Coro­nabe­ding­te Schlie­ßung von Bor­del­len

Die Schlie­ßung der Pro­sti­tu­ti­ons­stät­ten stellt auch unter Berück­sich­ti­gung des aktu­el­len Infek­ti­ons­ge­sche­hens eine not­wen­di­ge infek­ti­ons­schutz­recht­li­che Maß­nah­me dar.

Coro­nabe­ding­te Schlie­ßung von Bor­del­len

Mit die­ser Begrün­dung hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len meh­re­re Anträ­ge auf einst­wei­li­ge Außer­voll­zug­set­zung der Schlie­ßung von Pro­sti­tu­ti­ons­stät­ten, Bor­del­len und ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen durch § 1 Abs. 3 Nr. 4 der Nie­der­säch­si­schen Ver­ord­nung über infek­ti­ons­schüt­zen­de Maß­nah­men gegen die Aus­brei­tung des Coro­na-Virus vom 8. Mai 2020 [1], zuletzt geän­dert durch Art. 1 der Ver­ord­nung zur Ände­rung der Nie­der­säch­si­schen Ver­ord­nung über infek­ti­ons­schüt­zen­de Maß­nah­men gegen die Aus­brei­tung des Coro­na-Virus vom 5. Juni 2020 [2], abge­lehnt.

Nach Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts stel­le die Schlie­ßung der Pro­sti­tu­ti­ons­stät­ten auch unter Berück­sich­ti­gung des aktu­el­len Infek­ti­ons­ge­sche­hens und des Wech­sels bis­her ver­ord­ne­ter Schlie­ßun­gen hin zu kon­kre­ten Hygie­ne­be­schrän­kun­gen im Bereich "kör­per­na­her Dienst­leis­tun­gen" wei­ter­hin eine not­wen­di­ge infek­ti­ons­schutz­recht­li­che Maß­nah­me dar. Die Schlie­ßung von Pro­sti­tu­ti­ons­stät­ten zie­le dar­auf ab, die von der­ar­ti­gen Ein­rich­tun­gen aus­ge­hen­de erhöh­te Infek­ti­ons­ge­fahr aus­zu­schlie­ßen. Die erhöh­te Gefähr­dung beru­he maß­geb­lich auf dem bei den ange­bo­te­nen sexu­el­len Dienst­leis­tun­gen not­wen­di­ger­wei­se her­zu­stel­len­den unmit­tel­ba­ren Kör­per­kon­takt mit unter Umstän­den häu­fig wech­seln­den Sexu­al­part­nern.

Auch für die Erbrin­gung von Mas­sa­gen als sexu­el­len Dienst­leis­tun­gen gel­te die Gefähr­dungs­ein­schät­zung. Den erhöh­ten Infek­ti­ons­ge­fah­ren kön­ne nicht in glei­cher Wei­se effek­tiv wie bei ande­ren "kör­per­na­hen Dienst­leis­tun­gen" durch Hygie­ne­be­schrän­kun­gen vor­ge­beugt wer­den. Soweit die übli­chen Hygie­ne­be­schrän­kun­gen (Mund-Nasen-Bede­ckung, Abstands­wah­rung und Erhe­bung von Kon­takt­in­for­ma­tio­nen der Kun­den) über­haupt mit der Erbrin­gung sexu­el­ler Dienst­leis­tun­gen ver­ein­bar sei­en, dürf­te ihre Ein­hal­tung in der tat­säch­li­chen Dienst­leis­tungs­pra­xis nur schwer zu über­wa­chen sein.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschlüs­se vom 29. Mai 2020 – 13 MN 185/​20, vom 8. Juni 2020 – 13 MN 204/​20 und vom 9. Juni 2020 – 13 MN 211/​20

  1. Nds. GVBl. S. 97[]
  2. Nds. GVBl. S. 147[]