Das Recht der Eltern bei der Wahl der Schul­form

Nach den Rege­lun­gen des Schul­ge­set­zes des Lan­des Sach­sen-Anhalt haben die Eltern im Rah­men der Rege­lun­gen des Bil­dungs­we­ges die Wahl zwi­schen den Schul­for­men und Bil­dungs­gän­gen, wel­che zur Ver­fü­gung ste­hen. Ver­wal­tungs­in­ter­ne Vor­schrif­ten, die eine Kapa­zi­täts­gren­ze für Schu­len fest­set­zen, sind nicht geeig­net, den gesetz­li­chen Anspruch auf Wahl des Bil­dungs­gan­ges bzw. der Schul­form zu beschrän­ken.

Das Recht der Eltern bei der Wahl der Schul­form

So hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt in dme hier vor­lie­gen­den Fall eines Eil­an­tra­ges ent­schie­den, mit dem die Eltern eines Grund­schü­lers eine Beschu­lung an einer der bei­den Inte­grier­ten Gesamt­schu­len in Mag­de­burg errei­chen woll­ten. Die Eltern hat­ten vor Beginn des Schul­jah­res 2012/​2013 die Auf­nah­me ihres Kin­des in die 5. Klas­se an einer der bei­den Inte­grier­ten Gesamt­schu­len in der Lan­des­haupt­stadt Mag­de­burg bean­tragt. Nach­dem mehr Anmel­dun­gen ein­gin­gen als Plät­ze an den bei­den Gesamt­schu­len vor­han­den waren, hat­te die Lan­des­haupt­stadt Mag­de­burg ein Los­ver­fah­ren durch­ge­führt, in des­sen Fol­ge der Schü­ler kei­nen Platz an einer Gesamt­schu­le, son­dern nur einen Platz an einem Gym­na­si­um erhielt, wel­ches von den Eltern des Schü­lers nur als nach­ran­gi­ger Wunsch ange­mel­det wor­den war. Ein Eil­an­trag mit dem Ziel, eine Beschu­lung an einer der bei­den Inte­grier­ten Gesamt­schu­len in Mag­de­burg zu errei­chen, hat­te bereits vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Mag­de­burg [1] Erfolg.

Nun hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt die­se Ent­schei­dung bestä­tigt: Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts haben die Eltern nach den Rege­lun­gen des Schul­ge­set­zes des Lan­des Sach­sen-Anhalt im Rah­men der Rege­lun­gen des Bil­dungs­we­ges die Wahl zwi­schen den Schul­for­men und Bil­dungs­gän­gen, wel­che zur Ver­fü­gung ste­hen. Zwar habe der Lan­des­ge­setz­ge­ber durch eine Geset­zes­än­de­rung im Jahr 2008 den Schul­trä­gern die Mög­lich­keit eröff­net, auf die Bestim­mung von Schul­ein­zugs­be­rei­chen zu ver­zich­ten und statt­des­sen Kapa­zi­täts­gren­zen für die ver­schie­de­nen wei­ter­füh­ren­den Schu­len (Sekun­dar­schu­le, Gym­na­si­um, Gesamt­schu­le) fest­zu­set­zen. Mit die­ser Rege­lung soll­ten jedoch nur schul­or­ga­ni­sa­to­ri­sche Belan­ge, ins­be­son­de­re eine mög­lichst gleich­mä­ßi­ge Aus­las­tung der Schu­len eines Bil­dungs­gan­ges bzw. einer Schul­form im Gebiet des Schul­trä­gers und die ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Inter­es­sen von Eltern und Schü­lern in Ein­klang gebracht wer­den. Der Schul­trä­ger kön­ne z. B. ein Los­ver­fah­ren durch­füh­ren mit der Fol­ge, dass ein Schü­ler nicht sein „Wunsch­gym­na­si­um“ im Gebiet eines Schul­trä­gers, son­dern ein ande­res Gym­na­si­um in die­sem Gebiet besu­chen müs­se. Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ist den gesetz­li­chen Rege­lun­gen jedoch nicht zu ent­neh­men, dass den Schul­trä­gern ent­we­der durch die Bestim­mung von Schul­ein­zugs­be­rei­chen bzw. Kapa­zi­täts­gren­zen die Befug­nis ein­ge­räumt wer­den soll­te, das gesetz­li­che Eltern­recht auf freie Wahl des Bil­dungs­we­ges zu beschrän­ken. Inso­fern kön­ne der Schü­ler hier nicht dar­auf ver­wie­sen wer­den, anstel­le einer Gesamt­schu­le ein Gym­na­si­um zu besu­chen.

Soweit die Lan­des­haupt­stadt Mag­de­burg aus­ge­führt hat­te, dass nach einem von ihr beschlos­se­nen Schul­ent­wick­lungs­plan und nach Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums die Kapa­zi­täts­gren­zen erschöpft sei­en, hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt aus­ge­führt, dass die­se ledig­lich ver­wal­tungs­in­ter­nen Vor­schrif­ten nicht geeig­net sei­en, den gesetz­li­chen Anspruch auf Wahl des Bil­dungs­gan­ges bzw. der Schul­form zu beschrän­ken. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat zudem nicht fest­stel­len kön­nen, dass die Auf­nah­me­ka­pa­zi­tät an der gewünsch­ten Gesamt­schu­le wegen eines Raum- und Platz­man­gels bereits erschöpft ist.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 1. Okto­ber 2012 – 3 M 687/​12

  1. VG Mag­de­burg, Beschl. v. 08.08.2012 – 7 B 135/​12 MD[]