Das Rat­haus und die Öffent­lich­keits­ar­beit der Rats­frak­tio­nen

Der Rats­frak­ti­on einer poli­ti­schen Par­tei brau­chen von der Gemein­de kei­ne Räum­lich­kei­ten im Rat­haus zur Durch­füh­rung all­ge­mein­po­li­ti­scher Aktio­nen zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Mit die­ser Begrün­dung wies jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf eine Fest­stel­lungs­kla­ge der Wup­per­ta­ler Rats­frak­ti­on Die Lin­ke ab.

Das Rat­haus und die Öffent­lich­keits­ar­beit der Rats­frak­tio­nen

Mit ihrer Kla­ge woll­te die Frak­ti­on Die Lin­ke gericht­lich klä­ren las­sen, dass ein vom Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt Wup­per­tal aus­ge­spro­che­nes Ver­bot, Sit­zungs­räu­me des Wup­per­ta­ler Rat­hau­ses für eine Ver­an­stal­tung der Klä­ge­rin zu nut­zen, rechts­wid­rig war. Die Klä­ge­rin gab an, sie habe in den Sit­zungs­räu­men eine öffent­li­che Infor­ma­ti­ons- und Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung über eine Anord­nung des Ober­bür­ger­meis­ters durch­füh­ren wol­len, eine nach sei­ner Ansicht die Arbeit der Poli­zei dif­fa­mie­ren­de und ver­un­glimp­fen­de Aus­stel­lung mit dem Titel „Vom Poli­zei­griff zum Über­griff“ zu schlie­ßen. Die Klä­ge­rin mach­te gel­tend, sie sei als Frak­ti­on befugt, sich kri­tisch mit einer sol­chen Anord­nung der Gemein­de­spit­ze zu befas­sen.

Die Kam­mer führ­te zur Begrün­dung ihrer kla­ge­ab­wei­sen­den Ent­schei­dung aus, der Beklag­te sei zwar ent­spre­chend sei­ner bis­he­ri­gen Hand­ha­bung aus Gleich­be­hand­lungs­grün­den ver­pflich­tet gewe­sen, den Frak­tio­nen im Rah­men der bestehen­den Kapa­zi­tä­ten (Sitzungs-)Räume im Rat­haus für ihre Frak­ti­ons­ar­beit zur Ver­fü­gung zu stel­len. Die­sem Bereich der Frak­ti­ons­ar­beit habe die von der Klä­ge­rin geplan­te Ver­an­stal­tung aber nicht zuge­ord­net wer­den kön­nen. Den Frak­tio­nen käme – anders als poli­ti­schen Par­tei­en – kein all­ge­mein­po­li­ti­sches Man­dat zu. Sie dürf­ten sich als Teil der Gemein­de­ver­wal­tung genau­so wie der Rat nur mit Ange­le­gen­hei­ten befas­sen, die die Gemein­de kon­kret beträ­fen. Bei der von der Klä­ge­rin geplan­ten Ver­an­stal­tung sprä­chen die ganz über­wie­gen­den Gesichts­punk­te dafür, dass nicht ledig­lich die Infor­ma­ti­on der Mit­glie­der der Klä­ge­rin über die Schlie­ßung der Aus­stel­lung beab­sich­tigt war, son­dern eine eigent­lich im Rah­men der Aus­stel­lung geplan­te öffent­li­che Infor­ma­ti­ons- und Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung zum all­ge­mein­po­li­ti­schen The­ma „Poli­zei­ge­walt“ ersatz­wei­se in den Rat­haus­räum­lich­kei­ten habe statt­fin­den sol­len.

Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 16. April 2010 – 1 K 2401/​08