Das Kühl­haus für den Jäger

Die Errich­tung eines eigen­stän­di­gen Gebäu­des, wel­ches als Kühl­raum für erleg­tes Wild die­nen soll, ist nach einem aktu­el­len Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Trier im Außen­be­reich nicht pri­vi­le­giert und damit bau­pla­nungs­recht­lich unzu­läs­sig.

Das Kühl­haus für den Jäger

Der Ent­schei­dung lag die Kla­ge eines Jagd­päch­ters eines etwa 2000 ha gro­ßen Reviers im Bereich des Land­krei­ses Bern­kas­tel-Witt­lich zugrun­de. Der beklag­te Land­kreis hat­te den Bau­an­trag des Klä­gers zur Errich­tung eines ins­ge­samt 116 qm gro­ßen, 1½ geschos­si­gen Gebäu­des in mas­si­ver Bau­wei­se auf einem in des­sen Eigen­tum ste­hen­den und im Außen­be­reich gele­ge­nen Grund­stück mit der Begrün­dung abge­lehnt, dass das Bau­vor­ha­ben von sei­ner Zweck­be­stim­mung her auch im Innen­be­reich errich­tet wer­den kön­ne, sodass eine Errich­tung im Außen­be­reich unzu­läs­sig sei. Der vom Klä­ger ver­folg­te Zweck einer hygie­nisch ein­wand­frei­en Ver­sor­gung des Wil­des kön­ne auch dann erreicht wer­den, wenn das erleg­te Wild in ein Kühl­haus inner­halb der nächs­ten Orts­la­ge trans­por­tiert wer­de.

Mit sei­ner gegen die­se Ent­schei­dung gerich­te­ten Kla­ge mach­te der Klä­ger gel­tend, das geplan­te Vor­ha­ben sei als eine zwin­gend not­wen­di­ge Ergän­zung sei­nes bereits als pri­vi­le­giert aner­kann­ten Jagd­hau­ses anzu­se­hen. Auf­grund der neue­ren lebens­mit­tel­hy­gie­ni­schen EU-Vor­schrif­ten sei jeder Jagd­päch­ter ver­pflich­tet, Wild mög­lichst unmit­tel­bar nach dem töd­li­chen Schuss lebens­mit­tel­recht­lich ein­wand­frei zu ver­sor­gen. Bei der Men­ge des anfal­len­den erleg­ten Wil­des bei den herbst­li­chen Drück­jag­den kön­ne ohne die Errich­tung eines eige­nen Kühl­ge­bäu­des das Wild nicht ord­nungs­ge­mäß ver­sorgt wer­den.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on schlos­sen sich die Trie­rer Ver­wal­tungs­rich­ter indes nicht an. Zur Begrün­dung ihrer Ent­schei­dung führ­ten sie aus, es sei zwar grund­sätz­lich anzu­er­ken­nen, dass zu einem Jagd­haus auch ein ent­spre­chen­der Kühl­raum für das erleg­te Wild gehö­re. Aller­dings erfor­de­re die Ein­hal­tung der lebens­mit­tel­hy­gie­ni­schen Vor­schrif­ten nicht zwin­gend eine Pri­vi­le­gie­rung eines solch gro­ßen und sepa­ra­ten Kühl­ge­bäu­des im Außen­be­reich. Auf­grund der Grö­ße des Jagd­re­viers und des damit anfal­len­den Wil­des ins­be­son­de­re bei den Drück­jag­den sei es zwar zweck­mä­ßi­ger, das erleg­te Wild am eige­nen Jagd­haus ver­sor­gen zu kön­nen. Jedoch kön­ne die hygie­nisch ein­wand­freie Ver­sor­gung vor­lie­gend pro­blem­los auch in einem nur weni­ge Kilo­me­ter wei­ter ent­fern­ten Gewer­be­ge­biet oder inner­halb der Orts­la­ge der benach­bar­ten Gemein­den erfol­gen. Die wege­mä­ßi­ge Ent­fer­nung gegen­über dem vom Klä­ger geplan­ten Stand­ort sei nur gering­fü­gig wei­ter, sodass auch dort eine ord­nungs­ge­mä­ße Wei­ter­ver­ar­bei­tung des Wil­des mög­lich sei. Abge­se­hen davon müs­se eine Pri­vi­le­gie­rung des eigen­stän­di­gen Kühl­ge­bäu­des auch des­halb ver­neint wer­den, weil es dem Klä­ger zumut­bar sei, die für erfor­der­lich gehal­te­nen Kühl­räu­me inner­halb sei­nes vor­han­de­nen – mehr­ge­schos­si­gen – Jagd­hau­ses, wel­ches eher einem auf­wen­di­gem Wochen­end­haus ent­spre­che, unter­zu­brin­gen. Eine Pri­vi­le­gie­rung des Vor­ha­bens schei­de dem­nach aus, weil nur so dem Gebot zur größt­mög­li­chen Scho­nung des Außen­be­reichs Rech­nung getra­gen wer­de.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Urteil vom 04. März 2009 – 5 K 807/​08.TR