Das Han­dy auf dem Schul­hof – 2 Wochen Zwangs­fe­ri­en

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg hat jetzt den Eil­an­trag eines 14-jäh­ri­gen Gym­na­si­as­ten sei­nen durch den Schul­lei­ter ange­ord­ne­ten sofor­ti­gen zwei­wö­chi­gen Aus­schluss vom Unter­richt abge­lehnt. Nach den Fest­stel­lun­gen des Schul­lei­ters hat der Antrag­stel­ler mit einem Han­dy aus ca. 10 bis 15 Metern Ent­fer­nung lachend gefilmt, wie zwei Mit­schü­ler einen wei­te­ren Mit­schü­ler nach dem Schul­un­ter­richt von zwei Sei­ten schubs­ten, gegen den Ober­kör­per stie­ßen und ins Gesicht „lang­ten“. Als eine Per­son den Tätern zurief, sie mögen auf­hö­ren, ent­geg­ne­te der Antrag­stel­ler wäh­rend des Fil­mens laut: „Macht doch wei­ter“. Zwei Tage spä­ter zeig­te er ande­ren das Video vor der Che­mie­stun­de; es wur­de über Blue­tooth auf das Han­dy eines Mit­schü­lers über­spielt und noch am am sel­ben Tag bei „You­tube“ unter Nen­nung der Vor­na­men der betei­lig­ten Schü­ler ins Inter­net gestellt.

Das Han­dy auf dem Schul­hof – 2 Wochen Zwangs­fe­ri­en

Dem Antrag­stel­ler sei, so das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg in sei­nen Ent­schei­dungs­grün­den, auf­grund des vom Schul­lei­ter ermit­tel­ten Sach­ver­halts ein schwe­res Fehl­ver­hal­ten vor­zu­wer­fen, durch das die Erfül­lung der Erzie­hungs­auf­ga­be der Schu­le sowie die Rech­te ande­rer gefähr­det wür­den. Der Antrag­stel­ler habe das Per­sön­lich­keits­recht und die see­li­sche Inte­gri­tät eines Mit­schü­lers ver­letzt, indem er die dem Mit­schü­ler zuge­füg­te grund­lo­se Gewalt­an­wen­dung durch Anfeu­ern unter­stützt, sie fil­misch „aus­ge­schlach­tet“, den Film ande­ren vor­ge­führt und sich an des­sen Ver­brei­tung im Inter­net betei­ligt habe. Durch die Ver­brei­tung des Films habe er immer wie­der­keh­ren­de Ernied­ri­gun­gen ver­ur­sacht. Blie­be der­ar­ti­ges Fehl­ver­hal­ten sank­ti­ons­los, wür­de die Schu­le – die aller­dings inso­weit stets auch der zusätz­li­chen Unter­stüt­zung durch die Eltern bedür­fe – die zur Ver­mitt­lung der Erzie­hungs­zie­le erfor­der­li­che Glaub­wür­dig­keit und Durch­set­zungs­fä­hig­keit ein­bü­ßen. Der Schul­frie­den kön­ne des­halb nur gewahrt wer­den, wenn die Schu­le auf der­ar­ti­ges Ver­hal­ten für alle Schü­ler erkenn­bar und deut­lich reagie­re.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg, Beschluss vom 17. Febru­ar 2010 – 2 K 229/​10