Das Box­spring­bett von der Con­ter­gan­stif­tung

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Con­ter­gan­stif­tung ver­pflich­tet, einer Tha­li­do­mid­ge­schä­dig­ten die Kos­ten für die Anschaf­fung eines Box­spring­bet­tes in Höhe von rund 5.100 € zu erstat­ten.

Das Box­spring­bett von der Con­ter­gan­stif­tung

Auf­grund von Rücken­schmer­zen und Ver­span­nun­gen, die ihre Ursa­che in erheb­li­chen Belas­tun­gen der Wir­bel­säu­le, des gesam­ten Rückens und der Hüf­ten haben, ver­ord­ne­te der Haus­arzt der Klä­ge­rin ein Box­spring­bett mit Motor. Nach­dem die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung die Über­nah­me der Kos­ten abge­lehnt hat­te, mach­te die Klä­ge­rin gegen­über der Con­ter­gan­stif­tung die Kos­ten­er­stat­tung gel­tend. Auch die­se lehn­te eine Kos­ten­er­stat­tung ab, weil das Box­spring­bett kein Hilfs­mit­tel im Sin­ne der Richt­li­ni­en zum Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz sei. Viel­mehr han­de­le es sich um rei­nes Woh­nungs­mo­bi­li­ar, das als Gebrauchs­ge­gen­stand für jeder­mann nütz­lich sei. Das Con­ter­ga­nop­fer mach­te dem­ge­gen­über gel­tend, das Bett erleich­te­re ihr das selb­stän­di­ge Hin­le­gen und Auf­ste­hen. Zudem die­ne die mit Hil­fe des Motor­un­ter­baus prä­zi­se Ver­stell­bar­keit der Lin­de­rung behin­de­rungs­be­ding­ter Ein­schrän­kun­gen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hat den Anspruch auf Kos­ten­er­stat­tung bejaht:

Der Begriff soge­nann­ter „spe­zi­fi­scher Bedar­fe“ im Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz, befand das Ver­wal­tungs­ge­richt, sei nicht auf streng medi­zi­ni­sche Bedar­fe wie z.B. The­ra­pi­en, Arz­nei­mit­tel oder Medi­zin­pro­duk­te beschränkt. Er kön­ne viel­mehr auch ande­re Hil­fen zur All­tags­be­wäl­ti­gung umfas­sen. Die Begren­zung der Mit­tel und der Grund­satz spar­sa­mer Ver­wen­dung öffent­li­cher Mit­tel gebö­ten aller­dings eine an den Bedürf­nis­sen der Antrag­stel­le­rin ori­en­tier­te Ein­zel­fall­prü­fung. Ange­sichts der Art und der Schwe­re der Behin­de­rung und der kon­kre­ten Vor­tei­le des für die Bedürf­nis­se des Con­ter­ga­nop­fers exakt ein­stell­ba­ren Box­spring­bet­tes fal­le die­se Ein­zel­fall­prü­fung zuguns­ten der Con­ter­gan­ge­schä­dig­ten aus.

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Urteil vom 12. Novem­ber 2015 – 7 K 1382/​14