als Bull­ter­ri­er.

Der Bull­ter­ri­er ist nach dem Lan­des­hun­de­ge­setz ein soge­nann­ter Lis­ten­hund, des­sen Hal­tung grund­sätz­lich ver­bo­ten ist. Wird die Hal­tung aus­nahms­wei­se erlaubt, gel­ten stren­ge gesetz­li­che Anfor­de­run­gen (etwa Erlaub­nis­be­dürf­tig­keit der Hal­tung, erwei­ter­te Lei­nen­pflicht, Maul­korb­zwang).

"Jag­ger" und "Lou­is" sind als Minia­tur Bull­ter­ri­er erwor­ben wor­den. Der Ras­se­stan­dard des Minia­tur Bull­ter­ri­ers unter­schei­det sich von dem des Bull­ter­ri­ers hin­sicht­lich der Wider­rist­hö­he, die bei Ers­te­rem 35,5 cm nicht über­schrei­ten soll. Dane­ben wird beim Bull­ter­ri­er ein "Aus­druck höchst­mög­li­cher Sub­stanz" gefor­dert. Die hier betrof­fe­nen Tie­re sind jeweils eini­ge Zen­ti­me­ter grö­ßer als 35,5 cm. Die Stadt Düs­sel­dorf hat die Hun­de als Bull­ter­ri­er und damit als gefähr­li­chen Hund ein­ge­stuft. Die gegen die­se Fest­stel­lung erho­be­nen Kla­gen hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf abge­wie­sen. 1 Hier­ge­gen haben sich die Klä­ge­rin­nen mit den vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zuge­las­se­nen Beru­fun­gen gewandt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter betont, dass sich die Abgren­zung zwi­schen Minia­tur Bull­ter­ri­er und Stan­dard Bull­ter­ri­er zwar vor­ran­gig an der Wider­rist­hö­he des Hun­des ori­en­tie­re. Aller­dings sei ange­sichts der Soll-Bestim­mung des Ras­se­stan­dards eine Über­schrei­tung von ca. 10 % regel­mä­ßig unschäd­lich. Ober­halb die­ser Wider­rist­hö­he sei zu ver­mu­ten, dass es sich zumin­dest um einen Stan­dard Bull­ter­ri­er-Misch­ling han­de­le. Die­se Ver­mu­tung kön­ne aller­dings wider­legt wer­den, wenn star­ke Anhalts­punk­te dafür vor­lä­gen, dass die Über­schrei­tung der Wider­rist­hö­he nicht auf der Ein­kreu­zung eines Stan­dard Bull­ter­ri­ers beru­he.

Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter nach Befra­gung von zwei Amts­ve­te­ri­nä­ren bei­den Kla­gen statt­ge­ge­ben. Bei­de Hun­de über­schrei­ten mit einer Höhe von 39 – 40 cm die Wider­rist­hö­he nur gering­fü­gig und wei­sen nicht das sehr kom­pak­te Erschei­nungs­bild eines Stan­dard Bull­ter­ri­ers auf.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 17. Febru­ar 2020 – 5 A 3227/​17; 5 A 1631/​18

  1. VG Düs­sel­dorf, Urtei­le vom 06.12.2017 – 18 K 6659/​16 und vom 05.04.2018 – 18 K 11662/​16[]