Demons­tran­ten in Coro­na-Zei­ten

Das Recht auf anony­me Teil­nah­me an einer Ver­samm­lung ist durch das Grund­ge­setz geschützt. Die Ein­tra­gung in eine Namens­lis­te als zwin­gen­de Vor­aus­set­zung der Ver­samm­lungs­teil­nah­me aus Grün­den des Infek­ti­ons­schut­zes ist nicht gerecht­fer­tigt.

Demons­tran­ten in Coro­na-Zei­ten

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Eil­an­trag des Ver­samm­lungs­lei­ters statt­ge­ge­ben, soweit er sich gegen die Pflicht zur Füh­rung der Namens­lis­te rich­te­te. Außer­dem wur­de die Stadt Köln ver­pflich­tet, die Geneh­mi­gung einer Ver­samm­lung auf dem Köl­ner Neu­markt am Abend des 08.05.2020 anläss­lich des Kriegs­en­des („Künst­le­ri­scher krea­ti­ver Akt für Demo­kra­tie und das deut­sche Grund­ge­setz“) ohne die Ver­pflich­tung zur Erstel­lung einer Teil­neh­mer­lis­te mit Name, Anschrift und Tele­fon-Num­mer zu ertei­len.

Nach der aktu­el­len Coro­na-Schutz-Ver­ord­nung des Lan­des bedür­fen Ver­samm­lun­gen einer Geneh­mi­gung. Die Stadt Köln hat­te die Geneh­mi­gung der genann­ten Ver­samm­lung unter ande­rem mit der Auf­la­ge ver­bun­den, die Teil­neh­mer in einer Lis­te nament­lich zu erfas­sen. Die Lis­te soll­te beim Ver­samm­lungs­lei­ter hin­ter­legt und bei Bedarf vom Gesund­heits­amt ange­for­dert wer­den kön­nen, um bei Coro­na-posi­tiv getes­te­ten Per­so­nen Infek­ti­ons­ket­ten nach­voll­zie­hen zu kön­nen.

Das Gericht hat dem hier­ge­gen gerich­te­ten Eil­an­trag des Ver­samm­lungs­lei­ters statt­ge­ge­ben, soweit er sich gegen die Pflicht zur Füh­rung der Namens­lis­te rich­te­te. Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Köln sei das Ziel der Namens­lis­te anzu­er­ken­nen, dage­gen sei aber eine Ein­tra­gung als zwin­gen­de Vor­aus­set­zung der Ver­samm­lungs­teil­nah­me unver­hält­nis­mä­ßig. Das Recht auf anony­me Teil­nah­me an einer Ver­samm­lung sei durch das Grund­ge­setz geschützt. Der Ein­griff durch die Pflicht zur Namens­an­ga­be sei auch aus Grün­den des Infek­ti­ons­schut­zes nicht gerecht­fer­tigt, zumal die Rich­tig­keit der Lis­ten­ein­tra­gun­gen nicht gewähr­leis­tet sei. Auch gin­gen von einer – wie hier – vor­aus­sicht­lich dis­zi­pli­niert durch­ge­führ­ten Demons­tra­ti­on bei Wah­rung des Abstands­ge­bots kei­ne grö­ße­ren Infek­ti­ons­ge­fah­ren aus als von vie­len ande­ren nun­mehr wie­der erlaub­ten Tätig­kei­ten, bei denen kei­ne Teil­neh­mer­lis­ten gefor­dert wür­den. Mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar sei hin­ge­gen das Gebot frei­wil­li­ger Anga­ben zur Iden­ti­tät.

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Beschluss vom 7. Mai 2020 – 7 L 809/​20