Der Arzt als sach­ver­stän­di­ger Zeu­ge – Sach­ver­stän­di­gen­ver­gü­tung oder Zeu­gen­ent­schä­di­gung?

Wann kann ein Arzt, der zu einer münd­li­chen Ver­hand­lung als sach­ver­stän­di­ger Zeu­ge gela­den und in der Ver­hand­lung ver­nom­men wor­den ist, bean­spru­chen, nicht als Zeu­ge ent­schä­digt, son­dern als Sach­ver­stän­di­ger ver­gü­tet zu wer­den?

Der Arzt als sach­ver­stän­di­ger Zeu­ge – Sach­ver­stän­di­gen­ver­gü­tung oder Zeu­gen­ent­schä­di­gung?

Der sach­ver­stän­di­ge Zeu­ge bekun­det sein Wis­sen von bestimm­ten ver­gan­ge­nen Tat­sa­chen oder Zustän­den, zu deren Wahr­neh­mung eine beson­de­re Sach­kun­de erfor­der­lich war und die er nur kraft die­ser beson­de­ren Sach­kun­de ohne Zusam­men­hang mit einem gericht­li­chen Gut­ach­ten­auf­trag wahr­ge­nom­men hat. Er ist inso­weit nicht ersetz­bar. Dem­ge­gen­über begut­ach­tet der Sach­ver­stän­di­ge auf­grund sei­ner beson­de­ren Sach­kun­de auf einem Fach­ge­biet als Gehil­fe des Gerichts einen von die­sem fest­zu­stel­len­den Sach­ver­halt. Auf­ga­be des Sach­ver­stän­di­gen ist es, dem Gericht beson­de­re Erfah­rungs­sät­ze oder Kennt­nis­se des jewei­li­gen Fach­ge­bie­tes zu ver­mit­teln oder auf­grund von beson­de­ren Erfah­rungs­sät­zen oder Fach­kennt­nis­sen Schluss­fol­ge­run­gen aus einem fest­ste­hen­den Sach­ver­halt zu zie­hen. Er ist in die­ser Funk­ti­on grund­sätz­lich aus­tausch­bar [1].

Die­se Abgren­zung ist im Ein­zel­fall schwie­rig. Ein Arzt ist zum Bei­spiel dann ein sach­ver­stän­di­ger Zeu­ge, wenn er über eine bestimm­te Krank­heit aus­sagt, aber ein Sach­ver­stän­di­ger und Zeu­ge, wenn er die Ursa­che und die Wir­kung die­ser Krank­heit bekun­det [2]. Dabei darf eine Beur­tei­lung oder Bewer­tung im Zwei­fel als eine Sach­ver­stän­di­gen­tä­tig­keit beur­teilt wer­den ((vgl. Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann, a. a. O., § 414 Rn 5).

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 23. Dezem­ber 2011 – 5 OB 411/​11

  1. vgl. BVerwG, Beschluss vom 12.10.2010 – 6 B 26.10; vgl. auch BGH, Urteil vom 23.11.1973 – I ZR 59/​72[]
  2. vgl. Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann, a. a. O., § 414 Rn 5[]