Das Leh­rer­ex­amen mit schwe­ren sprach­li­chen Defi­zi­ten in Deutsch

Bei einer Prü­fungs­klau­sur han­delt es sich um eine wis­sen­schaft­li­che Arbeit, die immer hohe sprach­li­che Stan­dards erfül­len muss. Dabei wird die Fähig­keit des Kan­di­ta­ten, sich in einer wis­sen­schaft­li­chen Prü­fung sprach­lich kor­rekt aus­zu­drü­cken, los­ge­löst von sei­ner rein fach­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on bewer­tet. So kann ein Kan­di­dat, der die Spra­che nicht ange­mes­sen beherrscht, die Prü­fung nicht bestehen.

Das Leh­rer­ex­amen mit schwe­ren sprach­li­chen Defi­zi­ten in Deutsch

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Kas­sel in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines ange­hen­den Leh­rers abge­wie­sen, der eine bes­se­re Beno­tung sei­ner nicht bestan­de­nen Prü­fungs­klau­sur oder eine noch­ma­li­ge Wie­der­ho­lung der Prü­fung errei­chen woll­te. Der Klä­ger stammt aus Kasach­stan und kam 1993 nach Deutsch­land. Ab 2005 stu­dier­te er an der Uni­ver­si­tät Gie­ßen Mathe­ma­tik und Phy­sik für das Lehr­amt an Haupt- und Real­schu­len. Er fiel zwei­mal durchs Examen, zuletzt 2008, wegen sei­ner man­geln­den Deutsch­kennt­nis­se. Die Sprach­fer­tig­keit des ange­hen­den Leh­rers war so schlecht, dass er sei­ne akzep­ta­blen fach­li­chen Leis­tun­gen in der Prü­fungs­klau­sur Phy­sik nicht in rich­ti­gem Deutsch aus­drü­cken konn­te. Er beherrsch­te durch­ge­hend weder Gram­ma­tik noch Recht­schrei­bung noch Zei­chen­set­zung. Die ers­te Klau­sur und die Wie­der­ho­lungs­klau­sur 2008, jeweils im Fach Phy­sik, wur­den des­halb bei­de Male mit "man­gel­haft" bewer­tet. Damit galt die Prü­fung ins­ge­samt end­gül­tig als nicht bestan­den. Gegen die­se Ent­schei­dung des Prü­fungs­am­tes klag­te er vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Kas­sel. Er woll­te vor­ran­gig damit errei­chen, dass die Wie­der­ho­lungs-Klau­sur Phy­sik mit min­des­tens "aus­rei­chend" bewer­tet wird und damit die gesam­te Prü­fung als bestan­den gilt. Soll­te er mit die­sem Antrag schei­tern, woll­te er eine Neu­be­wer­tung sei­ner Prü­fungs­leis­tung unter Ein­be­zie­hung der Auf­fas­sung des Gerichts errei­chen, wenigs­tens jedoch die Mög­lich­keit erhal­ten, die Phy­sik-Klau­sur ein drit­tes Mal zu schrei­ben. Der Klä­ger argu­men­tier­te: Sei­ne fach­li­chen Leis­tun­gen sei­en ja aner­kannt wor­den, man habe ihn also ver­stan­den, also kön­ne sein Deutsch so schlecht nicht sein. Folg­lich sei die Klau­sur-Note "man­gel­haft" nicht gerecht­fer­tigt. Außer­dem erklär­te der Klä­ger, die Bewer­tung der Spra­che dür­fe bei einer Klau­sur, die unter Zeit­druck und ohne Hilfs­mit­tel geschrie­ben wer­den muss, nicht so streng sein.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Kas­sel muss die Fähig­keit eines Kan­di­da­ten, sich in einer wis­sen­schaft­li­chen Prü­fung sprach­lich kor­rekt aus­zu­drü­cken, eigen­stän­dig beur­teilt wer­den. Die­se Fähig­keit muss los­ge­löst von sei­ner rein fach­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on bewer­tet wer­den. Dar­um kann ein Kan­di­dat, der die Spra­che nicht ange­mes­sen beherrscht, die Prü­fung nicht bestehen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hebt her­vor, dass die Prü­fungs­klau­sur des Klä­gers auf nahe­zu jeder Sei­te vol­ler schwer­wie­gen­der sprach­li­cher Feh­ler ist. Außer­dem han­de­le es sich bei einer Prü­fungs­klau­sur um eine wis­sen­schaft­li­che Arbeit, die immer hohe sprach­li­che Stan­dards erfül­len muss.

Dies gel­te in beson­de­rer Wei­se für Prü­fungs­ar­bei­ten im Leh­rer­ex­amen, wie es der Klä­ger able­gen woll­te. Ins­be­son­de­re Päd­ago­gen müss­ten in der Lage sein, ihr Fach­wis­sen durch kor­rek­ten und siche­ren Gebrauch der Spra­che zu ver­mit­teln.

Ver­wal­tungs­ge­richt Kas­sel, Urteil vom 17. Juli 2013 – 3 K 1407/​11.KS