De Mit­nah­me-Möbel­markt und die Lan­des­ent­wick­lungs­pla­nung

Es besteht für den Bau eines Ein­rich­tungs­hau­ses und eines Bau- und Gar­ten­cen­ters kein Anspruch auf Zulas­sung einer Abwei­chung von Zie­len des Lan­des­ent­wick­lungs­plans Baden-Würt­tem­berg 2002 (LEP 2002), da damit Grund­zü­ge der Pla­nung berührt wer­den. Die­sem Ansied­lungs­vor­ha­ben ste­hen das Kon­gru­enz­ge­bot und das Inte­gra­ti­ons­ge­bot als raum­ord­ne­ri­sche Ziel­fest­le­gun­gen des LEP 2002 ent­ge­gen. Die Ableh­nung einer sol­chen Ziel­ab­wei­chung ist auch mit der kom­mu­na­len Pla­nungs­ho­heit der Gemein­de und der Nie­der­las­sungs­frei­heit eines Unter­neh­mens ver­ein­bar.

De Mit­nah­me-Möbel­markt und die Lan­des­ent­wick­lungs­pla­nung

So die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Stadt Ras­tatt und des Unter­neh­mens IKEA, die für den Bau eines IKEA-Ein­rich­tungs­hau­ses, eines Bau- und Gar­ten­mark­tes sowie eines Küchen­fach­mark­tes die Zulas­sung einer Abwei­chung von Zie­len des Lan­des­ent­wick­lungs­plans Baden-Würt­tem­berg 2002 (LEP 2002) begeh­ren. Das Unter­neh­men IKEA plant zusam­men mit der Stadt Ras­tatt, auf der städ­ti­schen Gemar­kung west­lich der A 5 ein IKEA-Ein­rich­tungs­haus, einen Bau- und Gar­ten­markt sowie einen Küchen­fach­markt mit einer Gesamt­ver­kaufs­flä­che von ca. 40.000 m² zu errich­ten. Das Unter­neh­men IKEA bean­trag­te im Mai 2007 beim Regie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he – höhe­re Raum­ord­nungs­be­hör­de – die Ein­lei­tung eines Raum­ord­nungs­ver­fah­rens für die­ses gesam­te Ansied­lungs­vor­ha­ben. Die Stadt Ras­tatt stell­te ergän­zend den Antrag, eine Abwei­chung von den Zie­len des Lan­des­ent­wick­lungs­plans zuzu­las­sen. Das Regie­rungs­prä­si­di­um lehn­te den Antrag der Stadt Ras­tatt ab.

Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge wies das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, das IKEA zum Ver­fah­ren bei­gela­den hat­te ab 1. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg 2 hat mit sei­nem ers­ten Urteil die Beru­fun­gen der Stadt Ras­tatt und des Unter­neh­mens IKEA zurück­ge­wie­sen. Zur Begrün­dung hat er aus­ge­führt, das Ansied­lungs­vor­ha­ben wider­spre­che in sei­ner Gesamt­heit zen­tra­len Zie­len des LEP 2002. Eine Ziel­ab­wei­chung sei nicht zuzu­las­sen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat den Revi­sio­nen der Stadt Ras­tatt und von IKEA teil­wei­se statt­ge­ge­ben 3. Die Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs, dass das Ansied­lungs­vor­ha­ben den Zie­len des Lan­des­ent­wick­lungs­plans wider­spre­che, sei nicht zu bean­stan­den. Nicht gefolgt ist das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hin­ge­gen der Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs über die Ableh­nung der bean­trag­ten Ziel­ab­wei­chung. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat des­halb dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof auf­ge­ge­ben, über die Anträ­ge, gemäß § 24 LplG eine Abwei­chung von Zie­len des LEP 2002 zuzu­las­sen, erneut zu ent­schei­den. Über die­se Anträ­ge ist nun erneut ver­han­delt wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg stün­den dem Ansied­lungs­vor­ha­ben der Bei­gela­de­nen das Kon­gru­enz­ge­bot und das Inte­gra­ti­ons­ge­bot als raum­ord­ne­ri­sche Ziel­fest­le­gun­gen des LEP 2002 ent­ge­gen. Bei­de Gebo­te sei­en Zie­le der Raum­ord­nung des LEP 2002 und bestimm­ten des­sen wesent­li­chen Gehalt. Die von der Stadt Ras­tatt und von IKEA begehr­te Abwei­chung von die­sen Zie­len kön­ne nicht zuge­las­sen wer­den, weil damit Grund­zü­ge der Pla­nung berührt wür­den. Es lägen auch unter raum­ord­nungs­recht­li­chen Gesichts­punk­ten kei­ne einen Här­te­fall begrün­den­den beson­de­ren Umstän­de vor, die trotz Ver­sto­ßes gegen die bei­den Raum­ord­nungs­zie­le die Grund­zü­ge der Pla­nung unbe­rührt lie­ßen. Die Ableh­nung der Ziel­ab­wei­chung sei auch mit der kom­mu­na­len Pla­nungs­ho­heit der Klä­ge­rin und der Nie­der­las­sungs­frei­heit des Unter­neh­mens IKEA ver­ein­bar.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 4. Juli 2012 – 3 S 351/​11

  1. VG Karls­ru­he, Urteil vom 26.06.2008 – 6 K 2099/​07[]
  2. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 15.12.2009 – 3 S 2110/​08[]
  3. BVerwG, Urteil vom 16.12.2010 – 4 C 8.10[]