Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und die Zuver­läs­sig­keit

Ver­fas­sungs­recht­lich ist nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nichts dage­gen ein­zu­wen­den, dass der Gesetz­ge­ber sich in § 7 Luft­SiG ‑eben­so wie in der Vor­gän­ger­vor­schrift § 29d LuftVG – des unbe­stimm­ten Rechts­be­griffs der Zuver­läs­sig­keit bedient. Die Ver­wen­dung unbe­stimm­ter Rechts­be­grif­fe ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht schlecht­hin bedenk­lich [1]. Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass der Begriff der Zuver­läs­sig­keit vom Gesetz­ge­ber seit jeher ver­wen­det wird und auf­grund einer lan­gen Tra­di­ti­on von Gesetz­ge­bung, Ver­wal­tungs­hand­ha­bung und Recht­spre­chung so aus­ge­füllt wor­den ist, dass sich an sei­ner rechts­staat­lich hin­rei­chen­den Bestimmt­heit im Grund­satz nicht zwei­feln lässt, mögen auch für jeden neu­en Sach­be­reich neue Kon­kre­ti­sie­run­gen erfor­der­lich sein [2].

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und die Zuver­läs­sig­keit

Die Rege­lung genügt auch dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Inso­weit ist zu berück­sich­ti­gen, dass dem Gesetz­ge­ber bei der Beur­tei­lung der Eig­nung und Erfor­der­lich­keit des gewähl­ten Mit­tels sowie bei der in die­sem Zusam­men­hang vor­zu­neh­men­den Ein­schät­zung und Pro­gno­se der dem Ein­zel­nen oder der All­ge­mein­heit dro­hen­den Gefah­ren ein Beur­tei­lungs­spiel­raum zusteht, der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt je nach der Eigen­art des in Rede ste­hen­den Sach­be­reichs, den Mög­lich­kei­ten, sich ein hin­rei­chend siche­res Urteil zu bil­den, und der auf dem Spiel ste­hen­den Rechts­gü­ter nur in begrenz­tem Umfang über­prüft wer­den kann [3]. Ange­sichts die­ses Maß­stabs bestehen kei­ne Beden­ken gegen Eig­nung und Erfor­der­lich­keit der Maß­nah­me. Die Rege­lung genügt auch dem Gebot der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit im enge­ren Sin­ne. Für den Bereich der Gefah­ren­ab­wehr gilt: Je gewich­ti­ger das gefähr­de­te Rechts­gut ist und je weit­rei­chen­der es durch die jewei­li­gen Hand­lun­gen beein­träch­tigt wür­de, des­to gerin­ge­re Anfor­de­run­gen dür­fen an den Grad der Wahr­schein­lich­keit gestellt wer­den, mit der auf eine dro­hen­de Ver­let­zung geschlos­sen wer­den kann, und des­to weni­ger fun­die­rend dür­fen gege­be­nen­falls die Tat­sa­chen sein, die auf die Gefähr­dung des Rechts­guts schlie­ßen las­sen [4]. Wegen des gera­de beim Luft­ver­kehr hohen Gefähr­dungs­po­ten­ti­als und der Hoch­ran­gig­keit der zu schüt­zen­den Rechts­gü­ter begeg­net es des­halb kei­nen Beden­ken, an die Zuver­läs­sig­keit von Flug­zeug­füh­rern stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len und schon bei begrün­de­ten Zwei­feln zu Las­ten des Über­prüf­ten zu ent­schei­den [5].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 4. August 2009 – - 1 BvR 1726/​09

  1. vgl.BVerfGE 21, 73, 79; stRspr[]
  2. vgl.BVerfGE 49, 89, 134[]
  3. vgl.BVerfGE 77, 84, 106 f.[]
  4. vgl.BVerfGE 113, 348, 386 m.w.N.[]
  5. vgl. auch BVerwG, Urteil vom 14. Dezem­ber 1990 – 7 C 20.90 -, NVwZ 1991, S. 889, 890 f.; BVerw­GE 121, 257, 262 f.[]