Das in der SBZ ent­eig­ne­te Pres­se­un­ter­neh­men – und sei­ne NS-Ver­gan­gen­heit

Die Erben von Mit­ge­sell­schaf­tern eines Unter­neh­mens, das dem natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Sys­tem erheb­li­chen Vor­schub geleis­tet hat, haben kei­nen Anspruch auf Aus­gleichs­leis­tun­gen nach dem Aus­gleichs­leis­tungs­ge­setz. Dem steht hier nicht ent­ge­gen, dass ihre Rechts­vor­gän­ger in der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus einer Ver­fol­gungs­maß­nah­me aus­ge­setzt waren.

Das in der SBZ ent­eig­ne­te Pres­se­un­ter­neh­men – und sei­ne NS-Ver­gan­gen­heit

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall begehr­ten die Erben ehe­ma­li­ger Mit­ge­sell­schaf­ter einer in Leip­zig ansäs­si­gen Kom­man­dit­ge­sell­schaft die Gewäh­rung einer Aus­gleichs­leis­tung für die ent­schä­di­gungs­lo­se Ent­eig­nung von Gesell­schafts­ver­mö­gen in der sowje­ti­schen Besat­zungs­zo­ne. Die Gesell­schaft betrieb ein Druck- und Ver­lags­haus, das bis Kriegs­en­de die Tages­zei­tung „Leip­zi­ger Neu­es­te Nach­rich­ten“ (LNN) her­aus­gab. Nach 1933 übten die Natio­nal­so­zia­lis­ten auf die Her­aus­ge­ber und die Schrift­lei­tung der LNN wegen ihrer poli­ti­schen Posi­tio­nen erheb­li­chen Druck aus. Um dem Aus­schluss aus der Reichs­pres­se­kam­mer wegen poli­ti­scher Unzu­ver­läs­sig­keit zu ent­ge­hen, der sie von jeg­li­cher ver­le­ge­ri­schen Tätig­keit aus­ge­schlos­sen hät­te, räum­ten die Rechts­vor­gän­ger der jetzt kla­gen­den Erben im August 1936 der Toch­ter eines NSDAP-eige­nen Ver­lags eine Mehr­heits­be­tei­li­gung von 51 % an der Gesell­schaft ein. In der Fol­ge­zeit waren die Leit­ar­ti­kel der LNN dar­auf gerich­tet, die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Poli­tik zu unter­stüt­zen und zu för­dern.

Die Erben erhiel­ten für den ver­fol­gungs­be­ding­ten Ver­lust der Mehr­heits­be­tei­li­gung eine Ent­schä­di­gung. Die hier allein im Streit ste­hen­den Aus­gleichs­leis­tun­gen nach dem Aus­gleichs­leis­tungs­ge­setz (Aus­glLeistG) für die mit­tel­ba­re Schä­di­gung ihrer ver­blie­be­nen Betei­li­gung von 49 % infol­ge der Ent­eig­nung des Ver­mö­gens der Gesell­schaft in der Besat­zungs­zeit wur­den ihnen mit der Begrün­dung ver­wehrt, das Unter­neh­men habe dem natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Sys­tem erheb­li­chen Vor­schub geleis­tet.

Die dage­gen erho­be­ne Kla­ge wies das Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den ab 1, das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te dies nun und wies die Revi­si­on der Ver­lags­er­ben zurück:

Ein Anspruch auf Aus­gleichs­leis­tung ist nach § 1 Abs. 4 Aus­glLeistG aus­ge­schlos­sen, weil nach den Fest­stel­lun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts das ent­eig­ne­te Unter­neh­men jeden­falls ab August 1936 dem natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Sys­tem durch die Art und Wei­se der Bericht­erstat­tung in der von ihm her­aus­ge­ge­be­nen LNN erheb­li­chen Vor­schub geleis­tet hat. Die­ser an das Ver­hal­ten des Unter­neh­mens anknüp­fen­de Leis­tungs­aus­schluss setzt vor­aus, dass – wie hier – die das erheb­li­che Vor­schub­leis­ten erfül­len­den Hand­lun­gen dem Unter­neh­men als sol­chem zuge­ord­net wer­den kön­nen. Es ist nicht erfor­der­lich, die­ses Ver­hal­ten auf ein­zel­ne Per­so­nen inner­halb des Unter­neh­mens zurück­zu­füh­ren. Des­halb kommt es nach der Geset­zes­la­ge nicht dar­auf an, dass die Rechts­vor­gän­ger der Klä­ger nicht selbst dem natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Sys­tem erheb­li­chen Vor­schub geleis­tet und die Mehr­heits­be­tei­li­gung an dem Unter­neh­men im Jahr 1936 aus poli­ti­schen Grün­den ver­lo­ren hat­ten.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 23. April 2015 – 5 C 10.2014 -

  1. VG Dres­den, Urteil vom 14.08.2013 – 6 K 1099/​10[]