Der Amts­er­mitt­lungs­grund­satz im Ver­wal­tungs­pro­zess

Gemäß § 86 Abs. 1 Satz 1 VwGO obliegt den Tat­sa­chen­ge­rich­ten die Pflicht, jede mög­li­che Auf­klä­rung des ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halts bis zur Gren­ze der Zumut­bar­keit zu ver­su­chen, sofern dies für die Ent­schei­dung des Rechts­streits erfor­der­lich ist1. Die Ent­schei­dung über die Art der her­an­zu­zie­hen­den Beweis­mit­tel und den Umfang der Beweis­auf­nah­me ist hier­bei in das Ermes­sen der Tat­sa­chen­ge­rich­te gestellt.

Der Amts­er­mitt­lungs­grund­satz im Ver­wal­tungs­pro­zess

Die gericht­li­che Auf­klä­rungs­pflicht endet dort, wo das Vor­brin­gen der Betei­lig­ten kei­nen tat­säch­li­chen Anlass zu wei­te­rer Auf­klä­rung bie­tet2.

Eine angeb­li­che Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Gerichts ist u.a. nur dann aus­rei­chend bezeich­net, wenn im Ein­zel­nen dar­ge­tan wird, wel­che Tat­sa­chen auf der Grund­la­ge der inso­weit maß­geb­li­chen mate­ri­ell-recht­li­chen Auf­fas­sung der Vor­in­stanz auf­klä­rungs­be­dürf­tig gewe­sen wären, wel­che Beweis­mit­tel zu wel­chen Beweis­the­men zur Ver­fü­gung gestan­den hät­ten, wel­ches Ergeb­nis die­se Beweis­auf­nah­me vor­aus­sicht­lich gehabt hät­te, inwie­fern das ange­foch­te­ne Urteil auf der unter­blie­be­nen Sach­auf­klä­rung beru­hen kann und dass auf die Erhe­bung der Bewei­se vor dem Tat­sa­chen­ge­richt durch Stel­lung förm­li­cher Beweis­an­trä­ge hin­ge­wirkt wor­den ist oder – soll­te dies nicht der Fall gewe­sen sein – auf­grund wel­cher Anhalts­punk­te sich die unter­blie­be­ne Sach­auf­klä­rung dem Gericht hät­te auf­drän­gen müs­sen3.

Die Fra­ge, ob im vor­in­stanz­li­chen Ver­fah­ren gegen die Pflicht zur Sach­ver­halts­er­mitt­lung ver­sto­ßen wor­den ist, ist vom mate­ri­ell-recht­li­chen Stand­punkt des Gerichts der Vor­in­stanz aus zu beur­tei­len, auch wenn die­ser Stand­punkt recht­lich ver­fehlt sein soll­te4.

Ver­säumt das Tat­sa­chen­ge­richt, wesent­li­che Umstän­de, deren Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit sich ihm hät­te auf­drän­gen müs­sen, auf­zu­klä­ren, fehlt es an einer trag­fä­hi­gen Grund­la­ge für sei­ne inne­re Über­zeu­gungs­bil­dung und für die Über­prü­fung sei­ner Ent­schei­dung dar­auf, ob die Gren­ze einer objek­tiv will­kürfrei­en, die Natur- und Denk­ge­set­ze sowie all­ge­mei­ne Erfah­rungs­sät­ze beach­ten­den Wür­di­gung über­schrit­ten ist5.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 14. Novem­ber 2014 – 5 B 35.2014 -

  1. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 06.02.1985 – 8 C 15.84, BVerw­GE 71, 38, 41 = Buch­holz 303 § 414 ZPO Nr. 1 S. 2; und vom 06.10.1987 – 9 C 12.87, Buch­holz 310 § 98 VwGO Nr. 31 S. 1 []
  2. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 29.06.1999 – 9 C 36.98, BVerw­GE 109, 174, 177 f. = Buch­holz 11 Art 16a GG Nr. 12 S. 17; und vom 13.04.2005 – 10 C 8.04, Buch­holz 401.68 Ver­gnü­gungs­steu­er Nr. 39 S. 51 []
  3. stRspr, vgl. BVerwG, Beschluss vom 19.08.2013 – 5 B 47.13 4 m.w.N. []
  4. BVerwG, Beschluss vom 17.02.2010 – 4 BN 59.09 10 []
  5. BVerwG, Urteil vom 05.07.1994 – 9 C 158.94, BVerw­GE 96, 200, 208 f. = Buch­holz 402.25 § 1 AsylVfG Nr 174 S. 27 m.w.N.; Beschluss vom 18.05.1999 – 7 B 11.99 4 []