Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt – und der Grund­satz der per­so­nel­len Bera­tungs­kon­ti­nui­tät

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat sei­ne ord­nungs­ge­mä­ße Beset­zung zur Wah­rung des Anspruchs aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG von Amts wegen zu prü­fen, soweit Anlass hier­zu besteht 1. Die Fest­stel­lung der rich­ti­gen Beset­zung des Gerichts erfolgt regel­mä­ßig – so auch vor­lie­gend – ohne Betei­li­gung der Rich­ter, deren Berech­ti­gung zur Mit­wir­kung zwei­fel­haft erscheint oder ange­zwei­felt wird 2.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt – und der Grund­satz der per­so­nel­len Bera­tungs­kon­ti­nui­tät

Nach dem Grund­satz der per­so­nel­len Bera­tungs­kon­ti­nui­tät gemäß § 15 Abs. 3 Satz 1 BVerfGG dür­fen nach Beginn der Bera­tung einer Sache wei­te­re Rich­ter nicht hin­zu­tre­ten.

Was unter "einer Sache" in die­sem Sin­ne zu ver­ste­hen ist, wird vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­ge­setz nicht defi­niert. Dass § 15 Abs. 3 Satz 1 BVerfGG sich nicht des Begriffs des "Ver­fah­rens" (vgl. nur § 23 BVerfGG) bedient, belegt, dass es sich bei der Bera­tung der Sache nicht um die Bera­tung des Ver­fah­rens im Gan­zen han­delt, son­dern – kor­re­spon­die­rend mit § 23 Abs. 1 Satz 1 GOB­VerfG – um die Bera­tung einer kon­kre­ten Ent­schei­dung in einem anhän­gi­gen Ver­fah­ren 3.

Soweit Neben­ent­schei­dun­gen oder Ent­schei­dun­gen über im Haupt­sa­che­ver­fah­ren gestell­te Anträ­ge auf einst­wei­li­ge Anord­nung erge­hen, han­delt es sich daher um eigen­stän­di­ge Sachen im Sin­ne des § 15 Abs. 3 Satz 1 BVerfGG 4.

Dem­ge­mäß ging im vor­lie­gen­den NPD-Ver­bots­ver­fah­ren auch die Beset­zungs­rü­ge betref­fend die Ver­fas­sungs­rich­ter König und Mai­dow­ski fehl:

Der von der Antrags­geg­ne­rin ange­spro­che­ne Beschluss vom 28.01.2014 5 stellt eine eigen­stän­di­ge Sache im dar­ge­leg­ten Sin­ne dar, denn er betrifft geson­dert gestell­te Anträ­ge auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung bezüg­lich der vom Deut­schen Bun­des­tag ein­be­hal­te­nen Mit­tel aus der staat­li­chen Par­tei­en­fi­nan­zie­rung, hilfs­wei­se auf Aus­set­zung des Ver­fah­rens bis zu einer gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung der Ver­gü­tung ihres Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten. Als ande­re Sache begrün­det er kein Hin­zu­tritts­ver­bot der nach Erlass des Beschlus­ses vom 28.01.2014 neu gewähl­ten Rich­te­rin König und des neu gewähl­ten Rich­ters Mai­dow­ski hin­sicht­lich des wei­te­ren Ver­fah­rens.

Die Bera­tung über die Zurück­wei­sung des Antrags oder die Durch­füh­rung der münd­li­chen Ver­hand­lung gemäß § 45 BVerfGG hat erst nach dem Hin­zu­tre­ten der bei­den genann­ten Rich­ter begon­nen. Zum Zeit­punkt des Amts­an­tritts der bei­den genann­ten Rich­ter befand sich das Ver­fah­ren im Sta­di­um der umfas­sen­den Vor­be­rei­tung durch den Bericht­erstat­ter. Dem­ge­mäß war die Bera­tung der Sache zu die­sem Zeit­punkt noch nicht auf­ge­nom­men. Sie begann im Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erst nach Abschluss der Vor­be­rei­tung und Vor­la­ge eines Votums durch den Bericht­erstat­ter im März 2015. Zu die­sem Zeit­punkt gehör­ten die Rich­te­rin König und der Rich­ter Mai­dow­ski dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits an.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 1. März 2016 – 2 BvB 1/​13

  1. vgl. BVerfGE 65, 152, 154; 131, 230, 233[]
  2. vgl. BVerfGE 82, 286, 298; 131, 230, 233[]
  3. vgl. Mel­ling­hoff, in: Maun­z/­Schmidt-Bleib­treu/Klein/­Be­th­ge, BVerfGG, § 15 Rn. 46 ff., August 2015[]
  4. vgl. zur Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­pra­xis etwa die Beset­zung in BVerfGE 125, 385, 395 und BVerfGE 126, 158, 170 einer­seits sowie BVerfGE 129, 124, 186 ande­rer­seits sowie BVerfGE 135, 259, 299 einer­seits und BVerfGE 137, 345, 350 ande­rer­seits[]
  5. BVerfGE 135, 234 ff.[]