Der Abschluss­be­richt des Unter­su­chungs­aus­schus­ses – und die Ver­wal­tungs­ge­rich­te

Der Inhalt des Beschlus­ses eines Unter­su­chungs­aus­schus­ses der Ham­bur­gi­schen Bür­ger­schaft, der das Ergeb­nis der Unter­su­chung fest­stellt, ist der rich­ter­li­chen Erör­te­rung ent­zo­gen.

Der Abschluss­be­richt des Unter­su­chungs­aus­schus­ses – und die Ver­wal­tungs­ge­rich­te

Im vor­lie­gen­den Fall begehr­te der Antrag­stel­ler – Part­ner einer ins­be­son­de­re im pri­va­ten Bau­recht täti­gen Rechts­an­walts­kanz­lei – im Wege des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes, es dem Antrags­geg­ner zu unter­sa­gen, in sei­nem Abschluss­be­richt wer­ten­de Äuße­run­gen über ihn zu ver­öf­fent­li­chen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt lehn­te den Antrag als unzu­läs­sig ab:

Zwar ist der Ver­wal­tungs­rechts­weg nach § 40 Abs. 1 Satz 1 VwGO für das einst­wei­li­ge Rechts­schutz­be­geh­ren ins­ge­samt eröff­net. Nach die­ser Vor­schrift ist der Ver­wal­tungs­rechts­weg in allen öffent­lich-recht­li­chen Strei­tig­kei­ten nicht­ver­fas­sungs­recht­li­cher Art gege­ben, soweit sie nicht durch Bun­des­ge­setz einem ande­ren Gericht aus­drück­lich zuge­wie­sen sind. Es han­delt sich vor­lie­gend nicht um eine ver­fas­sungs­recht­li­che Strei­tig­keit, weil nur der Antrags­geg­ner – nicht jedoch der Antrag­stel­ler – ein am Ver­fas­sungs­le­ben mit Ver­fas­sungs­rech­ten betei­lig­tes Organ ist 1.

Der Antrag ist jedoch gemäß Art. 26 Abs. 5 Satz 1 der Ver­fas­sung der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg (HV) unzu­läs­sig. Danach sind Beschlüs­se der Unter­su­chungs­aus­schüs­se der rich­ter­li­chen Erör­te­rung ent­zo­gen. Durch die­se Vor­schrift soll die Unab­hän­gig­keit der Bür­ger­schaft bei der Kon­trol­le der Exe­ku­ti­ve gewähr­leis­tet wer­den 2. Sie bezieht sich damit auf die­je­ni­gen Beschlüs­se, die das Ergeb­nis der Unter­su­chung fest­stel­len 3. Mit dem Haupt- und dem Hilfs­an­trag will der Antrag­stel­ler auf den Inhalt des Abschluss­be­richts in einer Wei­se Ein­fluss neh­men, dass es dem Antrags­geg­ner unter­sagt wird, bestimm­te Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen auf­zu­stel­len oder wer­ten­de Äuße­run­gen abzu­ge­ben. Die Anträ­ge bezie­hen sich damit auf einen Beschluss des Antrags­geg­ners, mit dem er das Ergeb­nis der Unter­su­chung fest­stellt. Könn­te der Antrag­stel­ler mit gericht­li­cher Hil­fe direk­ten Ein­fluss auf das neh­men, was der Unter­su­chungs­aus­schuss für das zutref­fen­de Ergeb­nis der Unter­su­chung hält, wür­de die Unab­hän­gig­keit der Bür­ger­schaft bei der Unter­su­chung des Exe­ku­tiv­han­delns im Rah­men des Baus der Elb­phil­har­mo­nie beein­träch­tigt wer­den 4. Dies will Art. 26 Abs. 5 Satz 1 HV ver­hin­dern.

Etwas ande­res ergibt sich nicht dar­aus, dass der Abschluss­be­richt womög­lich wer­ten­de Äuße­run­gen über den Antrags­stel­ler ent­hält, die des­sen sub­jek­ti­ve Rech­te beein­träch­ti­gen könn­ten. Da Art. 26 Abs. 5 Satz 1 HV eine Aus­nah­me von der Rechts­weg­ga­ran­tie ent­hält, nimmt er zur Wah­rung der Par­la­ments­rech­te eine Ein­schrän­kung des Indi­vi­du­al­rechts­schut­zes in Kauf. Ob hier­von wie­der­um eine Aus­nah­me zu machen ist, wenn schwer­wie­gen­de Grund­rechts­be­ein­träch­ti­gun­gen dro­hen 5 oder Ver­fah­rens­rech­te miss­ach­tet wur­den 6, braucht hier nicht ent­schie­den zu wer­den. Es ist näm­lich ers­tens zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt nicht klar, ob und ggf. wel­che wer­ten­den Äuße­run­gen, die im Berichts­ent­wurf ent­hal­ten sind, Ein­zug in den Abschluss­be­richt fin­den wer­den. Es ist allein Sache des Antrags­geg­ners, über den Inhalt sei­nes Berichts zu ent­schei­den. Eine vor­sorg­li­che Prü­fung des Gerichts, ob wer­ten­de Äuße­run­gen die Grund­rech­te des Antrags­stel­lers ver­letz­ten, wenn sie im Abschluss­be­richt stün­den, wür­de die­ser Kom­pe­tenz­zu­wei­sung nicht gerecht wer­den. Zwei­tens hat der Antrags­geg­ner die Ver­fah­rens­rech­te des Antrags­stel­ler nicht beein­träch­tigt, so dass sich die Fra­ge, was bei deren Ver­let­zung gesche­hen wür­de, nicht stellt.

Nicht von Art. 26 Abs. 5 Satz 1 HV erfasst und auch im Übri­gen zuläs­sig ist das einst­wei­li­ge Rechts­schutz­be­geh­ren nur hin­sicht­lich der (hier hilfs­wei­se gestell­ten) Anträ­ge, mit denen der Antrag­stel­ler Rech­te gel­tend macht, die sich aus sei­ner Stel­lung als Betrof­fe­ner i.S.v. § 19 HmbUAG erge­ben sol­len. Der Umfang der Betei­li­gungs­rech­te, die sich aus der Betrof­fen­heit eines Bür­gers erge­ben, kann gericht­lich geklärt wer­den 7, weil die Ver­wei­ge­rung die­ser Rech­te unmit­tel­ba­re Rechts­wir­kun­gen gegen­über dem Bür­ger ent­fal­tet 8. Ob er die­se Rech­te tat­säch­lich hat, ist dann eine Fra­ge der (hier ver­nein­ten) Begründ­etheit des Antrags.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 27. März 2014 – 8 E 1256/​14

  1. vgl. OVG Ham­burg, Beschluss vom 27.05.1986, NVwZ 1987, 610, 610 f.[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 17.07.1995, 2 BvH 1/​95 46 = BVerfGE 93, 195-208, zu Art. 25 Abs. 6 Satz 1 HV a. F.; Glau­ben, in: Bon­ner Kom­men­tar zum Grund­ge­setz, Stand: 160. EL, März 2013, Art. 44, Rn. 158[]
  3. VG Ham­burg, Urteil vom 11.11.1986, NJW 1987, 1568; Beschluss vom 4.02.2014, 5 E 153/​14, S. 7 BA; Geis, in: Isensee/​Kirchhof [Hrsg.], Hand­buch des Staats­rechts, Band III, 3. Auf­la­ge 2005, § 55. Unter­su­chungs­aus­schuss, Rn. 62; sie­he auch Klein, in: Maunz/​Dürig, Grund­ge­setz-Kom­men­tar, Stand: 45. EL, August 2005, Art. 44 Rn. 234; Glau­ben, a.a.O., Rn. 188[]
  4. vgl. OVG Ham­burg, Beschluss vom 27.05.1986, NVwZ, 1987, 610, 611[]
  5. vgl. VG Ham­burg, Beschluss vom 22.05.1986, 5 VG 1391/​86, DVBl. 1017, 1021: "voll­stän­di­ger Grund­rechts­ent­zug"; OVG Ham­burg, Beschluss vom 27.05.1986, NVwZ 1987, 610, 611[]
  6. OVG Ham­burg, Beschluss vom 27.05.1986, NVwZ 1987, 610, 611; zusam­men­fas­send Glauben/​Brocker, Das Recht der par­la­men­ta­ri­schen Unter­su­chungs­aus­schüs­se in Bund und Län­dern, 2. Auf­la­ge 2011, § 29 Rn. 34 m.w.N.; zum Streit­stand auch Glau­ben, a.a.O., Rn. 159[]
  7. OVG Ham­burg, Beschluss vom 13.02.2014, 3 Bs 46/​14, S. 6 BA[]
  8. VG Ham­burg, Urteil vom 11.11.1986, NJW 1987 1568; sie­he auch Geis, a.a.O.: "kein rechts­frei­er Raum für ver­fah­rens­lei­ten­de Beschlüs­se"[]