Daten­über­mitt­lung zwi­schen Behör­den

Wer­den per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten zwecks Ver­ar­bei­tung zwi­schen zwei Ver­wal­tungs­be­hör­den eines Mit­glied­staats über­mit­telt, müs­sen die betrof­fe­nen Per­so­nen zuvor davon unter­rich­tet wer­den.

Daten­über­mitt­lung zwi­schen Behör­den

Dies ent­schied jetzt der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on auf der Grund­la­ge der Richt­li­nie 95/​46/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 24. Okto­ber 1995 zum Schutz natür­li­cher Per­so­nen bei der Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten und zum frei­en Daten­ver­kehr (ABl. L 281, S. 31). Dem zugrun­de lag ein Fall aus Rumä­ni­en:

Die Klä­ger des Aus­gangs­ver­fah­rens, Frau Sma­ran­da Bara und meh­re­re ande­re rumä­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge, sind selb­stän­dig tätig. Die rumä­ni­sche Steu­er­ver­wal­tung über­mit­tel­te die von ihnen erklär­ten Ein­künf­te der Natio­na­len Kas­se der Kran­ken­ver­si­che­run­gen, die dar­auf­hin die Zah­lung rück­stän­di­ger Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge ver­lang­te. Die Klä­ger rügen beim Beru­fungs­ge­richt in Cluj, der Cur­tea de Apel Cluj, dass die­se Über­mitt­lung gegen die Richt­li­nie ver­sto­ße. Ihre Daten sei­en zu ande­ren Zwe­cken als denen, zu denen sie ursprüng­lich der Steu­er­ver­wal­tung mit­ge­teilt wor­den sei­en, und ohne ihre vor­he­ri­ge Unter­rich­tung ver­wen­det wor­den.

Das rumä­ni­sche Recht gestat­tet es öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen, den Kran­ken­kas­sen per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten zu über­mit­teln, damit die­se die Ver­si­cher­ten­ei­gen­schaft der betrof­fe­nen Per­so­nen fest­stel­len kön­nen. Die­se Daten betref­fen die Per­so­na­li­en (Vor- und Zuna­me sowie Anschrift), schlie­ßen aber kei­ne Infor­ma­tio­nen über die erziel­ten Ein­künf­te ein. In die­sem Kon­text frag­te nun die Cur­tea de Apel Cluj den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on im Rah­men eines Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens, ob es gegen das Uni­ons­recht ver­stößt, wenn eine Ver­wal­tungs­be­hör­de eines Mit­glied­staats per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten zu ihrer anschlie­ßen­den Ver­ar­bei­tung an eine ande­re Ver­wal­tungs­be­hör­de über­mit­telt, ohne dass die betrof­fe­nen Per­so­nen von der Über­mitt­lung und der Ver­ar­bei­tung unter­rich­tet wur­den.

In sei­nem jetzt ver­kün­de­ten Urteil stellt der Gerichts­hof fest, dass das Erfor­der­nis, per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten nach Treu und Glau­ben zu ver­ar­bei­ten, eine Ver­wal­tungs­be­hör­de ver­pflich­tet, die betrof­fe­nen Per­so­nen davon zu unter­rich­ten, dass ihre Daten einer ande­ren Ver­wal­tungs­be­hör­de über­mit­telt wer­den, um von die­ser in ihrer Eigen­schaft als deren Emp­fän­ger ver­ar­bei­tet zu wer­den. Die Richt­li­nie ver­langt aus­drück­lich, dass even­tu­el­le Beschrän­kun­gen der Infor­ma­ti­ons­pflicht durch Rechts­vor­schrif­ten vor­ge­nom­men wer­den.

Das rumä­ni­sche Gesetz, das vor­sieht, dass den Kran­ken­kas­sen die per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten kos­ten­frei über­mit­telt wer­den, stellt kei­ne vor­he­ri­ge Unter­rich­tung dar, die es ermög­li­chen wür­de, den für die Ver­ar­bei­tung Ver­ant­wort­li­chen von sei­ner Pflicht zu ent­bin­den, die Per­so­nen zu unter­rich­ten, bei denen er die Daten erhebt. Die­ses Gesetz legt näm­lich weder die über­mitt­lungs­fä­hi­gen Infor­ma­tio­nen noch die Über­mitt­lungs­mo­da­li­tä­ten fest; die­se sind ledig­lich in einem bila­te­ra­len Pro­to­koll ent­hal­ten, das zwi­schen der Steu­er­ver­wal­tung und der Kran­ken­kas­se geschlos­sen wur­de.

Hin­sicht­lich der anschlie­ßen­den Ver­ar­bei­tung der über­mit­tel­ten Daten sieht die Daten­schutz­richt­li­nie 95/​46/​EG vor, dass der für die Ver­ar­bei­tung Ver­ant­wort­li­che den betrof­fe­nen Per­so­nen sei­ne eige­ne Iden­ti­tät, die Zweck­be­stim­mun­gen der Ver­ar­bei­tung sowie wei­te­re Infor­ma­tio­nen mit­teilt, die not­wen­dig sind, um eine Ver­ar­bei­tung der Daten nach Treu und Glau­ben zu gewähr­leis­ten. Zu die­sen wei­te­ren Infor­ma­tio­nen gehö­ren die Daten­ka­te­go­ri­en, die ver­ar­bei­tet wer­den, sowie das Bestehen von Aus­kunfts- und Berich­ti­gungs­rech­ten.

Der Uni­ons­ge­richts­hof weist dar­auf hin, dass die Ver­ar­bei­tung der von der Steu­er­ver­wal­tung über­mit­tel­ten Daten durch die Kran­ken­kas­se vor­aus­setz­te, dass die betrof­fe­nen Per­so­nen über die Zweck­be­stim­mun­gen der Ver­ar­bei­tung sowie über die ver­ar­bei­te­ten Daten­ka­te­go­ri­en unter­rich­tet wer­den. Im vor­lie­gen­den Fall ist kei­ne sol­che Unter­rich­tung durch die Kran­ken­kas­se erfolgt.

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on gelang­te daher zu dem Ergeb­nis, dass das Uni­ons­recht einer ohne vor­he­ri­ge Unter­rich­tung der betrof­fe­nen Per­so­nen erfol­gen­den Über­mitt­lung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten zwi­schen zwei Ver­wal­tungs­be­hör­den eines Mit­glied­staats zwecks Ver­ar­bei­tung ent­ge­gen­steht.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 1. Okto­ber 2015 – C ‑201/​14 [Sma­ran­da Bara u. a./Presedintele Casei Natio­na­le de Asi­gur­ari de Sana­ta­te u. a.]