Das Prü­fungs­recht des Bun­des­rech­nungs­ho­fes in den Bun­des­län­dern

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat im Wege des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes ent­schie­den, dass der Bun­des­rech­nungs­hof trotz eines anhän­gi­gen Kla­ge­ver­fah­rens der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg auf der Grund­la­ge eines für sofort voll­zieh­bar erklär­ten Bescheids die zweck­ent­spre­chen­de Ver­wen­dung der Finanz­hil­fen des Kon­junk­tur­pa­kets II bei Behör­den Ham­burgs kon­trol­lie­ren darf.

Das Prü­fungs­recht des Bun­des­rech­nungs­ho­fes in den Bun­des­län­dern

Im März 2009 war im Rah­men des so genann­ten Kon­junk­tur­pa­kets II auch das Gesetz zur Umset­zung von Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen der Kom­mu­nen und Län­der (ZuInvG) in Kraft getre­ten. Es sieht Finanz­hil­fen des Bun­des für Inves­ti­tio­nen der Län­der und Kom­mu­nen in Höhe von ins­ge­samt 10 Mrd. € vor; davon ent­fal­len 2,296 % auf Ham­burg. Um die zweck­ent­spre­chen­de Ver­wen­dung die­ser Mit­tel zu kon­trol­lie­ren, regelt § 6a ZuInvG u.a. ein Prü­fungs- und Erhe­bungs­recht des Bun­des­rech­nungs­hofs. Zur Klä­rung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit die­ser Vor­schrift ist der­zeit ein – u.a. von Ham­burg betrie­be­nes – Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt anhän­gig 1.

Da sich Ham­burg unter Hin­weis auf die strei­ti­ge Ver­ein­bar­keit des § 6a ZuInvG mit dem Grund­ge­setz wei­ger­te, dem Bun­des­rech­nungs­hof Zugang zu Ham­bur­ger Behör­den zu gestat­ten, erließ die­ser einen für sofort voll­zieh­bar erklär­ten Bescheid, mit dem Ham­burg ver­pflich­tet wur­de, u.a. Erhe­bun­gen durch den Bun­des­rech­nungs­hof zur Prü­fung der zweck­ent­spre­chen­den Ver­wen­dung der Mit­tel nach dem Zukunfts­in­ves­ti­ti­ons­ge­setz zu dul­den. Hier­ge­gen hat die Freie und Han­se­stadt Ham­burg bei dem erst- und letzt­in­stanz­lich zustän­di­gen Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Kla­ge erho­ben und zugleich vor­läu­fi­gen Rechts­schutz bean­tragt.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat den vor­läu­fi­gen Rechts­schutz­an­trag abge­lehnt: Die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit des ange­foch­te­nen Bescheids sei ins­be­son­de­re mit Blick auf die anhän­gi­ge ver­fas­sungs­recht­li­che Nor­men­kon­troll­kla­ge offen. Das Inter­es­se des Bun­des an der zeit­na­hen und effek­ti­ven Kon­trol­le der Mit­tel­ver­wen­dung über­wie­ge aber das Inter­es­se Ham­burgs, hier­von bis zum Abschluss des Haupt­sa­che­ver­fah­rens vor­erst ver­schont zu blei­ben. Denn gra­vie­ren­de Nach­tei­le sei­en für Ham­burg damit nicht ver­bun­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 5. Juli 2010 – 7 VR 5.10

  1. BVerfG 2 BvL 1/​09[]