Der Anscheins­stö­rer zahlt sei­ne Inge­wahrs­am­nah­me

Ein Anscheins­stö­rer kann zu den Kos­ten einer poli­zei­li­chen Inge­wahrs­am­nah­me her­an­ge­zo­gen wer­den, wenn er bei der gebo­te­nen ex post-Betrach­tung den Anschein der Stör­er­ei­gen­schaft, auf­grund des­sen die Poli­zei ihm gegen­über tätig gewor­den ist, in zure­chen­ba­rer Art und Wei­se ver­ur­sacht hat 1.

Der Anscheins­stö­rer zahlt sei­ne Inge­wahrs­am­nah­me

Ist kei­ne amts­rich­ter­li­che Ent­schei­dung über die Zuläs­sig­keit einer Inge­wahrs­am­nah­me getrof­fen wor­den, so ist die Recht­mä­ßig­keit des Gewahr­sams eine im Rah­men der Über­prü­fung des Gebüh­ren­be­schei­des inzi­dent zu prü­fen­de Vor­aus­set­zung für die Kos­ten­pflicht des Betrof­fe­nen. Die­se Prü­fung erstreckt sich nicht nur auf die mate­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen der Inge­wahrs­am­nah­me, son­dern auch auf die Ein­hal­tung des in Art. 104 Abs. 2 GG ver­an­ker­ten Rich­ter­vor­be­halts.

Dies ent­schied jetzt der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg auf der Grund­la­ge des baden-würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­ge­büh­ren­ge­set­zes.

Rechts­grund­la­ge für die erho­be­ne Gebühr in Höhe von 45,– EUR sind die §§ 1, 3 – 7 LGebG i.V.m. Nr. 15.2.2 des Gebüh­ren­ver­zeich­nis­ses zur Gebüh­ren­ver­ord­nung Innen­mi­nis­te­ri­um 2. Die Kos­ten für die Unter­brin­gung im Poli­zei­ge­wahr­sam durf­ten nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs in Mann­heim dem Klä­ger auf­er­legt wer­den, weil sei­ne Inge­wahrs­am­nah­me aus der maß­geb­li­chen ex ante-Sicht recht­mä­ßig war und er zumin­dest den Anschein der Stör­er­ei­gen­schaft, auf­grund des­sen die Poli­zei ihm gegen­über tätig gewor­den ist, in zure­chen­ba­rer Art und Wei­se ver­ur­sacht hat, so dass er auf der Sekun­dä­re­be­ne für die Kos­ten haf­tet, die auch der Höhe nach nicht zu bean­stan­den sind.

Erle­digt sich – wie hier – die Inge­wahrs­am­nah­me vor Ablauf einer Rechts­be­helfs­frist, so gebie­tet es die Gewähr­leis­tung effek­ti­ven Recht­schut­zes gemäß Art. 19 Abs. 4 GG, im Rah­men der Über­prü­fung des Gebüh­ren­be­schei­des auch die zugrun­de­lie­gen­de Amts­hand­lung einer gericht­li­chen Kon­trol­le zu unter­zie­hen 3. Da sich vor­lie­gend die Inge­wahrs­am­nah­me des Klä­gers am 02. Juni 2007 gegen 14.30 Uhr mit sei­ner Ent­las­sung zwi­schen 17.30 Uhr und 18.00 Uhr am sel­ben Tage erle­digt hat­te und kei­ne amts­rich­ter­li­che Ent­schei­dung über den Gewahr­sam nach § 28 Abs. 3 PolG getrof­fen wor­den war, ist des­sen Recht­mä­ßig­keit somit eine in die­sem Ver­fah­ren inzi­dent zu prü­fen­de Vor­aus­set­zung für die Kos­ten­pflicht des Klä­gers 4.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 17. März 2011 – 1 S 2513/​10

  1. im Anschluss an VGH Bad.-Württ., Urteil vom 10.05.1990 – 5 S 1842/​89, DVBl 1990, 1047; und Urteil vom 22.01.2004 – 1 S 2263/​02ESVGH 54, 153[]
  2. vom 26.09.2006, GBl. S. 300, geän­dert durch Ver­ord­nung vom 10.10.2008, GBl. S. 402[]
  3. vgl. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urtei­le vom 20.03.1986 – 1 S 2654/​85VBlBW 1986, 299; und vom 02.03.1989 -1 S 1952/​88, VBlBW 1989, 299[]
  4. vgl. zur Inzi­dent­prü­fungs­kom­pe­tenz: VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 13.05.2004 – 1 S 2052/​03, ESVGH 54, 212 = VBlBW 2004, 376[]