Das Jugend­zim­mer eines Zivil­dienst­leis­ten­den

Der Bund muss kei­ne Miet­kos­ten für das Jugend­zim­mer eines Zivil­dienst­leis­ten­den über­neh­men. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schied jetzt, dass ein Zivil­dienst­leis­ten­der, der mit einer sog. Heim­schlaf­er­laub­nis in sei­nem Eltern­haus wohnt und mit sei­nen Eltern einen Miet­ver­trag über die Nut­zung sei­nes Jugend­zim­mers und ande­rer Räu­me der elter­li­chen Woh­nung geschlos­sen hat, nicht ver­lan­gen kann, dass das Bun­des­amt für den Zivil­dienst die Miet­kos­ten über­nimmt.

Das Jugend­zim­mer eines Zivil­dienst­leis­ten­den

Der Klä­ger schlug dem Bun­des­amt in Über­ein­stim­mung mit dem Kreis Düren als Trä­ger der För­der­schu­le vor, ihn zum Zivil­dienst in die­se Ein­rich­tung, die kei­ne dienst­li­chen Unter­künf­te für Zivil­dienst­leis­ten­de bereit­hält, als sog. Heim­schlä­fer ein­zu­be­ru­fen. Die Beschäf­ti­gungs­stel­le hielt kei­ne eige­nen Unter­künf­te für die bei ihr ein­ge­setz­ten Zivil­dienst­leis­ten­den vor. Das beklag­te Bun­des­amt für den Zivil­dienst berief den Klä­ger dar­auf­hin Anfang August 2005 ab dem 1. Sep­tem­ber 2005 zur Ableis­tung sei­nes neun­mo­na­ti­gen Zivil­diens­tes in die von dem Klä­ger vor­ge­schla­ge­nen Beschäf­ti­gungs­stel­le in sei­nem Wohn­ort Düren ein und sah von der Anord­nung, in dienst­li­cher Unter­kunft zu woh­nen, ab. Der Klä­ger schloss dar­auf­hin mit sei­nem Vater einen Miet­ver­trag über die Nut­zung sei­nes Jugend­zim­mers und von Gemein­schafts­räu­men in sei­nem Eltern­haus und wohn­te dort – wie zuvor wäh­rend sei­ner Schul­zeit – wäh­rend der gesam­ten Dau­er sei­nes Zivil­diens­tes.

Unter Ver­weis auf einen mit sei­nem Vater Ende August 2005 mit Wir­kung zum 1. Sep­tem­ber 2005 geschlos­se­nen Miet­ver­trag ver­lang­te er ohne Erfolg die Über­nah­me der ver­trag­lich geschul­de­ten Miet­kos­ten. Die gegen das Bun­des­amt gerich­te­te Kla­ge, mit der der Klä­ger sei­ne Zah­lungs­for­de­rung wei­ter­ver­folgt hat, ist vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen 1 und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len 2 in Müns­ter ohne Erfolg geblie­ben. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat jetzt auch die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on des Klä­gers zurück­ge­wie­sen.

Der Klä­ger kann die Über­nah­me der Miet­kos­ten ins­be­son­de­re nicht als Leis­tung zur Erfül­lung der all­ge­mei­nen Für­sor­ge­pflicht ver­lan­gen, die dem Bund als Dienst­herrn gegen­über jedem Zivil­dienst­leis­ten­den obliegt. Für einen sol­chen Anspruch ist kein Raum, weil das Zivil­dienst­ge­setz wegen der Geld- und Sach­be­zü­ge der Zivil­dienst­leis­ten­den auf die Anwend­bar­keit der Bestim­mun­gen für wehr­pflich­ti­ge Sol­da­ten des unters­ten Mann­schafts­dienst­gra­des ver­weist. Zivil­dienst­pflich­ti­ge haben dem­nach wie Wehr­pflich­ti­ge nach § 4 Satz 1 und 2 des Wehr­sold­ge­set­zes einen Sach­leis­tungs­an­spruch auf unent­gelt­li­che Bereit­stel­lung einer Unter­kunft; die Zah­lung eines Ent­gelts für die Inan­spruch­nah­me ande­rer Unter­kunft ist aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen. Der Anspruch auf Gewäh­rung von Unter­kunft als Sach­leis­tung kann auch für einen Zivil­dienst­leis­ten­den, der mit einer sog. Heim­schlaf­er­laub­nis bei einer Beschäf­ti­gungs­stel­le ohne eige­ne Unter­künf­te ein­ge­setzt ist, auf Ver­lan­gen jeder­zeit dadurch erfüllt wer­den, dass ihn das Bun­des­amt zu einer Beschäf­ti­gungs­stel­le mit eige­ner (Gemein­schafts-) Unter­kunft ver­setzt oder dass die Beschäf­ti­gungs­stel­le bzw. deren Trä­ger für ihn ein Pri­vat­zim­mer mie­tet.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 26. Janu­ar 2011 – 6 C 1.10

  1. VG Aachen, Urteil vom 24.05.2007 – 1 K 1213/​06[]
  2. OVG NRW, Urteil vom 10.12.2009 – 1 A 2175/​07[]