Das ehe­ma­li­ge Beklei­dungs­amt des III. Armee­korps in Span­dau

Bei einem Gebäu­de han­delt es sich dann nicht um ein Denk­mal, wenn dem Gebäu­de weder eine künst­le­ri­sche oder wis­sen­schaft­li­che Bedeu­tung zukommt, das Gebäu­de sich kei­nem bestimm­ten Archi­tek­ten zuord­nen lässt und nicht exem­pla­risch für eine bestimm­te Stil­rich­tung ist.

Das ehe­ma­li­ge Beklei­dungs­amt des III. Armee­korps in Span­dau

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin die Denk­ma­l­ei­gen­schaft des ehe­ma­li­gen Beklei­dungs­am­tes des III. Armee­korps in Ber­lin-Span­dau ver­neint. Außer­dem fehl­te es dem Gebäu­de-Ensem­ble nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts zur Erhal­tung des Gebäu­des am Inter­es­se der All­ge­mein­heit. Die Klä­ge­rin erwarb 2009 ein Grund­stück in Ber­lin-Span­dau, auf dem sich u.a. vier um einen Innen­hof grup­pier­te frei­ste­hen­de Zie­gel­bau­ten (Dienst­ge­bäu­de, Wohn­ge­bäu­de für zwei Unter­be­am­te, Werk­statt- sowie Lager­ge­bäu­de) befin­den. Die Gebäu­de wur­den 1888 als Beklei­dungs­amt für das III. Armee­korps errich­tet. Im April 2010 nahm das Lan­des­denk­mal­amt Ber­lin den Gebäu­de­kom­plex nach­richt­lich in die Denk­mal­lis­te auf. Das Bezirks­amt stell­te sich eben­falls auf den Stand­punkt, das Beklei­dungs­amt sei für die Struk­tur und die Stadt- und Mili­tär­ge­schich­te Span­daus prä­gend und besit­ze gro­ße städ­te­bau­li­che sowie stadt­ent­wick­lungs­ge­schicht­li­che Bedeu­tung.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin kom­me der Anla­ge kei­ne künst­le­ri­sche oder wis­sen­schaft­li­che Bedeu­tung zu. Die Gebäu­de lie­ßen sich kei­nem bestimm­ten Archi­tek­ten zuord­nen, sei­en nicht für eine bestimm­te Stil­rich­tung exem­pla­risch und sprä­chen das ästhe­ti­sche Emp­fin­den auch nicht in beson­de­rer Wei­se an. Fer­ner sei­en sie weder schon Gegen­stand wis­sen­schaft­li­cher For­schung gewe­sen noch als kon­kre­tes For­schungs­vor­ha­ben vor­ge­se­hen.

Der Gebäu­de­kom­plex habe aller­dings geschicht­li­che Bedeu­tung, weil er einen Abschnitt der Stadt‑, Bezirks- und Mili­tär­ge­schich­te Span­daus bezeu­ge, und er habe auch städ­te­bau­li­che Bedeu­tung.

Die Erhal­tung der Anla­ge lie­ge aber nicht im Inter­es­se der All­ge­mein­heit. Die­ses sei nur zu beja­hen, wenn eine all­ge­mei­ne Über­zeu­gung von der Denk­mal­wür­dig­keit einer Anla­ge und der Not­wen­dig­keit ihrer Erhal­tung bestehe, ins­be­son­de­re wenn die Denk­mal­wür­dig­keit in das Bewusst­sein der Bevöl­ke­rung oder eines brei­te­ren Krei­ses von Sach­ver­stän­di­gen ein­ge­gan­gen sei. Dar­an feh­le es hier. Bis­lang hät­ten sich kei­ne für die Öffent­lich­keit bestimm­te Publi­ka­tio­nen, Aus­stel­lun­gen oder Berich­te mit der Anla­ge befasst. Auch sach­ver­stän­di­ge Äuße­run­gen oder Fach­ver­öf­fent­li­chun­gen dazu exis­tier­ten nicht.

Eine Unter­schutz­stel­lung drän­ge sich auch nicht auf, weil die Anla­ge die durch sie bezeug­ten geschicht­li­chen Vor­gän­ge nicht beson­ders anschau­lich ver­mitt­le. Weder sei heu­te noch mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit zu erken­nen, dass es sich dabei über­haupt ein­mal um eine Anla­ge der mili­tä­ri­schen Infra­struk­tur gehan­delt habe, noch sei die kon­kre­te frü­he­re Funk­ti­on der Bau­lich­kei­ten an die­sen deut­lich ables­bar. Ein Sel­ten­heits­wert kom­me der Anla­ge eben­falls nicht zu.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 12. Juli 2012 – 16 K 89.11