Coro­na – und die Betriebs­un­ter­sa­gung für Fitnessstu­dios

Die durch die anläss­lich der Coro­na-Pan­de­mi ver­ord­ne­te Betriebs­un­ter­sa­gung in ers­ter Linie betrof­fe­ne Berufs­frei­heit muss gegen­über dem Schutz von Leben und Gesund­heit vor­über­ge­hend zu­rücktreten.

Coro­na – und die Betriebs­un­ter­sa­gung für Fitnessstu­dios

So hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Fit­ness­stu­di­os ent­schie­den und den Antrag der Antrag­stel­le­rin auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung abge­lehnt. Die vom Minis­ter für Arbeit, Gesund­heit und Sozia­les des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len erlas­se­ne Coro­na­schutz­ver­ord­nung unter­sagt den Betrieb von Fitnessstu­dios, Son­nen­stu­di­os, Schwimm­bä­dern, „Spaß­bä­dern“, Sau­nen und ähn­li­chen Ein­richtungen. Hier­ge­gen wand­te sich eine GmbH, die in Bie­le­feld ein Fit­ness­stu­dio be­treibt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len sei die ange­grif­fe­ne Rege­lung vor­aus­sicht­lich recht­mä­ßig. Der Verordnungs­geber gehe bei der der­zei­ti­gen Erkennt­nis­la­ge in nicht zu bean­stan­den­der Wei­se davon aus, dass die strik­te Mini­mie­rung per­sön­li­cher mensch­li­cher Kon­tak­te erfor­derlich sei, um die Infek­ti­ons­dy­na­mik zu brem­sen und eine gra­vie­ren­de Über­las­tung des Gesund­heits­we­sens zu ver­mei­den. Das schlie­ße Betriebs­un­ter­sa­gun­gen für Sport- und Frei­zeit­ein­rich­tun­gen und auch für Fit­ness­stu­di­os ein. Infektionsbegünsti­gende Kon­tak­te ent­stün­den nicht nur bei (sport­li­chen) Grup­pen­ak­ti­vi­tä­ten, son­dern z. B. auch wäh­rend des indi­vi­du­el­len Trai­nings im Fit­ness­stu­dio, bei der Geräteeinwei­sung oder bei kor­ri­gie­ren­den Ein­grif­fen durch das Fach­per­so­nal. Dar­über hin­aus kom­me es im Übungs­be­reich, in den Umklei­de­ka­bi­nen und Duschen zu häu­fig wech­seln­den Begeg­nun­gen zwi­schen den Sport­trei­ben­den sowie mit den Betreu­ern. Hin­zu kom­me, dass akti­ve sport­li­che Betä­ti­gun­gen grund­sätz­lich mit einer intensive­ren Atmung ein­her­gin­gen und des­halb ver­mehrt poten­ti­ell virus­hal­ti­ge Tröpf­chen in die Luft abge­ge­ben wer­den könn­ten. Neben die­sen phy­si­schen Nah­kon­tak­ten könn­ten gege­be­nen­falls auch indi­rek­te Kon­tak­te über die Berüh­rung der­sel­ben Oberflä­chen, was ins­be­son­de­re bei Sau­nen und Son­nen­stu­di­os, aber auch bei der Benut­zung von Sport­ge­rä­ten durch ver­schie­de­ne Nut­zer der Fall sein dürf­te, zu neu­en In­fektionsketten füh­ren, da Schmier­in­fek­tio­nen nicht aus­ge­schlos­sen sei­en. Die durch die Betriebs­un­ter­sa­gung in ers­ter Linie betrof­fe­ne Berufs­frei­heit müs­se vor die­sem Hin­ter­grund gegen­über dem Schutz von Leben und Gesund­heit vor­über­ge­hend zu­rücktreten.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom 15. April 2020 – 13 B 440/​20.NE