Das offen­sicht­lich unzu­läs­si­ge Ableh­nungs­ge­such

Ein Ableh­nungs­ge­such, das ledig­lich Aus­füh­run­gen ent­hält, die zur Begrün­dung der Besorg­nis der Befan­gen­heit gänz­lich unge­eig­net sind, ist offen­sicht­lich unzu­läs­sig. Bei offen­sicht­li­cher Unzu­läs­sig­keit bedarf es kei­ner dienst­li­chen Stel­lung­nah­me des abge­lehn­ten Rich­ters; die­ser ist auch von der Ent­schei­dung über das offen­sicht­lich unzu­läs­si­ge Ableh­nungs­ge­such nicht aus­ge­schlos­sen 1.

Das offen­sicht­lich unzu­läs­si­ge Ableh­nungs­ge­such

So lag der Fall auch in der hier vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schie­de­nen Wahl­prü­fungs­be­schwer­de sowohl hin­sicht­lich des Prä­si­den­ten des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts als auch des Rich­ters Mül­ler:

Die Aus­füh­run­gen des Beschwer­de­füh­rers, der Prä­si­dent des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts sei wegen "betrü­ge­ri­schen Zusam­men­wir­kens" mit dem Bun­des­tags­prä­si­den­ten vom Wahl­prü­fungs­ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen, gehen über unbe­leg­te, zur Begrün­dung der Befan­gen­heit unge­eig­ne­te Mut­ma­ßun­gen "ins Blaue hin­ein" nicht hin­aus 2. Über­dies war zur Zeit der vom Beschwer­de­füh­rer zum Beleg des "betrü­ge­ri­schen Zusam­men­wir­kens" bemüh­ten Ent­schei­dung 3 kei­ner der gegen­wär­ti­gen Rich­ter des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Amt. Im Übri­gen ist zur Begrün­dung der Befan­gen­heit die rich­ter­li­che Vor­be­fas­sung mit ver­meint­lich ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­gen in ande­ren ver­fas­sungs­pro­zes­sua­len Ver­fah­ren unge­eig­net 4. Ent­ge­gen der Ansicht des Beschwer­de­füh­rers übt der Prä­si­dent des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gegen­über Ent­schei­dun­gen der übri­gen Rich­ter des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auch kei­ne Auf­sicht aus.

Hin­sicht­lich des Rich­ters Mül­ler begrün­det der Beschwer­de­füh­rer sein Ableh­nungs­ge­such mit frü­he­ren poli­ti­schen Ämtern und Tätig­kei­ten. Aus der frü­he­ren dienst­li­chen Tätig­keit eines Rich­ters kann eine Besorg­nis der Befan­gen­heit jedoch nicht abge­lei­tet wer­den 5. Wei­te­re Umstän­de, die vor­lie­gend zu einer ande­ren Bewer­tung füh­ren könn­ten, sind aus dem Vor­brin­gen des Beschwer­de­füh­rers nicht ersicht­lich. Ins­be­son­de­re ver­mö­gen sei­ne blo­ßen Mut­ma­ßun­gen einer Nähe­be­zie­hung des Rich­ters Mül­ler zu Tei­len der Müll­ent­sor­gungs­wirt­schaft eine sol­che nicht zu bele­gen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2019 – 2 BvC 15/​18

  1. vgl. BVerfGE 11, 1, 3; BVerfGK 8, 59, 60[]
  2. vgl. BVerfGE 142, 9, 17 Rn. 25; 142, 18, 24 Rn. 23[]
  3. BVerfGE 98, 106 ff.[]
  4. vgl. BVerfGE 131, 239, 252 f.[]
  5. vgl. BVerfGE 42, 88, 90[]