Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und die Corona-Bundesnotbremse

Gegen das am 23. April 2021 in Kraft getre­te­ne Vier­te Bevöl­ke­rungs­schutz­ge­setz („Bun­des­not­brem­se“) sind bis ein­schließ­lich 31. Juli 2021 ins­ge­samt 301 Ver­fah­ren beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein­ge­gan­gen. Bei die­sen – teil­wei­se bereits erle­dig­ten – Ver­fah­ren han­delt es sich um 281 Ver­fas­sungs­be­schwer­den (davon 200 ver­bun­den mit einem Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung) sowie um 20 iso­lier­te Anträ­ge auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung. Dar­über hin­aus sind wei­te­re 151 Ein­ga­ben im All­ge­mei­nen Regis­ter erfasst.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und die Corona-Bundesnotbremse

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den und Anträ­ge rich­ten sich teil­wei­se gegen ein­zel­ne Vor­schrif­ten, ins­be­son­de­re gegen § 28b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 IfSG („Aus­gangs­be­schrän­kun­gen“), § 28b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 IfSG („Kon­takt­be­schrän­kun­gen“), § 28b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 IfSG („Beschrän­kung von Frei­zeit­ein­rich­tun­gen“), § 28b Abs. 1 Satz 1 Nr. 10 IfSG („tou­ris­ti­sche Beher­ber­gung“) oder § 28b Abs. 3 IfSG („Schul­schlie­ßun­gen“ und „Test­pflicht“), teil­wei­se zugleich gegen meh­re­re oder gegen sämt­li­che Rege­lun­gen des § 28b IfSG. Zum Teil wur­den die Ver­fas­sungs­be­schwer­den und Anträ­ge von meh­re­ren Per­so­nen gemein­sam ein­ge­reicht; die Gesamt­zahl der Beschwer­de­füh­rer und Antrag­stel­ler beträgt 8.572 (Stand: 31. Juli 2021).

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat durch Beschluss des Ers­ten Senats vom 5. Mai 2021 den Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung in fünf Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren abge­lehnt (vgl. Pres­se­mit­tei­lung Nr. 33/​2021 vom 5. Mai 2021). Bis zum 31. Juli 2021 wur­den zudem 139 Ver­fas­sungs­be­schwer­den durch Kam­mer­be­schlüs­se nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, drei Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren erle­dig­ten sich auf sons­ti­ge Wei­se; dar­über hin­aus wur­den 19 iso­lier­te Anträ­ge auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung durch Kam­mer­be­schlüs­se abge­lehnt, ein wei­te­rer Antrag erle­dig­te sich auf sons­ti­ge Wei­se (vgl. zu den Kam­mer­be­schlüs­sen Pres­se­mit­tei­lung Nr. 42/​2021 vom 20. Mai 2021 und Pres­se­mit­tei­lung Nr. 47/​2021 vom 2. Juni 2021).

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Der Ers­te Senat des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts beab­sich­tigt, über meh­re­re aus­ge­wähl­te Haupt­sa­che­ver­fah­ren betref­fend die „Bun­des­not­brem­se“ vor­aus­sicht­lich noch im Oktober/​November 2021 zu ent­schei­den. Nach vor­läu­fi­ger Ein­schät­zung des Senats bedarf es hier­zu kei­ner münd­li­chen Ver­hand­lung, deren Durch­füh­rung eine Ent­schei­dung ver­zö­gern wür­de. Zur Vor­be­rei­tung die­ser Ent­schei­dung hat der Senat Sach­ver­stän­di­ge aus ver­schie­de­nen Fach­ge­bie­ten (u.a. Infek­tio­lo­gie, Epi­de­mio­lo­gie, Viro­lo­gie, Aero­sol­for­schung, Inten­siv­me­di­zin, Päd­ia­trie sowie Bil­dungs­for­schung und Erzie­hungs­wis­sen­schaft) um Stel­lung­nah­men ersucht.

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