Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen bei der Beset­zungs­rü­ge

Kommt es für die Beur­tei­lung einer Beset­zungs­rü­ge auf gerichts­in­ter­ne Vor­gän­ge an, so muss der Rechts­be­schwer­de­füh­rer dar­le­gen, dass er zweck­ent­spre­chen­de Auf­klä­rung gesucht hat; die Rüge darf nicht auf blo­ßen Ver­dacht erho­ben wer­den.

Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen bei der Beset­zungs­rü­ge

Nach § 72 Abs. 5, § 92 Abs. 2 Satz 1, § 94 Abs. 2 Satz 2 ArbGG i.V.m. § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b ZPO, § 557 Abs. 3 Satz 2 ZPO muss die Rechts­be­schwer­de­be­grün­dung, soweit ein nicht bereits von Amts wegen zu beach­ten­der Ver­fah­rens­feh­ler gel­tend gemacht wird, die Bezeich­nung der Tat­sa­chen ent­hal­ten, die den Man­gel erge­ben 1. Wenn es sich dabei um gerichts­in­ter­ne Vor­gän­ge han­delt, muss die Rechts­be­schwer­de zumin­dest dar­le­gen, dass sie zweck­ent­spre­chen­de Auf­klä­rung gesucht hat; die Rüge darf nicht auf blo­ßen Ver­dacht erho­ben wer­den (vgl. BGH, Beschluss vom 26.03.1986 – III ZR 114/​85; Urteil vom 20.06.1991 – VII ZR 11/​91; sowie Beschluss vom 07.02.1995 – X ZB 20/​93)). Die unvor­schrifts­mä­ßi­ge Beset­zung des Beschwer­de­ge­richts im Sin­ne von § 547 Nr. 1 ZPO kann – von einem hier nicht gege­be­nen Aus­nah­me­fall abge­se­hen – vom Rechts­be­schwer­de­ge­richt nur auf eine ord­nungs­ge­mäß erho­be­ne Ver­fah­rens­rüge hin über­prüft wer­den 2.

Die Rüge des Betei­lig­ten, die Vor­sit­zen­de des Fach­se­nats sei im Anhö­rungs­ter­min des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts vom 21. Dezem­ber 2009 in Wirk­lich­keit nicht ver­hin­dert gewe­sen, ist auf blo­ßen Ver­dacht erho­ben wor­den. Nach dem Geschäfts­ver­tei­lungs­plan des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für 2009 war Vor­sit­zen­de des Fach­se­nats für Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­sa­chen Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Her­kel­mann-Mrow­ka; ers­ter stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der war seit 15. Sep­tem­ber 2009 auf­grund der vier­ten Ände­rung des Geschäfts­ver­tei­lungs­plans vom 17. Juni 2009 Rich­ter am Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. Stutt­mann, der im Anhö­rungs­ter­min vom 21. Dezem­ber 2009 den Vor­sitz geführt hat. Dass die­ser am Ter­mins­ta­ge in drei wei­te­ren Ver­fah­ren die Sit­zung gelei­tet, dass er in einem wei­te­ren Beschwer­de­ver­fah­ren die Erör­te­rung vor­be­rei­tet und in der vor­lie­gen­den Sache die Ladung in Ver­tre­tung unter­zeich­net hat, moch­te dem Betei­lig­ten Anlass geben, im Anhö­rungs­ter­min oder sonst bis zum Ablauf der Rechts­be­schwer­de­be­grün­dungs­frist das Gericht um eine Erklä­rung zu bit­ten. Dass der Betei­lig­te wirk­lich nach­ge­fragt und wel­che Ant­wort er gege­be­nen­falls vom Gericht erhal­ten hat, wird in der Rechts­be­schwer­de­be­grün­dung nicht dar­ge­legt. Die­se erschöpft sich dem­nach in Mut­ma­ßun­gen, wel­che kei­ne geeig­ne­te Grund­la­ge für die Auf­klä­rung des gel­tend gemach­ten Beset­zungs­man­gels durch das Rechts­be­schwer­de­ge­richt dar­stel­len.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 23. Novem­ber 2010 – 6 P 2.10

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 03.05.1999 – 6 P 2.98, inso­weit bei Buch­holz 250 § 108 BPers­VG Nr. 3 nicht abge­druckt; und vom 01.11.2005 – 6 P 3.05, Buch­holz 250 § 9 BPers­VG Nr. 25 Rn. 53, inso­weit bei BVerw­GE 124, 292 nicht abge­druckt[]
  2. vgl. BAG, Urtei­le vom 20.06.2007 – 10 AZR 375/​06, AP Nr. 6 zu § 547 ZPO Rn. 14; und vom 26.09.2007 – 10 AZR 35/​07, AP Nr. 7 zu § 547 Rn. 9; sowie Beschluss vom 15.04.2008 – 1 ABR 44/​07, AP Nr. 70 zu § 80 BetrVG 1972 Rn. 52; BGH, Beschlüs­se vom 13.03.2003 – IX ZB 134/​02, BGHZ 154, 200, 203; und vom 29.04.2004 – V ZB 46/​03[]