Der abge­lehn­te Wahl­vor­schlag zur Ober­bür­ger­meis­ter­wahl in Gera

Der Umstand, dass eine Par­tei nicht vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für ver­fas­sungs­wid­rig erklärt wor­den ist, bedeu­tet nicht, dass sie kei­ne ver­fas­sungs­wid­ri­gen Zie­le erfolgt. Als Funk­ti­ons­trä­ger sind einem Par­tei­mit­glied der NPD die mit der Ver­fas­sung unver­ein­ba­ren poli­ti­schen Ziel­set­zun­gen der NPD zuzu­rech­nen.

Der abge­lehn­te Wahl­vor­schlag zur Ober­bür­ger­meis­ter­wahl in Gera

So hat das Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Ober­bür­ger­meis­ter­wahl in Gera nicht für rechts­wid­rig erklärt und den Antrag auf Zulas­sung eines Beru­fungs­ver­fah­rens gegen ein gleich­lau­ten­des Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Gera abge­lehnt. Der Klä­ger, der Kreis­vor­sit­zen­der und stell­ver­tre­ten­der Lan­des­vor­sit­zen­der der NPD ist, war von der NPD als Bewer­ber für die Ober­bür­ger­meis­ter­wahl vor­ge­schla­gen wor­den. Der zur Vor­be­rei­tung der Wahl beru­fe­ne Wahl­aus­schuss lehn­te den Wahl­vor­schlag im Wesent­li­chen mit der Begrün­dung als ungül­tig ab, dass der Klä­ger als Funk­tio­när der NPD nicht die per­sön­li­che Eig­nung für die Beru­fung in ein Beam­ten­ver­hält­nis in Thü­rin­gen habe. Der Klä­ger focht die ohne ihn als Kan­di­da­ten durch­ge­führ­te Wahl an. Nach sei­ner Auf­fas­sung sei die Wahl ins­ge­samt rechts­wid­rig, weil er als Wahl­vor­schlag nicht habe abge­lehnt wer­den dür­fen. Nach dem kla­ge­ab­wei­sen­den Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Gera 1 hat­te das Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nun dar­über zu ent­schei­den, ob auf den Antrag des Klä­gers ein Beru­fungs­ver­fah­ren gegen das Uteil des Ver­wa­tungs­ge­richts durch­zu­füh­ren war.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt aus­ge­führt, dass der Klä­ger es nicht ver­mocht habe, ernst­li­che Zwei­fel an der Rich­tig­keit der Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts oder eine grund­sätz­li­che Bedeu­tung der Sache dar­zu­le­gen.

Die Rechts­auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts, das die Annah­me feh­len­der Ver­fas­sungs­treue des Klä­gers nicht allein auf sei­ne Mit­glied­schaft in der NPD son­dern gera­de auf sei­ne her­aus­ge­ho­be­ne Posi­ti­on inner­halb der Par­tei gestützt habe, sei nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht zu bean­stan­den. Als Funk­ti­ons­trä­ger sei­en ihm die mit der Ver­fas­sung unver­ein­ba­ren poli­ti­schen Ziel­set­zun­gen der NPD zuzu­rech­nen, zumal er sich davon nicht hin­rei­chend distan­ziert habe. Der Ein­wand des Klä­gers, dass die NPD nicht ver­bo­ten wor­den sei und die Mit­glied­s­haft daher kei­ne nach­tei­li­gen Fol­gen nach sich zie­hen dür­fe, gehe fehl. Der Umstand, dass eine Par­tei nicht gemäß Art. 21 Abs.2 GG vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für ver­fas­sungs­wid­rig erklärt wor­den sei, bedeu­te nicht, dass sie kei­ne ver­fas­sungs­wid­ri­gen Zie­le ver­fol­ge. Das Ver­wal­tungs­ge­richt habe bei der Unter­su­chung der Fra­ge, ob die der Ver­fas­sung wider­spre­chen­den poli­ti­schen Inhal­te der NPD dem Klä­ger indi­vi­du­ell zure­chen­bar sei­en, u.a. sei­ne Par­tei­funk­ti­ons­äm­ter in den Blick genom­men und sich mit den mit der frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung nicht zu ver­ein­ba­ren­den Ziel­stel­lun­gen der Par­tei aus­ein­an­der­ge­setzt.

Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2014 – 3 ZKO 503/​13

  1. VG Gera, Urteil vom 12.06.2013 – 2 K 725/​12 Ge[]