Das Mehr­fa­mi­li­en­haus in der Nach­bar­schaft

Durch die Bau­ge­neh­mi­gung eines Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses wer­den die benach­bar­ten Eigen­tü­mer von Ein­fa­mi­li­en­häu­sern nicht in ihren Rech­ten ver­letzt, wenn bei dem Bau­vor­ha­ben die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Abstän­de ein­ge­hal­ten wer­den und das Nach­bar­ge­bäu­de nicht "erdrückt" und "ein­ge­mau­ert" wird. Auch Ein­blick­mög­lich­kei­ten von den Bal­ko­nen in die Gär­ten der Ein­fa­mi­li­en­häu­ser lie­gen in der Natur der Sache und sind regel­mä­ßig hin­zu­neh­men.

Das Mehr­fa­mi­li­en­haus in der Nach­bar­schaft

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len zwei­er Nach­barn, die sich als Eigen­tü­mer von Ein­fa­mi­li­en­häu­sern mit ihrem Eil­an­trag gegen die Ertei­lung einer Bau­ge­neh­mi­gung für ein Mehr­fa­mi­li­en­haus gewandt haben. Auf einem an der Isern­ha­ge­ner Stra­ße in Alt­warm­bü­chen gele­ge­nen Grund­stück plant der Bau­herr die Errich­tung eines Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses mit acht Wohn­ein­hei­ten. Dage­gen weh­ren sich zwei Nach­barn, deren Grund­stü­cke mit Ein­fa­mi­li­en­häu­sern bebaut sind. Die Bebau­ung mit einem Mehr­fa­mi­li­en­haus füge sich nicht in die nähe­re Umge­bung ein. Die Bal­ko­ne erlaub­ten einen Ein­blick in die Gär­ten.

Die­ser Ansicht ist das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver in sei­ner Ent­schei­dung nicht gefolgt: Hin­sicht­lich der Art der bau­li­chen Nut­zung füge sich das Vor­ha­ben in die nähe­re Umge­bung ein, da es dem Woh­nen die­ne. Das Bau­recht unter­schei­de inso­fern nicht zwi­schen dem Woh­nen in Ein­fa­mi­li­en­häu­sern und dem in Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern. Mit der Grö­ße des Bau­vor­ha­bens sei­en unzu­mut­ba­re Beein­träch­ti­gun­gen, die allein abge­wehrt wer­den könn­ten, nicht ver­bun­den. Hal­te ein Bau­vor­ha­ben – wie hier – die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Abstän­de ein, wer­de das soge­nann­te bau­recht­li­che Rück­sicht­nah­me­ge­bot erst dann ver­letzt, wenn das Nach­bar­ge­bäu­de „erdrückt", „ein­ge­mau­ert" oder „abge­rie­gelt" wer­de. Das sei hier ange­sichts der Abstän­de der Gebäu­de zuein­an­der nicht der Fall.

Die Antrag­stel­ler könn­ten auch nicht ver­lan­gen, von Ein­bli­cken auf das eige­ne Grund­stück ver­schont zu blei­ben. Sol­che Ein­blicks­mög­lich­kei­ten lägen viel­mehr in der Natur der Sache und sei­en regel­mä­ßig hin­zu­neh­men. Allen­falls unter beson­ders gra­vie­ren­den Umstän­den – die hier nicht gege­ben sei­en – sei damit eine Ver­let­zung des Rück­sicht­nah­me­ge­bo­tes ver­bun­den.

Die von der Regi­on Han­no­ver erteil­te Bau­ge­neh­mi­gung ver­letzt die Klä­ger nicht in deren Rech­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Beschluss vom 27. März 013 – 4 B 2329/​13 und 4 B 2330/​13