Das öffent­li­che Inter­es­se an den Gur­litt-Bil­dern

Ist durch die Ver­öf­fent­li­chung zahl­rei­cher Ein­zel­ob­jek­te auf der Inter­net­platt­form "www.lostart.de" dem öffent­li­chen Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se am "Schwa­bin­ger Kunst­fund" bereits in einem weit­ge­hen­den Umfang Rech­nung getra­gen wor­den, besteht in Bezug auf die­je­ni­gen beschlag­nahm­ten Gegen­stän­de, die nach dem gegen­wär­ti­gen Erkennt­nis­stand zum recht­mä­ßi­gen Besitz des Kunst­samm­lers gehö­ren könn­ten im gericht­li­chen Eil­ver­fah­ren kein aner­ken­nens­wer­tes Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Pres­se, wel­ches das Dis­kre­ti­ons­in­ter­es­se des Kunst­samm­lers über­wiegt.

Das öffent­li­che Inter­es­se an den Gur­litt-Bil­dern

So hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren ent­schie­den, mit dem ein Jour­na­list einer deut­schen Tages­zei­tung einen pres­se­recht­li­chen Aus­kunfts­an­spruch gegen­über dem Frei­staat Bay­ern gel­tend gemacht hat und Aus­kunft über alle im Zusam­men­hang mit dem Schwa­bin­ger Kunst­fund beschlag­nahm­ten Kunst­wer­ke begehr­te. Das Aus­kunfts­be­geh­ren erstreck­te sich auf alle in der Mün­che­ner Woh­nung eines Kunst­samm­lers auf­ge­fun­de­nen und beschlag­nahm­ten Kunst­wer­ke und auf die bis­he­ri­gen Bemü­hun­gen des Frei­staats Bay­ern um Auf­klä­rung der Eigen­tums­ver­hält­nis­se an die­sen Wer­ken. Nach­dem der Jour­na­list vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Augs­burg 1 im Wesent­li­chen Erfolg hat­te, haben der Frei­staat Bay­ern und der Kunst­samm­ler Beschwer­de ein­ge­legt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat der Bay­er­si­che Ver­wal­tungs­ge­richts­hof dar­auf abge­stellt, dass der Frei­staat Bay­ern durch die Ver­öf­fent­li­chung zahl­rei­cher Ein­zel­ob­jek­te auf der Inter­net­platt­form "www.lostart.de" dem öffent­li­chen Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se am "Schwa­bin­ger Kunst­fund" bereits in einem weit­ge­hen­den Umfang Rech­nung getra­gen hat. Mitt­ler­wei­le sei­en dort 458 Wer­ke ver­öf­fent­licht, bei denen nach dem Stand der bis­he­ri­gen Ermitt­lun­gen ein NS-ver­fol­gungs­be­ding­ter Ent­zug nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­ne. In Bezug auf die­je­ni­gen be-schlag­nahm­ten Gegen­stän­de, die nach dem gegen­wär­ti­gen Erkennt­nis­stand zum recht­mä­ßi­gen Besitz des Kunst­samm­lers gehö­ren könn­ten und für die es kei­ne Anhalts­punk­te für einen NS-ver­fol­gungs­be­ding­ten Ent­zug oder ander­wei­ti­gen rechts­wid­ri­gen Erwerb gebe, bestehe dem­ge­gen­über – jeden­falls im gericht­li­chen Eil­ver­fah­ren – kein aner­ken­nens­wer­tes Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Pres­se, wel­ches das Dis­kre­ti­ons­in­ter­es­se des Kunst­samm­lers über­wie­gen kön­ne. Das gericht­li­che Eil­ver­fah­ren die­ne der vor­läu­fi­gen Rege­lung strei­ti­ger Sach­ver­hal­te zur Ver­mei­dung von Rechts­ver­lus­ten oder ande­ren wesent­li­chen Nach­tei­len. Sol­che Nach­tei­le habe der Antrag­stel­ler bis zum Abschluss eines Kla­ge­ver­fah­rens nicht zu befürch­ten, ins­be­son­de­re kei­ne jour­na­lis­tisch unzu­mut­ba­re Aktua­li­täts­ein­bu­ße.

Baye­ri­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. März 2014 – 7 CE 14.253

  1. VG Augs­burg, Beschluss vom 29.01.2014 – Au 7 E 13.2018[]