Das Fuß­ball-Bier-Camp für ech­te Män­ner

Die von Unter­neh­men bezahl­te Plat­zie­rung von Pro­duk­ten in bestimm­ten Sen­dun­gen (soge­nann­te Pro­duct Pla­ce­ment) ist für Pri­vat­sen­der seit dem Inkraft­tre­ten des 13. Rund­funk­än­de­rungs­staats­ver­tra­ges am 1. April 2010 aus­nahms­wei­se in Kino­fil­men, Fil­men und Seri­en, Sport­sen­dun­gen und Sen­dun­gen der leich­ten Unter­hal­tung zuläs­sig. Dabei muss auf die Pro­dukt­plat­zie­rung jedoch hin­ge­wie­sen und das Pro­dukt darf nicht zu stark her­aus­ge­stellt wer­den. Die Her­aus­stel­lung eines Pro­dukts ist "zu stark" im Sin­ne der maß­geb­li­chen Vor­schrift des Rund­funk­staats­ver­tra­ges, wenn sie nach ihrer Art, ihrer Häu­fig­keit oder ihrer Dau­er nicht durch redak­tio­nel­le Erfor­der­nis­se des Pro­gramms oder die Not­wen­dig­keit der Dar­stel­lung der Lebens­wirk­lich­keit gerecht­fer­tigt ist.

Das Fuß­ball-Bier-Camp für ech­te Män­ner

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Dar­stel­lung einer Bier­mar­ke vor und nach der Live­über­tra­gung eines Fuß­ball­spiels im Fern­seh­pro­gramm von Sat.1 als unzu­läs­sig ange­se­hen und damit die Kla­ge von Sat. 1 gegen die Lan­des­zen­tra­le für Medi­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on Rhein­land-Pfalz (LMK) in zwei­ter Instanz abge­wie­sen. Im Rah­men einer Sport­sen­dung von Sat.1 im Mai 2011 erfolg­ten vor und nach der Live­über­tra­gung eines Fuß­ball­spiels zwei Live­schal­tun­gen zu einem soge­nann­ten "Män­ner­camp" einer Bier­braue­rei. Die Live­schal­tun­gen wur­den durch den Mode­ra­tor der Vor- und Nach­be­richt­erstat­tung ein­ge­lei­tet. In den Bei­trä­gen wur­de ein ehe­ma­li­ger Fuß­ball­ma­na­ger inter­viewt, wäh­rend um ihn her­um in ver­schie­de­nen Aus­füh­run­gen – Auf­dru­cke auf Sweat­shirts, Bier­glä­sern, Bier­fla­schen und einem Eis­kü­bel – der Name der Bier­mar­ke zu sehen war. Die­se wur­de fer­ner im Rah­men des Inter­views mehr­fach genannt.

Die beklag­te Lan­des­zen­tra­le für Medi­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on Rhein­land-Pfalz (LMK) bean­stan­de­te dies als unzu­läs­sig. Das zuvor aus­nahms­los unzu­läs­si­ge soge­nann­te Pro­duct Pla­ce­ment – die von Unter­neh­men bezahl­te Plat­zie­rung von Pro­duk­ten in bestimm­ten Sen­dun­gen – ist für Pri­vat­sen­der seit dem Inkraft­tre­ten des 13. Rund­funk­än­de­rungs­staats­ver­tra­ges am 1. April 2010 aus­nahms­wei­se in Kino­fil­men, Fil­men und Seri­en, Sport­sen­dun­gen und Sen­dun­gen der leich­ten Unter­hal­tung zuläs­sig, sofern es sich nicht um Sen­dun­gen für Kin­der han­delt. Auf die Pro­dukt­plat­zie­rung muss jedoch hin­ge­wie­sen und das Pro­dukt darf nicht zu stark her­aus­ge­stellt wer­den. Nach Auf­fas­sung der beklag­ten LMK wur­den die­se Gren­zen zuläs­si­ger Pro­dukt­plat­zie­rung nicht ein­ge­hal­ten, weil die Her­aus­stel­lung der Pro­duk­te der Braue­rei zu stark gewe­sen sei. Der gegen die­se Bean­stan­dung erho­be­nen Kla­ge von Sat.1 gab das Ver­wal­tungs­ge­richt statt. Die Beklag­te hat dar­auf­hin Beru­fung ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz habe die LMK die Pro­dukt­plat­zie­rung zu Recht bean­stan­det, weil die Bier­mar­ke zu stark her­aus­ge­stellt wor­den sei. Eine Her­aus­stel­lung eines Pro­dukts sei "zu stark" im Sin­ne der maß­geb­li­chen Vor­schrift des Rund­funk­staats­ver­tra­ges, wenn sie nach ihrer Art, ihrer Häu­fig­keit oder ihrer Dau­er nicht durch redak­tio­nel­le Erfor­der­nis­se des Pro­gramms oder die Not­wen­dig­keit der Dar­stel­lung der Lebens­wirk­lich­keit gerecht­fer­tigt sei.

Die Vor- und Nach­be­rei­tung des Fuß­ball­spiels durch das Inter­view mit dem Fuß­ball­ma­na­ger habe für sich genom­men in kei­nem inhalt­li­chen Zusam­men­hang mit der Prä­sen­ta­ti­on der Pro­duk­te der Braue­rei gestan­den. Soweit es redak­tio­nell dar­um gegan­gen sei, den ehe­ma­li­gen Fuß­ball­ma­na­ger spe­zi­ell aus der Situa­ti­on eines "Män­ner­abends" her­aus zu inter­view­en, kön­ne dies zwar die Ein­be­zie­hung von Bier­fla­schen oder das ver­ein­zel­te Tra­gen von Sweat­shirts mit ent­spre­chen­den Logos recht­fer­ti­gen. Die Situa­ti­on des "Män­ner­abends" habe jedoch nicht die umfang­rei­che Prä­senz der Logos der Braue­rei auf den ersicht­lich gezielt plat­zier­ten Bier­fla­schen, den Sweat­shirts, den Bier­glä­sern, der im Hin­ter­grund zu sehen­den Wand sowie dem Eis­kü­bel zu begrün­den ver­mocht.

Die Klä­ge­rin kön­ne sich auch nicht dar­auf beru­fen, dass sie ledig­lich die "Rea­li­tät" im Rah­men des von der Braue­rei ver­an­stal­te­ten „Män­ner­camps“ abge­bil­det habe. Bei dem "Män­ner­camp" hand­le es sich um eine künst­lich erzeug­te "Rea­li­tät", die gezielt zu Wer­be­zwe­cken ent­wi­ckelt wor­den sei und daher nicht dazu die­nen kön­ne, die Gren­zen zuläs­si­ger Pro­dukt­plat­zie­rung zu über­win­den. DieR­und­funk­ver­an­stal­ter und die wer­be­trei­ben­den Unter­neh­men könn­ten sich die "Rea­li­tät", die eine Pro­dukt­plat­zie­rung recht­fer­ti­ge, nicht selbst schaf­fen, um die gesetz­li­chen Vor­ga­ben zur Begren­zung von Wer­be­ef­fek­ten zu umge­hen.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 22. August 2013 – 2 A 10002/​13.OVG