Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und einst­wei­li­ger Rechts­schutz

Das Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes nach § 32 BVerfGG ist – anders als der von Art.19 Abs. 4 GG gepräg­te vor­läu­fi­ge Rechts­schutz im fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren – nicht dar­auf ange­legt, mög­lichst lücken­lo­sen vor­läu­fi­gen Rechts­schutz zu bie­ten 1. Der Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kommt danach nur unter wesent­lich enge­ren Vor­aus­set­zun­gen in Betracht als die Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes durch die Fach­ge­rich­te. Ins­be­son­de­re sind, wenn eine einst­wei­li­ge Anord­nung zur Abwen­dung eines gel­tend gemach­ten schwe­ren Nach­teils erstrebt wird, erheb­lich stren­ge­re Anfor­de­run­gen an die Schwe­re des Nach­teils zu stel­len 2.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und einst­wei­li­ger Rechts­schutz

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt muss es nicht hin­neh­men, dass es durch eine sinn­ent­leer­te Inan­spruch­nah­me sei­ner Arbeits­ka­pa­zi­tät bei der Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben behin­dert wird und dadurch ande­ren Recht­su­chen­den den ihnen zukom­men­den Grund­rechts­schutz nur ver­zö­gert gewäh­ren kann 3. Dies gilt auch für die Inan­spruch­nah­me von Eil­rechts­schutz nach § 32 BVerfGG. Ein Eil­an­trag im Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren ist miss­bräuch­lich, wenn offen­sicht­lich kei­ne beson­de­re Dring­lich­keit – zu der auch ein hohes Gewicht der im Fall des Abwar­tens einer Haupt­sa­che­ent­schei­dung dro­hen­den Nach­tei­le gehört – ihn recht­fer­tigt 4.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 7. Dezem­ber 2011 – 2 BvR 2449/​11

  1. vgl. BVerfGE 94, 166, 216 f.; BVerfG, Beschluss vom 03.11.1999 – 2 BvR 2039/​99, NJW 2000, S. 1399, 1400[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 23.02.2009 – 2 BvQ 7/​09[]
  3. vgl. BVerfGK 6, 219; 10, 94, 97; 14, 468, 470; stRspr[]
  4. vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kam­mer des Zwei­ten Senats vom 27.06.2006 – 2 BvR 1041/​06[]
  5. vgl. BVerfGE 35, 263, 274; stRspr[]