Coro­na – und das Got­tes­dienst­ver­bot

Die Ber­li­ner Coro­na­ver­ord­nung führt nicht zu einer unver­hält­nis­mä­ßi­gen Ein­schrän­kung der Reli­gi­ons­frei­heit nach Art. 4 Abs. 1 und 2 GG.

Coro­na – und das Got­tes­dienst­ver­bot

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin bestä­tigt, mit dem die Eil­an­trä­ge eines reli­giö­sen Ver­eins und eines Got­tes­dienst­be­su­chers abge­lehnt wur­den. Der Ver­ein beab­sich­tig­te, öffent­li­che Got­tes­diens­te unter Ein­hal­tung von Min­dest­ab­stän­den (1,50 m) mit bis zu 50 Teil­neh­men­den durch­zu­füh­ren und deren Kon­takt­da­ten in Lis­ten auf­zu­neh­men. Nach der Ber­li­ner SARS-Co-V2-Ein­däm­mungs­ver­ord­nung vom 22. März 2020 gilt stadt­weit nicht nur die grund­sätz­li­che Ver­pflich­tung, sich in sei­ner Woh­nung bzw. gewöhn­li­chen Unter­kunft auf­zu­hal­ten, son­dern außer­dem ein Ver­bot ver­meid­ba­rer öffent­li­cher und nicht­öf­fent­li­cher Ver­an­stal­tun­gen und Ver­samm­lun­gen. Von den in der Ver­ord­nung gere­gel­ten Aus­nah­men zu die­sem Ver­bot sind Got­tes­diens­te nicht erfasst. So ist der Besuch von Kir­chen, Moscheen, Syn­ago­gen und Häu­sern ande­rer Glau­bens- und Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten der­zeit nur zur indi­vi­du­el­len stil­len Ein­kehr erlaubt. Hier­durch sehen sich die Antrag­stel­ler, die Got­tes­diens­te in tra­di­tio­nel­ler römi­scher Lit­ur­gie abhal­ten bzw. im Fall des Antrag­stel­lers zu 2. besu­chen, jeweils in ihrer Reli­gi­ons­frei­heit ver­letzt.

Nach Mei­nung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin [1] ver­let­ze die Rege­lung nicht die Reli­gi­ons­frei­heit der Antrag­stel­ler. Die Bestim­mung bedeu­te zwar einen Ein­griff in die Reli­gi­ons­frei­heit. Die­ser sei jedoch durch wider­strei­ten­de Grund­rech­te und Wer­te von Ver­fas­sungs­rang gerecht­fer­tigt, nament­lich den Schutz von Leben und Gesund­heit sowohl der Got­tes­dienst­teil­neh­mer als auch der übri­gen Bevöl­ke­rung, aber auch der Auf­recht­erhal­tung eines funk­tio­nie­ren­den öffent­li­chen Gesund­heits­sys­tems. Zum Schutz die­ser Wer­te sei das zeit­lich begrenz­te Ver­bot auch ver­hält­nis­mä­ßig. Der Kern­be­reich der Reli­gi­ons­frei­heit wer­de nicht berührt. Kir­chen­be­su­che zur indi­vi­du­el­len stil­len Ein­kehr blie­ben wei­ter erlaubt, eben­so pri­va­te Andach­ten im Kreis der Haus­halts­an­ge­hö­ri­gen. Fer­ner bestehe die Mög­lich­keit, Got­tes­diens­te auf elek­tro­ni­schem Wege zu über­tra­gen und als gläu­bi­ger Mensch ent­spre­chen­de Ange­bo­te zu nut­zen.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg habe das Ver­wal­tungs­ge­richt bean­stan­dungs­frei dar­ge­legt, dass die Got­tes­diens­te, die die Antrag­stel­ler ins­be­son­de­re in der Kar­wo­che sowie wäh­rend der Oster­fei­er­ta­ge fei­ern wol­len, die erheb­li­che Gefahr wei­te­rer Infek­tio­nen ber­gen wür­den. Die Grund­rechts­ein­grif­fe sei­en zum Schutz der hoch­ran­gi­gen Ver­fas­sungs­gü­ter des Lebens und der Gesund­heit gerecht­fer­tigt. Dabei sei auch zu berück­sich­ti­gen, dass die Reli­gi­ons­aus­übung nur teil­wei­se ein­ge­schränkt wer­de und die Ein­schrän­kun­gen einen engen Gel­tungs­zeit­raum hät­ten.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 8. April 2020 – OVG 11 S 21.11

  1. VG Ber­lin, Beschluss vom 07.04.2020 – VG 14 L 32/​20[]