Das Ein­kaufs­zen­trum im Gewer­be­ge­biet

Die Bau­ge­neh­mi­gung für ein eines Laden­ge­schäft in einem Gewer­be­ge­biet kann auch des­halb rechts­wid­rig sein, weil hier „Stück für Stück“ ein an sich in dem Gewer­be­ge­biet nicht geneh­mi­gungs­fä­hi­ges Ein­kaufs­zen­trum errich­tet wird.

Das Ein­kaufs­zen­trum im Gewer­be­ge­biet

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz ent­schie­de­nen Fall darf des­halb das „Lahn­tal-Cen­ter” in der Orts­ge­mein­de Nie­vern im Rhein-Lahn-Kreis nicht wie geplant um einen Schuh- und einen Tex­til­markt erwei­tert wer­den. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz hob damit ent­spre­chen­de Bau­ge­neh­mi­gun­gen der Kreis­ver­wal­tung auf eine Kla­ge der Stadt Bad Ems auf.

Angren­zend an die Stadt Bad Ems befin­det sich in der Orts­ge­mein­de Nie­vern in einem Gewer­be­ge­biet das Lahn­tal-Cen­ter. Es besteht aus einem Ver­brau­cher­markt („Net­to”), einem Bet­ten­fach­markt („Däni­sches Bet­ten­la­ger”) und zwei wei­te­ren Betrie­ben („Tedi” und „Schle­cker”). Der bei­ge­la­de­ne Grund­stücks­ei­gen­tü­mer hat bei der Kreis­ver­wal­tung Bau­ge­neh­mi­gun­gen für die Erwei­te­rung des Lahn­tal-Cen­ters um einen Schuh- und einen Tex­til­markt bean­tragt und erhal­ten.

Die Stadt Bad Ems leg­te gegen die Geneh­mi­gun­gen erfolg­los Wider­spruch ein. Anschlie­ßend hat sie Kla­ge zum Ver­wal­tungs­ge­richt erho­ben. Sie macht im Wesent­li­chen gel­tend, dass durch die Erwei­te­rung suk­zes­si­ve ein Ein­kaufs­zen­trum errich­tet wür­de, das im Gewer­be­ge­biet bau­recht­lich nicht zuläs­sig wäre. Es bedürf­te dafür eines Kern- oder Son­der­ge­biets. Der Beklag­te und der Bei­ge­la­de­ne sind hin­ge­gen der Auf­fas­sung, dass ein Ein­kaufs­zen­trum nicht ent­ste­he, da die Ein­zel­han­dels­be­trie­be von­ein­an­der unab­hän­gig sei­en.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und die ange­foch­te­nen Bau­ge­neh­mi­gun­gen auf­ge­ho­ben. Es han­de­le sich um eine im Gewer­be­ge­biet nicht zuläs­si­ge suk­zes­si­ve Errich­tung eines Ein­kaufs­zen­trums. Das Bau­vor­ha­ben füh­re zu einem ein­heit­lich geplan­ten, finan­zier­ten, gebau­ten und ver­wal­te­ten Gebäu­de­kom­plex mit meh­re­ren Ein­zel­han­dels­be­trie­ben, das aus Kun­den­sicht als ein Ein­kaufs­zen­trum erschei­ne. Tren­nen­de Ele­men­te, etwa Brand­wän­de und sepa­ra­te Waren­ein­gän­ge, trä­ten im Gesamt­ein­druck in den Hin­ter­grund.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 23. Sep­tem­ber 2010 – 7 K 220/​10.KO