Demos in Ham­burg – und die Coro­na-Ein­däm­mungs­ver­ord­nung

Der Schutz des Lebens, die kör­per­li­che Unver­sehrt­heit und die fort­be­stehen­de Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Gesund­heits­sys­tems sind gegen­über der Ver­samm­lungs­frei­heit als höher­ran­gig ein­zu­stu­fen.

Demos in Ham­burg – und die Coro­na-Ein­däm­mungs­ver­ord­nung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ham­bur­gi­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Eil­an­trag auf Durch­füh­rung einer Ver­samm­lung abge­lehnt und damit gleich­zei­tig eine anders­lau­ten­de Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ham­burg [1] geän­dert.

Die Ver­ord­nung zur Ein­däm­mung der Aus­brei­tung des Coro­na­vi­rus SARS-CoV‑2 in Ham­burg sieht u.a. vor, dass Ver­samm­lun­gen unter frei­em Him­mel aus Grün­den des Infek­ti­ons­schut­zes ver­bo­ten sind. Aus­nah­men von die­sem Ver­bot kön­nen in beson­ders gela­ger­ten Ein­zel­fäl­len zuge­las­sen wer­den, sofern dies aus infek­ti­ons­schutz­recht­li­cher Sicht ver­tret­bar ist.

Der Antrag­stel­ler hat sich mit sei­nem Eil­an­trag gegen das Ver­bot einer für den 16. April 2020 auf dem Ham­bur­ger Rat­haus­markt geplan­ten Ver­samm­lung zu dem The­ma „Abstand statt Not­stand – Verwaltungsrechtler*innen gegen die fak­ti­sche Aus­set­zung der Ver­samm­lungs­frei­heit“ gewandt. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ham­burg hat­te zunächst ent­schie­den, dass die Ver­samm­lung wie geplant statt­fin­den dür­fe, da es das gene­rel­le Ver­samm­lungs­ver­bot als unver­ein­bar mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an eine Beschrän­kung der Ver­samm­lungs­frei­heit ange­se­hen hat­te. Hier­ge­gen hat die Freie und Han­se­stadt Ham­burg Beschwer­de erho­ben.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ham­bur­gi­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt aus­ge­führt, dass es nach der im Eil­ver­fah­ren allein mög­li­chen Prü­fung nicht über­wie­gend wahr­schein­lich ist, dass das Ver­samm­lungs­ver­bot mit Aus­nah­me­vor­be­halt ver­fas­sungs­wid­rig ist. Im Rah­men der danach vor­zu­neh­men­den Fol­gen­ab­wä­gung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt das öffent­li­che Inter­es­se am Schutz des Lebens und der kör­per­li­chen Unver­sehrt­heit andern­falls Infek­ti­ons­ge­fähr­de­ter sowie an der fort­be­stehen­den Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Gesund­heits­sys­tems gegen­über dem Inter­es­se der Antrag­stel­ler an der Durch­füh­rung der Ver­samm­lung als höher­ran­gig ein­ge­stuft.

Ham­bur­gi­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 16. April 2020 – 5 Bs 58/​20

  1. VG Ham­burg, Beschluss vom 16.04.2020 – 17 E 1648/​20[]