Das Anhal­ten des Demons­tra­ti­ons­zu­ges der Block­u­py-Ver­an­stal­tung

Um die Ver­samm­lungs­frei­heit von fried­li­chen Demons­tran­ten zu gewähr­leis­ten, ist das Mit­tel der Sepa­rie­rung eines unfried­li­chen Blocks durch Ein­zie­hen von Poli­zei­ket­ten recht­mä­ßig. Das Anhal­ten einer Demons­tra­ti­on ist als eine schwä­che­re Maß­nah­me zu der Auf­lö­sung der gesam­ten Demons­tra­ti­on gerecht­fer­tigt, wenn damit sicher­ge­stellt wer­den kann, dass durch gewalt­tä­ti­ge Aktio­nen Ein­zel­ner aus einem bestimm­ten Block kei­ne wei­te­ren Gefah­ren aus­ge­hen.

Das Anhal­ten des Demons­tra­ti­ons­zu­ges der Block­u­py-Ver­an­stal­tung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall die poli­zei­li­chen Maß­nah­men bei der Demons­tra­ti­on zur Block­u­py-Ver­an­stal­tung vom 1. Juni 2013 als recht­mä­ßig beur­teilt. Geklagt hat­te der Anmel­der der Ver­an­stal­tung, der durch das Anhal­ten des Demons­tra­ti­ons­zu­ges anläss­lich der Block­u­py-Ver­an­stal­tung in der Nähe des städ­ti­schen Schau­spiel­hau­ses durch Ein­zie­hen von zwei Poli­zei­ket­ten und durch den Aus­schluss eines Teils der Demons­tra­ti­ons­teil­neh­mer sein Grund­recht auf Ver­samm­lungs­frei­heit aus Arti­kel 8 des Grund­ge­set­zes ver­letzt sah.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt a.M. aus­ge­führt, das dor­ti­ge Gesche­hen sei als gewalt­be­rei­te Aktio­nen Ein­zel­ner aus einem abge­grenz­ten Block her­aus zu wer­ten: es wur­de Pyro­tech­nik ver­wandt ( ben­ga­li­sche Feu­er ), man ver­mumm­te sich mit Kapu­zen, Son­nen­bril­len und Plas­tik­vi­sie­ren und leg­te eine soge­nann­te Schutz­be­klei­dung an; dar­über hin­aus wur­de der Block durch ver­kno­te­te Sei­le nach außen deut­lich sicht­bar von den rest­li­chen Demons­tra­ti­ons­teil­neh­mern abge­schirmt. Damit konn­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Ver­stö­ße gegen Auf­la­gen, unter denen die Ver­samm­lung ursprüng­lich geneh­migt wor­den war, sowie die tat­be­stand­li­che Erfül­lung von Straf­tat­be­stän­den erken­nen. Durch das Wer­fen von Pyro­tech­nik und die Ver­mum­mung ein­zel­ner Teil­neh­mer bestand die Gefahr, dass wei­te­re Straf­tat­be­stän­de aus die­ser Grup­pe her­aus began­gen wer­den könn­ten.

Da der Klä­ger und Ver­samm­lungs­lei­ter die­ser ange­mel­de­ten Demons­tra­ti­on offen­sicht­lich nicht wil­lens oder in der Lage war, die ein­zel­nen gewalt­tä­ti­gen Aus­schrei­tun­gen zu unter­bin­den und Ver­stö­ße gegen die Auf­la­gen zu ver­hin­dern, wur­de das Ein­grei­fen der Poli­zei als gebo­ten und ver­hält­nis­mä­ßig bewer­tet; dies auch unter dem Aspekt, dass auf Ange­bo­te der Poli­zei, die Bewaff­nung und Ver­mum­mung abzu­le­gen und nach einer Durch­su­chung der Teil­neh­mer aus dem Block die Demons­tra­ti­on fort­set­zen zu kön­nen, nicht ein­ge­gan­gen wur­de. Um die Ver­samm­lungs­frei­heit der fried­li­chen Demons­tran­ten zu gewähr­leis­ten, sei das Mit­tel der Sepa­rie­rung des unfried­li­chen Blocks durch Ein­zie­hen der Poli­zei­ket­ten als recht­mä­ßig zu bewer­ten. Für die fried­li­chen Demons­tra­ti­ons­teil­neh­mer habe auch eine alter­na­ti­ve Rou­te zur Ver­fü­gung gestan­den, um den ein­ge­schlos­se­nen Block umge­hen zu kön­nen und sodann wie­der auf die geneh­mig­te Stre­cken­füh­rung zu gelan­gen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt wer­te­te das Anhal­ten der Demons­tra­ti­on als eine Minus­maß­nah­me (schwä­che­re Maß­nah­me) zu der Auf­lö­sung der gesam­ten Demons­tra­ti­on, die durch gewalt­tä­ti­ge Aktio­nen Ein­zel­ner aus einem bestimm­ten Block (soge­nann­ter schwar­zer Block), der sich im vor­de­ren Teil des Demons­tra­ti­ons­zu­ges befand, gerecht­fer­tigt war. Aus prä­ven­ti­ven Grün­den durf­te die Poli­zei den Demons­tra­ti­ons­zug anhal­ten, um so sicher­zu­stel­len, dass kei­ne wei­te­ren Gefah­ren von einem Teil der Demons­tra­ti­ons­teil­neh­mer aus­ge­hen konn­ten.

Die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge, mit der der Klä­ger letzt­end­lich errei­chen woll­te, dass das Vor­ge­hen der Poli­zei als rechts­wid­rig ein­ge­stuft wur­de, konn­te kei­nen Erfolg haben. Dies bezieht sich sowohl auf das Ein­zie­hen der Poli­zei­ket­ten für den auf­fäl­li­gen Bereich der Demons­tra­ti­ons­teil­neh­me (schwar­zer Block) als auch für den Aus­schluss von ca. 950 Per­so­nen von der wei­te­ren Demons­tra­ti­on.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 23. Juni 2014 – 5 K 2340/​13.F und 5 K 2334/​13.F