Das „Men­schen Muse­um“ am Ber­li­ner Alex­an­der­platz – und die Aus­stel­lung mensch­li­cher Plas­ti­na­te

Das „Men­schen Muse­um“ am Ber­li­ner Alex­an­der­platz ver­stößt nicht gegen das bestat­tungs­recht­li­che Ver­bot, Lei­chen öffent­lich aus­zu­stel­len, wenn für jedes Expo­nat eine aus­rei­chen­de Ein­wil­li­gungs­er­klä­rung des Kör­per­spen­ders vor­liegt.

Das „Men­schen Muse­um“ am Ber­li­ner Alex­an­der­platz – und die Aus­stel­lung mensch­li­cher Plas­ti­na­te

Das hat nun das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin auf die Kla­ge eines in Hei­del­berg ansäs­si­gen pri­va­ten Insti­tuts ent­schie­den, das sich der Plas­ti­na­ti­on mensch­li­cher Kör­per und Kör­per­tei­le wid­met. Bis­her wur­den die Plas­ti­na­te als Wan­der­aus­stel­lung in Deutsch­land in zahl­rei­chen Städ­ten, dar­un­ter bereits drei­mal in Ber­lin gezeigt. Anfang 2015 wur­de erst­mals eine Dau­er­aus­stel­lung als „Men­schen Muse­um“ im Gebäu­de des Fern­seh­turms am Ber­li­ner Alex­an­der­platz eröff­net. Zuvor hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin auf eine Kla­ge des vor­ma­li­gen Betrei­bers der Aus­stel­lung fest­ge­stellt, dass die Aus­stel­lung kei­ner Geneh­mi­gung bedür­fe. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg änder­te die­ses Urteil ab und wies die Kla­ge des Betrei­bers ab. Dar­auf­hin unter­sag­te das Bezirks­amt Mit­te von Ber­lin im Dezem­ber 2016 die Aus­stel­lung. Hier­ge­gen rich­tet sich die vor­lie­gen­de Kla­ge. Der Klä­ger macht gel­tend, die vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg auf­ge­stell­ten Vor­ga­ben für eine öffent­li­che Aus­stel­lung von Lei­chen habe er erfüllt, ins­be­son­de­re sei­en die Plas­ti­na­te nun­mehr mit den ent­spre­chen­den Ein­wil­li­gungs­un­ter­la­gen der Kör­per­spen­der zusam­men­ge­führt wor­den.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin hat der Kla­ge teil­wei­se statt­ge­ge­ben. Die Behör­de habe nicht aus­rei­chend ermit­telt, ob die Vor­aus­set­zun­gen für eine Unter­sa­gung sämt­li­cher Expo­na­te der Aus­stel­lung gege­ben sei­en. Als ana­to­mi­sches Insti­tut sei der Klä­ger zwar vom Ver­bot, Lei­chen öffent­lich aus­zu­stel­len, aus­ge­nom­men, wenn die Aus­stel­lung wis­sen­schaft­li­chen Zwe­cken die­ne. Hier­zu zäh­le auch der mit dem „Men­schen Muse­um“ ver­folg­te popu­lär­wis­sen­schaft­li­che Ansatz. Ent­schei­dend sei jedoch die Prü­fung, ob jedem ein­zel­nen Expo­nat ein ganz bestimm­ter Kör­per­spen­der zuge­ord­net wer­den kön­ne und von die­sem eine aus­rei­chen­de Ein­wil­li­gung zur Her­stel­lung und Aus­stel­lung des Expo­nats vor­lie­ge; hier­zu sei das vom Klä­ger in der münd­li­chen Ver­hand­lung näher erläu­ter­te Kenn­zeich­nungs­ver­fah­ren grund­sätz­lich geeig­net. Die Behör­de habe eine sol­che Prü­fung bei den rund 120 Teil­kör­per­plas­ti­na­ten sowie bei drei erst seit Kur­zem aus­ge­stell­ten Ganz­kör­per­plas­ti­na­ten noch nicht durch­ge­führt. Bei den übri­gen aus­ge­stell­ten – zehn vor län­ge­rer Zeit her­ge­stell­ten und anony­mi­sier­ten – Ganz­kör­per­plas­ti­na­ten hat das Gericht dage­gen kei­ne aus­rei­chen­den Ein­wil­li­gungs­er­klä­run­gen fest­stel­len kön­nen, weil der Klä­ger zu die­sen Expo­na­ten nur einen „Pool“ von Erklä­run­gen aus pas­sen­den Her­stel­lungs­jah­ren vor­ge­legt habe. Die Aus­stel­lung die­ser Expo­na­te durf­te daher ver­bo­ten wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 12. Sep­tem­ber 2017 – VG 21 K 608.17