Das Umspan­nungs­werk – und das all­ge­mei­ne Wohn­ge­biet

Ein Umspann­werk kann als „gewerb­li­cher Klein­be­trieb“ im all­ge­mei­nen Wohn­ge­biet zuläs­sig sein; das hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ent­schie­den.

Das Umspan­nungs­werk – und das all­ge­mei­ne Wohn­ge­biet

In dem hier vom Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ent­schie­de­nen Fall hat­ten die Eigen­tü­mer ver­schie­de­ner Grund­stü­cke in Ber­lin-Span­dau geklagt, die im Bereich eines all­ge­mei­nen Wohn­ge­biets lie­gen. Sie gren­zen an ein Grund­stück der Strom­netz­be­trei­be­rin bzw. befin­den sich hier­zu in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft. Dort plant die Strom­netz­be­trei­be­rin die Errich­tung eines Umspann­werks auf einer Flä­che von ca. 27 m x 33 m und mit einer Höhe bis zu 11,65 m. Das Werk soll bis zu 70.000 Kun­den in Span­dau mit elek­tri­scher Ener­gie ver­sor­gen, mit­tel­fris­tig älte­re Umspann­wer­ke erset­zen und unbe­setzt im Wege der Fern­war­tung betrie­ben wer­den. Gegen die hier­für erteil­te Bau­ge­neh­mi­gung wen­den sich die Grund­stücks­ei­gen­tü­mer; sie mei­nen, schon die Art der bau­li­chen Nut­zung sei unzu­läs­sig. Ins­be­son­de­re han­de­le es sich nicht nur um eine blo­ße Neben­an­la­ge. Das Maß der bau­li­chen Nut­zung sei unzu­läs­sig, da infol­ge der erteil­ten Befrei­ung die Fest­set­zun­gen der Bau­leit­pla­nung aus­ge­he­belt wür­den, was rück­sichts­los sei.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin wies die Kla­ge ab:

Das geplan­te Umspann­werk sei nach sei­ner Art der bau­li­chen Nut­zung all­ge­mein zuläs­sig. Es han­de­le sich zwar nicht um eine blo­ße Neben­an­la­ge, wozu nur etwa Ver­tei­ler­käs­ten, Trans­for­ma­to­ren­häus­chen oder Lei­tungs­mas­ten zähl­ten. Als Haupt­an­la­ge sei das Werk hier aber als nicht stö­ren­der gewerb­li­cher Klein­be­trieb zuläs­sig. Der pla­nungs­recht­li­che Begriff des Gewer­be­be­triebs erfas­se alle Anla­gen für gewerb­li­che Zwe­cke und damit auch ein Umspann­werk. Von die­sem gin­gen im kon­kre­ten Fall kei­ne wesent­li­chen Stö­run­gen aus, weil sich Nach­bar­schafts­be­läs­ti­gun­gen weder im Hin­blick auf etwai­gen Per­so­nen- noch Fahr­zeug­ver­kehr ergä­ben. Der fern­ge­steu­er­te Betrieb ver­ur­sa­che kei­nen regel­mä­ßi­gen Mit­ar­bei­ter­ver­kehr, und ein Kun­den- oder Lie­fer­ver­kehr ent­fal­le gänz­lich. Schäd­li­che Lärm- oder Strah­lungs­im­mis­sio­nen sei­en nicht zu erwar­ten, und in opti­scher Hin­sicht glei­che das Vor­ha­ben eher einer Turn- oder Kunst­hal­le. Es sei schließ­lich uner­heb­lich, dass das Vor­ha­ben nicht allein der Ver­sor­gung des unmit­tel­ba­ren Gebiets die­ne.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 26. Juli 2016 – VG 19 K 192.14