Das Anfor­de­rungs­pro­fil einer Stel­len­aus­schrei­bung

Bei der Beset­zung einer Stel­le liegt die Fest­le­gung des Anfor­de­rungs­pro­fils im Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen des Dienst­herrn, wenn die­ser sich nicht von sach­wid­ri­gen Erwä­gun­gen lei­ten lässt. Eine Ver­let­zung des Ver­trau­lich­keits­grund­sat­zes kann zugleich eine Ver­let­zung des Gebots der Chan­cen­gleich­heit im Bewer­bungs­ver­fah­ren dar­stel­len, aber allein in der Wei­ter­ga­be der Tele­fon­num­mern eini­ger Bewer­ber an den Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den einer Par­tei liegt noch kei­ne die Chan­cen­gleich­heit beein­träch­ti­gen­de Benach­tei­li­gung.

Das Anfor­de­rungs­pro­fil einer Stel­len­aus­schrei­bung

So das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt der Frei­en Han­se­stadt Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Streit über die Stel­le eines haupt­amt­li­chen Stadt­ra­tes als Bau­de­zer­nent in Bre­mer­ha­ven. Im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Eil­ver­fah­ren hat­te die unter­le­ge­ne Bewer­be­rin in ers­ter Linie gel­tend gemacht, die aus­ge­wähl­te Bewer­be­rin erfül­le das zwin­gen­de Anfor­de­rungs­pro­fil der Stel­le nicht. Ihr feh­le Lei­tungs­er­fah­rung im Bau- oder Ver­wal­tungs­be­reich. Zudem sei gegen die Grund­sät­ze der Amts­ver­schwie­gen­heit und des fai­ren Ver­fah­rens ver­sto­ßen wor­den, weil der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Frak­ti­on Bünd­nis 90/​DIE GRÜNEN Tele­fon­num­mern von Bewer­bern erhal­ten hat­te und die­se benutzt hat­te, um eine öffent­li­che Ver­samm­lung des Kreis­ver­ban­des Bre­mer­ha­ven der Par­tei Bünd­nis 90/​DIE GRÜNEN zur Vor­stel­lung der Kan­di­da­ten vor­zu­be­rei­ten. Nach­dem das Ver­wal­tungs­ge­richt Bre­men den Antrag der Mit­be­wer­be­rin mit Beschluss vom 22. Okto­ber 2013 abge­lehnt hat­te, wur­de Beschwer­de beim Ober­ver­wal­tungs­ge­richt der Frei­en Han­se­stadt Bre­men erho­ben.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts der Frei­en Han­se­stadt Bre­men lie­ge die Fest­le­gung des Anfor­de­rungs­pro­fils im Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen des Dienst­herrn, wenn die­ser sich nicht von sach­wid­ri­gen Erwä­gun­gen lei­ten las­se. Die Aus­le­gung des Tex­tes der Stel­len­aus­schrei­bung erge­be, dass die gefor­der­te mehr­jäh­ri­ge Lei­tungs­er­fah­rung nicht im jewei­li­gen Fach­be­reich des abge­schlos­se­nen Hoch­schul­stu­di­ums der Bewer­ber erwor­ben wor­den sein müs­se. Die Stadt Bre­mer­ha­ven habe sich dafür ent­schei­den kön­nen, Bewer­ber mit Lei­tungs­er­fah­run­gen in fach­frem­den Berei­chen nicht durch ein eng gefass­tes Anfor­de­rungs­merk­mal aus dem Aus­wahl­ver­fah­ren aus­zu­schei­den, son­dern Umfang und Qua­li­tät der Lei­tungs­er­fah­rung im Rah­men des Leis­tungs­ver­gleichs zu wür­di­gen. Dass die aus­ge­wähl­te Bewer­be­rin ent­ge­gen ihren Bewer­bungs­un­ter­la­gen nicht über Lei­tungs­er­fah­run­gen ver­fü­ge, sei von der unter­le­ge­nen Bewer­be­rin im Beschwer­de­ver­fah­ren nicht dar­ge­legt wor­den.

Eine Ver­let­zung des Ver­trau­lich­keits­grund­sat­zes kön­ne zugleich eine Ver­let­zung des Gebots der Chan­cen­gleich­heit im Bewer­bungs­ver­fah­ren dar­stel­len, wenn die Kennt­nis von der Bewer­bung eines Mit­be­wer­bers oder von dem Inhalt sei­ner Bewer­bungs­un­ter­la­gen einem ande­ren Bewer­ber einen Infor­ma­ti­ons­vor­sprung und dadurch Vor­tei­le im Bewer­bungs­ver­fah­ren ver­schaf­fen kön­ne. Allein in der Wei­ter­ga­be der Tele­fon­num­mern eini­ger Bewer­ber an den Vor­sit­zen­den der Frak­ti­on Bünd­nis 90/​DIE GRÜNEN lie­ge noch kei­ne die Chan­cen­gleich­heit beein­träch­ti­gen­de Benach­tei­li­gung. Die unter­le­ge­ne Bewer­be­rin habe auch nicht glaub­haft gemacht, dass das öffent­li­che Vor­stel­lungs­ge­spräch zu einer Ver­let­zung des Gebots der Chan­cen­gleich­heit geführt habe. Sie habe an dem Vor­stel­lungs­ge­spräch teil­ge­nom­men. Die sich aus der Kennt­nis der Schwä­chen und Stär­ken der Mit­be­wer­ber erge­ben­den Vor­tei­le habe sie für sich glei­cher­ma­ßen nut­zen kön­nen wie die ande­ren Teil­neh­mer des öffent­li­chen Vor­stel­lungs­ge­sprächs.

Aus die­sen Grün­den ist die Beschwer­de der im Aus­wahl­ver­fah­ren unter­le­ge­nen Bewer­be­rin auf die Stel­le einer haupt­amt­li­chen Stadt­rä­tin als Bau­de­zer­nen­tin in Bre­mer­ha­ven zurück­ge­wie­sen wor­den. Die Stel­le kann daher mit der von der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung gewähl­ten Bewer­be­rin besetzt wer­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt der Frei­en Han­se­stadt Bre­men, Beschluss vom 30. Janu­ar 2014 – 2 B 258/​13