Der Amts­er­mitt­lungs­grund­satz im Ver­wal­tungs­pro­zess

Zwar ver­letzt ein Gericht sei­ne Pflicht zur erschöp­fen­den Sach­ver­halts­auf­klä­rung grund­sätz­lich nicht, wenn es von einer sich nicht auf­drän­gen­den Beweis­erhe­bung absieht, die ein anwalt­lich ver­tre­te­ner Betei­lig­ter oder – wie hier – ein Behör­den­ver­tre­ter nicht aus­drück­lich bean­tragt hat. Die Tat­sa­che, dass ein Beweis­an­trag nicht gestellt wur­de, ist aber dann uner­heb­lich, wenn sich dem Gericht auf der Grund­la­ge sei­ner Rechts­auf­fas­sung auch ohne aus­drück­li­chen Beweis­an­trag eine wei­te­re Sach­ver­halts­auf­klä­rung von Amts wegen hät­te auf­drän­gen müs­sen 1.

Der Amts­er­mitt­lungs­grund­satz im Ver­wal­tungs­pro­zess

Eine sach­ge­rech­te Hand­ha­bung die­ses Amts­er­mitt­lungs­grund­sat­zes hat zwar unter dem Gesichts­punkt der Gewal­ten­tei­lung und der Pro­zess­öko­no­mie zu erfol­gen 2. Dies ent­hebt die Tat­sa­chen­ge­rich­te aber nicht von der Ver­pflich­tung, hin­rei­chend kon­kret dar­ge­leg­ten Ein­wän­den eines Betei­lig­ten nach­zu­ge­hen und den Sach­ver­halt – ggf. auch unter Mit­wir­kung der Betei­lig­ten – wei­ter auf­zu­klä­ren, sofern dies für die Ent­schei­dung des Rechts­streits erfor­der­lich ist 3.

Allein der Umstand, dass der Erfolg wei­te­rer Ermitt­lungs­maß­nah­men hier von der Mit­wir­kung aus­län­di­scher Behör­den abhängt, begrün­det für sich noch kei­ne Unzu­mut­bar­keit.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Febru­ar 2015 – 1 B 22015 -

  1. stRspr, etwa BVerwG, Urteil vom 29.05.2008 – 10 C 11.07, BVerw­GE 131, 186 Rn. 13 m.w.N.[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 17.04.2002 – 9 CN 1.01, BVerw­GE 116, 188, 196[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 26.08.1983 – 8 C 76.80, Buch­holz 310 § 98 VwGO Nr. 21[]