Das Ver­bot eines Ver­eins zur Ver­brei­tung natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gedan­ken­guts

Han­delt es sich bei einem Ver­ein um eine Grup­pie­rung, deren Zweck die Ver­brei­tung natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ideo­lo­gie und die Bekämp­fung der frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung ist, ist ein Ver­ein­ver­bot unter Anord­nung der sofor­ti­gen Voll­zie­hung rech­tens.

Das Ver­bot eines Ver­eins zur Ver­brei­tung natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gedan­ken­guts

Mit die­ser Begrün­dung hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die Kla­ge gegen das von dem beklag­ten Land Nie­der­sach­sen erlas­se­ne Ver­bot des Ver­eins "Bes­se­res Han­no­ver" abge­wie­sen. Mit Bescheid vom 24. Sep­tem­ber 2012 ver­bot das Land unter Anord­nung der sofor­ti­gen Voll­zie­hung die Ver­ei­ni­gung "Bes­se­res Han­no­ver" und lös­te sie auf. Zur Begrün­dung führ­te es aus, dass es sich bei der Grup­pie­rung um eine Ver­ei­ni­gung im Sin­ne des Ver­eins­ge­set­zes han­de­le, deren Zweck die Ver­brei­tung natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ideo­lo­gie und die Bekämp­fung der frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung sei. Die Tätig­keit der Ver­ei­ni­gung lau­fe den Straf­ge­set­zen zuwi­der, weil ihre Mit­glie­der viel­fach durch Straf­ta­ten wie Volks­ver­het­zung, Ver­wen­den von Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Orga­ni­sa­tio­nen, gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung, Bedro­hung, Ver­stoß gegen das Ver­samm­lungs­ge­setz und gefähr­li­chen Ein­griff in den Stra­ßen­ver­kehr in Erschei­nung getre­ten sei­en und ihr Han­deln der Ver­ei­ni­gung zure­chen­bar sei. Zudem rich­te sich das Han­deln der Ver­ei­ni­gung auch gegen die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung und gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung. Das Ver­eins­ver­bot wur­de dem Klä­ger und drei wei­te­ren Per­so­nen zuge­stellt, die in dem Bescheid der Füh­rungs­ebe­ne der Ver­ei­ni­gung zuge­ord­net wer­den.

Der Klä­ger hat im Okto­ber 2012 im eige­nen Namen Kla­ge gegen das Ver­eins­ver­bot erho­ben. Im März 2013 hat er bean­tragt, die Ver­ei­ni­gung "Bes­se­res Han­no­ver" als Klä­ge­rin in das Ver­fah­ren ein­zu­be­zie­hen.

Nach Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts hat der Klä­ger recht­zei­tig nur in eige­nem Namen und nicht als Ver­tre­ter der Ver­ei­ni­gung gegen das Ver­eins­ver­bot geklagt. Die von der Ver­ei­ni­gung „Bes­se­res Han­no­ver" erho­be­ne Kla­ge ist wegen Ver­säu­mung der Kla­ge­frist unzu­läs­sig.

Die von dem Klä­ger im eige­nen Namen erho­be­ne Kla­ge gegen das Ver­eins­ver­bot ist unbe­grün­det. Der Auf­fas­sung des Klä­gers, dass eine Ver­ei­ni­gung im Sin­ne des Ver­eins­ge­set­zes, die ver­bo­ten wer­den kön­ne, nicht bestehe, ist das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nicht gefolgt. Nach den vor­lie­gen­den Erkennt­nis­sen haben sich meh­re­re Per­so­nen aus dem Raum Han­no­ver unter dem Namen "Bes­se­res Han­no­ver" zusam­men­ge­schlos­sen, um dem gemein­sa­men Zweck der Ver­brei­tung natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ideo­lo­gie die­nen­de Akti­vi­tä­ten zu ent­fal­ten. Die Grup­pie­rung weist auch Struk­tu­ren auf, die zu einer orga­ni­sier­ten Wil­lens­bil­dung füh­ren.

Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat nicht geprüft, ob mate­ri­el­le Ver­bots­grün­de vor­lie­gen. Dage­gen gerich­te­te Ein­wen­dun­gen kann nur die ver­bo­te­ne Ver­ei­ni­gung, nicht aber der Klä­ger als Mit­glied der Ver­ei­ni­gung gel­tend machen.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tugs­ge­richt, Urteil vom 3. Sep­tem­ber 2013 – 11 KS 288/​12