Denk­mal­schutz für ein Gebäu­de­en­sem­ble

Bei einer Mehr­heit bau­li­cher Anla­gen, die nach § 4 Abs. 3 S. 1 DSchG als Ensem­ble dem Denk­mal­schutz unter­lie­gen, setzt die erfor­der­li­che über­grei­fen­de Kom­po­nen­te oder Idee bzw. ein ein­heits­stif­ten­des Merk­mal, die bzw. das der "Trä­ger der geschicht­li­chen Bot­schaft" ist, nicht vor­aus, dass die bau­li­chen Anla­gen hin­sicht­lich ihrer Bau­form oder bestimm­ter Gestal­tungs­ele­men­te Über­ein­stim­mun­gen (z.B. einen gemein­sa­men Bau­stil) auf­wei­sen müs­sen.

Denk­mal­schutz für ein Gebäu­de­en­sem­ble

Ein Ensem­ble ist gemäß § 4 Abs. 3 Satz 1 DSchG eine Mehr­heit bau­li­cher Anla­gen, deren Erhal­tung aus den in § 4 Abs. 2 DSchG genann­ten Grün­den im öffent­li­chen Inter­es­se liegt, und zwar auch dann, wenn kein oder nicht jeder ein­zel­ne Teil des Ensem­bles ein Denk­mal dar­stellt. Als Erhal­tungs­grün­de wer­den in § 4 Abs. 2 DSchG die geschicht­li­che, künst­le­ri­sche oder wis­sen­schaft­li­che Bedeu­tung des Denk­ma­les oder die Bewah­rung cha­rak­te­ris­ti­scher Eigen­hei­ten des Stadt­bil­des genannt. Der Ensem­ble­be­griff setzt dabei mehr vor­aus als eine schlich­te räum­li­che Ansamm­lung meh­re­rer bau­li­cher Anla­gen, selbst wenn sie ihrer­seits als Denk­mal anzu­se­hen sein soll­ten. Ein Ensem­ble ist gekenn­zeich­net durch das Zusam­men­wir­ken ein­zel­ner Ele­men­te, die sich dadurch zu einem ein­heit­li­chen Gan­zen fügen, so dass zu dem räum­li­chen Aspekt ein qua­li­ta­ti­ver Aspekt hin­zu­tritt. Um als Ensem­ble gel­ten zu kön­nen, muss eine Mehr­zahl von Objek­ten mit­ein­an­der im Zusam­men­hang ste­hen und gera­de wegen die­ses Zusam­men­han­ges in ihrer Gesamt­heit schüt­zens­wert sein. Das Ensem­ble­denk­mal erfährt sei­nen Denk­mal­wert damit durch das Ein­an­der-Zuge­ord­net­sein der Ein­zel­ob­jek­te selbst, aus deren spe­zi­fi­schem Zusam­men­hang sich der Wert des Gan­zen erschließt. Ent­schei­dend ist die Ver­bin­dung der ein­zel­nen Objek­te durch eine über­grei­fen­de Kom­po­nen­te oder Idee bzw. ein ein­heits­stif­ten­des Merk­mal, die bzw. das der eigent­li­che "Trä­ger der geschicht­li­chen Bot­schaft" des Ensem­bles ist 1.

Es besteht kein Grund, den denk­mal­recht­li­chen Ensem­ble­be­griff so zu ver­en­gen, dass die bau­li­chen Anla­gen, die ein Ensem­ble bil­den sol­len, ver­bin­den­de, ein­heits­stif­ten­de Merk­ma­le hin­sicht­lich der Bau­form oder bestimm­ter Gestal­tungs­ele­men­te auf­wei­sen müs­sen 2. Denn die für den Ensem­ble­be­griff maß­geb­li­che Bezo­gen­heit der meh­re­ren bau­li­chen Anla­gen auf­ein­an­der kann sich auch aus ihrer Ent­ste­hungs­ge­schich­te ablei­ten, was sich aus der geschicht­li­chen Bedeu­tung, die ein über­grei­fen­des Kri­te­ri­um für die Denk­mal­schutz­wür­dig­keit ist 3, unmit­tel­bar ergibt. Die Antrag­stel­ler kön­nen daher einen Ensem­ble­cha­rak­ter der bei­den streit­be­fan­ge­nen Gebäu­de durch­aus auf deren his­to­ri­sche städ­te­bau­li­che Bedeu­tung für die Bebau­ung auf der Uhlen­horst für die Zeit nach der Auf­he­bung der Tor­sper­re 1860/​1861 stüt­zen. Die­se über­grei­fen­de geschicht­li­che Kom­po­nen­te der bei­den Gebäu­de wird nicht dadurch in Fra­ge gestellt, dass sie ihren exem­pla­ri­schen Cha­rak­ter als typi­sche Bei­spie­le für die Erst­be­bau­ung seit den 1860er-Jah­ren gera­de in der Unter­schied­lich­keit der Bau­sti­le der Gebäu­de – Tudor­go­tik und Klas­si­zis­mus – zum Aus­druck brin­gen. Die Wahl unter­schied­li­cher Stil­rich­tun­gen bei der Bau­aus­füh­rung ist hier viel­mehr typisch für die dama­li­ge Bebau­ung von Vil­len­ge­bie­ten durch sozi­al geho­be­ne Stän­de, weil die Auf­trag­ge­ber, Käu­fer bzw. Eigen­tü­mer Indi­vi­dua­li­tät statt ein­heit­li­cher Fas­sa­den bevor­zug­ten. Eben­so wenig kommt es dar­auf an, dass die­ser Aus­sa­ge­wert der bei­den Gebäu­de nicht selbst­er­klä­rend ist, d.h. an den Gebäu­den nicht unmit­tel­bar abge­le­sen wer­den kann 4.

Ham­bur­gi­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 3. Dezem­ber 2014 – 2 Bs 214/​14

  1. so grund­le­gend OVG Ham­burg, Urteil vom 16.05.2007, Nor­dÖR 2007, 498, 500 zum Ensem­ble­be­griff des § 2 Nr. 2 DSchG a.F., der vom Gesetz­ge­ber in § 4 Abs. 3 DSchG über­nom­men wor­den ist, sie­he Bü-Drs.20/5703 S. 15[]
  2. so aber OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 10.05.2012, OVG 2 S 13.12 15; Urteil vom 8.11.2006, BauR 2007, 694, 695[]
  3. vgl. OVG Ham­burg, Urteil vom 16.05.2007, a.a.O., 499[]
  4. vgl. dazu bereits OVG Ham­burg, Urteil vom 16.05.2007, a.a.O., 500[]