Der Aus­kunfts­an­spruch von Stadt­rats­mit­glie­dern

In Thü­rin­gen ist ein Aus­kunfts­an­spruch von Gemein­de­rats­mit­glie­dern zwar nicht aus­drück­lich gesetz­lich gere­gelt, aber die­ser Anspruch folgt unmit­tel­bar aus dem frei­en Man­dat des demo­kra­tisch gewähl­ten Gemein­de­rats­mit­glieds. Für die sach­ge­rech­te Aus­übung des Man­dats sind dem Gemein­de­rats­mit­glied die erfor­der­li­chen Infor­ma­ti­ons­rech­te ein­ge­räumt.

Der Aus­kunfts­an­spruch von Stadt­rats­mit­glie­dern

Mit die­ser Begrün­dung hat das Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Stadt Suhl ver­pflich­tet, die Anfra­ge eines Stadt­rats­mit­glieds zu den Bezü­gen des Geschäfts­füh­rers eines kom­mu­na­len Unter­neh­mens zu beant­wor­ten und damit ein gleich­lau­ten­des Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Mei­nin­gen [1] bestä­tigt. Der Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt Suhl und die Stadt­rats­frak­ti­on „Aktiv für Suhl“ strit­ten dar­über, ob und inwie­weit den Stadt­rats­mit­glie­dern ein Aus­kunfts­an­spruch gegen­über der Gemein­de­ver­wal­tung zusteht. Frag­lich war, ob der Ober­bür­ger­meis­ter die vom Klä­ger, einem Mit­glied der Frak­ti­on, gestell­te Anfra­ge nach der jähr­li­chen Ver­gü­tung des Geschäfts­füh­rers der Stadt­wer­ke Suhl-Zella-Meh­lis Netz GmbH beant­wor­ten muss.

Nach Auf­fas­sung des Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richts sei ein Aus­kunfts­an­spruch in Thü­rin­gen zwar nicht aus­drück­lich gesetz­lich gere­gelt, aber fol­ge unmit­tel­bar aus dem frei­en Man­dat des demo­kra­tisch gewähl­ten Gemein­de­rats­mit­glieds. Für die sach­ge­rech­te Aus­übung des Man­dats sei­en dem Gemein­de­rats­mit­glied die erfor­der­li­chen Infor­ma­ti­ons­rech­te ein­ge­räumt. Es wider­sprä­ches­ei­nem frei­en Man­dat, ihn allein auf die frei­wil­lig von der Gemein­de­ver­wal­tung erteil­ten Mit­tei­lun­gen zu ver­wei­sen oder den Anspruch davon abhän­gig zu machen, dass ein bestimm­tes Quo­rum des Gemein­de­ra­tes zuge­stimmt hat.

Der Aus­kunfts­an­spruch sei zwar beschränkt auf die eige­nen Ange­le­gen­hei­ten der Kom­mu­nen und durch die Kom­pe­ten­zen des Gemein­de­rats, die hier begehr­te Aus­kunft nach der Ver­gü­tung eines Geschäfts­füh­rers eines kom­mu­na­len Unter­neh­mens ste­he aber im Zusam­men­hang mit den dem Stadt­rat oblie­gen­den Auf­ga­ben.

Dem Aus­kunfts­an­spruch kön­nen im Ein­zel­fall zwar ande­re gesetz­li­che Bestim­mun­gen oder schüt­zens­wer­te Inter­es­sen Drit­ter ent­ge­gen­ste­hen. Das gel­te aber nicht für die im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ange­führ­ten daten­schutz­recht­li­chen Inter­es­sen des Geschäfts­füh­rers. Sei­ne Inter­es­sen könn­ten in Abwä­gung mit dem grund­sätz­li­chen Aus­kunfts­an­spruch eines Stadt­rats­mit­glieds dadurch gewahrt wer­den, dass der Ober­bür­ger­meis­ter dem Stadt­rat die begehr­te Aus­kunft in nicht­öf­fent­li­cher Sit­zung erteilt.

Eine wei­te­re Kla­ge, mit der der Klä­ger all­ge­mein die (grund­sätz­li­che) Fest­stel­lung eines Aus­kunfts­an­spruchs begehr­te, hat der Senat aus pro­zess­recht­li­chen Grün­den abge­wie­sen.

Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 16. Okto­ber 2013 – 3 KO 900/​11 und 3 KO 899/​11

  1. VG Mei­nin­gen, Urtei­le vom 20.09.2011 – 2 K 140/​11 Me und 2 K 303/​10 Me[]