Das neue Gemein­de­zen­trum und sei­ne lärm­emp­find­li­chen Nach­barn

Dass auch geplan­te öffent­li­che Gebäu­de von Nach­barn ver­hin­dert wer­den kön­nen, zeigt aktu­ell wie­der ein Fall des Ver­wal­tungs­ge­richts Mainz, in dem ein Nach­bar einen vor­läu­fi­gen Bau­stopp gegen ein im Bau befind­li­ches Kul­tur- und Gemein­de­zen­trum in Müns­ter-Sarms­heim erwirkt hat, da von dem Gemein­de­zen­trum wahr­schein­lich für ihn unzu­mut­ba­re Lärm­be­läs­ti­gun­gen aus­ge­hen wer­den.

Das neue Gemein­de­zen­trum und sei­ne lärm­emp­find­li­chen Nach­barn

Der Bau­herr, eine Pri­vat­per­son, hat von der Kreis­ver­wal­tung Mainz-Bin­gen die Bau­ge­neh­mi­gung zur Errich­tung des Zen­trums auf einem Grund­stück der Orts­ge­mein­de erhal­ten; er möch­te das Objekt, des­sen Bau­kos­ten er über­wie­gend über­nimmt, der Orts­ge­mein­de zuwen­den. Das Wohn­grund­stück des Antrag­stel­lers liegt unmit­tel­bar gegen­über dem künf­ti­gen Ein­gangs­be­reich des Zen­trums. Die sich an das Anwe­sen des Antrag­stel­lers anschlie­ßen­den Grund­stü­cke die­nen eben­falls über­wie­gend Wohn­zwe­cken. Der Antrag­stel­ler, Eigen­tü­mer eines Nach­bar­grund­stücks, erhob Wider­spruch gegen die erteil­te Bau­ge­neh­mi­gung und bean­trag­te beim Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz, die auf­schie­ben­de Wir­kung sei­nes Wider­spruchs anzu­ord­nen, um so einen vor­läu­fi­gen Bau­stopp zu bewir­ken. Er bean­stan­de­te unter ande­rem die mit dem künf­ti­gen Betrieb des Zen­trums ver­bun­de­ne Lärm­be­las­tung.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz gab sei­nem Antrag statt, da das Bau­vor­ha­ben bei über­schlä­gi­ger recht­li­cher Prü­fung für den Antrag­stel­ler unzu­mut­ba­re Lärm­im­mis­sio­nen mit sich brin­ge. Die Zumut­bar­keit von Lärm­im­mis­sio­nen hän­ge von der Art und Schutz­wür­dig­keit des betref­fen­den Bau­ge­biets ab. Die Kreis­ver­wal­tung sei in ihrer Bau­ge­neh­mi­gung davon aus­ge­gan­gen, dass es sich vor­lie­gend um ein Misch­ge­biet han­de­le und die dies­be­züg­li­chen Immis­si­ons­richt­wer­te knapp ein­ge­hal­ten wür­den. Es sei jedoch zwei­fel­haft, ob hier ein Misch­ge­biet gege­ben sei. Zwar han­de­le es sich even­tu­ell auch nicht um ein all­ge­mei­nes Wohn­ge­biet, son­dern um eine Gemenge­la­ge, so dass bezüg­lich des Immis­si­ons­richt­werts ein Zwi­schen­wert aus den für die ver­schie­de­nen Bau­ge­biets­ar­ten maß­geb­li­chen Richt­wer­ten gebil­det wer­den müs­se. Damit kön­ne der­zeit im Eil­ver­fah­ren nicht zugrun­de gelegt wer­den, dass mit dem fest­ge­stell­ten Lärm­wert der zu bil­den­de Zwi­schen­wert ein­ge­hal­ten wür­de.

Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz, Beschluss vom 20.01.2011 – 3 L 1615/​10.MZ