Can­na­bis-Anbau durch Mul­ti­ple-Skle­ro­se-Pati­en­ten

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hat jetzt der Kla­ge eines an Mul­ti­ple-Skle­ro­se erkrank­ten Pati­en­ten auf Ertei­lung einer Erlaub­nis zum Anbau von Can­na­bis zu medi­zi­ni­schen Zwe­cken teil­wei­se statt­ge­ge­ben und das Bun­des­amt für Arz­nei­mit­tel und Medi­zin­pro­duk­te (BfArM) ver­pflich­tet, über den Can­na­bis-Anbau durch den Mul­ti­ple-Skle­ro­se-Pati­en­ten neu ent­schei­den.

Can­na­bis-Anbau durch Mul­ti­ple-Skle­ro­se-Pati­en­ten

Der Klä­ger, der seit 1985 an Mul­ti­pler Skle­ro­se erkrankt ist, begehrt vom Bun­des­amt für Arz­nei­mit­tel und Medi­zin­pro­duk­te die Erlaub­nis zum Anbau von Can­na­bis zu the­ra­peu­ti­schen Zwe­cken. Nach Ansicht sei­ner Ärz­te hat der jah­re­lan­ge regel­mä­ßi­ge Can­na­bis­kon­sum des Klä­gers güns­ti­ge Effek­te auf die mit sei­ner Erkran­kung ver­bun­de­ne Ata­xie (Stö­run­gen der Bewe­gungs­ko­or­di­na­ti­on). Der Klä­ger sieht aus medi­zi­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Grün­den die von sei­ner Kran­ken­kas­se nicht über­nom­me­ne Behand­lung mit Dro­nabi­nol oder mit Can­na­bis-Extrakt nicht als Alter­na­ti­ve an und bean­trag­te des­we­gen eine Erlaub­nis nach dem Betäu­bungs­mit­tel­ge­setz zum Eigen­an­bau von Can­na­bis. Die­se wur­de ihm vom BfArM mit der Begrün­dung ver­sagt, eine Erlaub­nis ver­sto­ße gegen das inter­na­tio­na­le Sucht­stoff­über­ein­kom­men. Zudem habe der Klä­ger kei­ne geeig­ne­ten Siche­rungs­maß­nah­men in sei­ner Woh­nung, um den Zugriff Drit­ter zu ver­hin­dern. Der selbst ange­bau­te Can­na­bis sei zur medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung des Klä­gers auch unge­eig­net, da die Qua­li­tät des Wirk­stoffs nicht nach­ge­wie­sen sei.

Die­sem Argu­men­ten folg­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln jedoch nicht und stell­te fest, dass die ableh­nen­de Ent­schei­dung des Bun­des­amt für Arz­nei­mit­tel und Medi­zin­pro­duk­te rechts­wid­rig war. Zwin­gen­de Ver­sa­gungs­grün­de lägen nicht vor. Die Siche­rungs­maß­nah­men des Klä­gers sei­en aus­rei­chend. Der jah­re­lan­ge Eigen­an­bau bele­ge, dass der Klä­ger sich durch eine The­ra­pie mit dem eigen­an­ge­bau­ten Can­na­bis nicht selbst schä­di­ge. Der mit der Erlaub­nis­er­tei­lung ver­bun­de­ne Ver­stoß gegen das inter­na­tio­na­le Sucht­stoff­ab­kom­men müs­se nicht zwin­gend zu einer Ver­sa­gung der Erlaub­nis füh­ren. Das BfArM habe auch bei Ver­stoß gegen das Abkom­men einen Ermes­sens­spiel­raum, inner­halb des­sen auch die Inter­es­sen des Klä­gers ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen sei­en. Die­ses Ermes­sen habe die Behör­de (bis­her) nicht ord­nungs­ge­mäß aus­ge­übt, weil sie allein dar­auf abge­stellt habe, dass eine Ver­trags­ver­let­zung dem Anse­hen der Bun­des­re­pu­blik scha­de. Des­halb müs­se die Behör­de über den Antrag neu ent­schei­den und dabei auch den gegen­wär­ti­gen Gesund­heits­zu­stand des Klä­gers berück­sich­ti­gen, was zu einer ande­ren Ent­schei­dung füh­ren kön­ne.

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Urteil vom 11. Janu­ar 2011 – 7 K 3889/​09