BWL-Mas­ter­stu­di­en­plät­ze in Müns­ter

Das Ver­fah­ren der West­fä­li­schen Wil­helms-Uni­ver­si­tät Müns­ter für die Ver­ga­be von Stu­di­en­plät­zen im Mas­ter-Stu­di­en­gang Betriebs­wirt­schafts­leh­re ver­stößt mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit gegen gel­ten­des Recht. Mit die­ser Begrün­dung ver­pflich­te­te jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter in einem Eil­ver­fah­ren die Müns­te­ra­ner Uni­ver­si­tät, eine abge­lehn­te Bewer­be­rin vor­läu­fig zu die­sem Mas­ter­stu­di­en­gang zuzu­las­sen.

BWL-Mas­ter­stu­di­en­plät­ze in Müns­ter

Die Bewer­be­rin, die an einer ande­ren Hoch­schu­le ihr Diplom im Stu­di­en­gang Tou­ris­mus­wirt­schaft mit der Note „gut“ abge­schlos­sen hat­te, war im Aus­wahl­ver­fah­ren der West­fä­li­schen Wil­helms-Uni­ver­si­tät Müns­ter nicht zum Zuge gekom­men. Von den ins­ge­samt über 1.400 Bewer­bern um einen Mas­ter-Stu­di­en­platz im Fach Betriebs­wirt­schafts­leh­re im Win­ter­se­mes­ter 2010/​2011 hat­te die hier­für gebil­de­te Aus­wahl­kom­mis­si­on der Uni Müns­ter in einem zwei­stu­fi­gen Bewer­tungs­ver­fah­ren zwar 980 Bewer­ber als für die­sen Mas­ter­stu­di­en­gang grund­sätz­lich geeig­net ange­se­hen. Zuge­las­sen wur­den aller­dings ledig­lich 380 Bewer­ber mit den höchs­ten Punkt­wer­ten im Bewer­tungs­ver­fah­ren. Nach dem inner­halb des zwei­stu­fi­gen Prü­fungs­sys­tems ange­wand­ten Bewer­tungs­ver­fah­ren wur­den die beson­de­re Eig­nung und die Rang­fol­ge der Bewer­ber nach einem Punk­te­sys­tem fest­ge­stellt, bei dem bis zu 20 Punk­te für die Noten des Abiturs, bis zu 40 Punk­te nach der Qua­li­tät des erwor­be­nen ers­ten aka­de­mi­schen Abschlus­ses (zumeist eines Bache­lor-Abschlus­ses) und bis zu 40 Punk­te nach sons­ti­gen Qua­li­fi­ka­ti­ons­merk­ma­len ver­ge­ben wur­den, wozu ein mit der Bewer­bung vor­zu­le­gen­des Moti­va­ti­ons­schrei­ben gehör­te.

Die­ses Bewer­tungs­ver­fah­ren hat das Ver­wal­tungs­ge­richt als mit den maß­geb­li­chen lan­des­ge­setz­li­chen Bestim­mun­gen und dem Staats­ver­trag vom 5. Juni 2008 unver­ein­bar ange­se­hen: In der ers­ten Ver­fah­rens­stu­fe kön­ne nur auf die Qua­li­tät des ers­ten aka­de­mi­schen Abschlus­ses, auf den das Mas­ter­stu­di­um auf­baue, abge­stellt wer­den, nicht aber etwa auf Abitur­no­ten oder Moti­va­ti­ons­schrei­ben. In der zwei­ten Stu­fe des Ver­ga­be­ver­fah­rens bestim­me das Lan­des­recht, dass hier eben­falls die Qua­li­tät des ers­ten aka­de­mi­schen Abschlus­ses (ins­be­son­de­re der Bache­lor-Abschluss) den Aus­schlag geben müs­se. Auch dies sei mit dem ange­wand­ten Punk­te­sys­tem nicht sicher­ge­stellt.

Ande­ren zum WS 2010/​2011 abge­lehn­ten Bewer­bern um den BWL-Mas­ter­stu­di­en­gang kommt die­se Ent­schei­dung aller­dings nur dann zugu­te, wenn sie gegen den Ableh­nungs­be­scheid der Hoch­schu­le nicht recht­zei­tig Kla­ge erho­ben haben.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Beschluss vom 15. Novem­ber 2010 – 9 L 529/​10