Der Bau einer Abwas­ser­trans­port­lei­tung

Ein Grund­stücks­ei­gen­tü­mer hat die Ver­le­gung einer Abwas­ser­trans­port­lei­tung auf sei­nem Grund­stück zu dul­den, wenn sie sich gemes­sen an was­ser­wirt­schaft­li­chen Zwe­cken als ver­nünf­tig und sinn­voll dar­stellt und daher erfor­der­lich ist.

Der Bau einer Abwas­ser­trans­port­lei­tung

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver in dem hier vor­lie­gen­den Fall des Eil­an­trags eines Grund­stücks­ei­gen­tü­mers aus Bre­vör­de (LK Holz­min­den), der sich damit gegen eine Ver­fü­gung des Land­krei­ses gewehrt hat, mit dem die­ser die Dul­dung der Ver­le­gung einer Abwas­ser­trans­port­lei­tung ange­ord­net hat. Der zustän­di­ge Was­ser­ver­band plant den Bau einer Abwas­ser­trans­port­lei­tung von Bre­vör­de nach Holz­min­den. Für den Ver­lauf der Lei­tung nach Que­rung der Weser in Höhe des Orts­kerns von Bre­vör­de hat der Ver­band drei Vari­an­ten geprüft und sich dann für die Vari­an­te ent­schie­den, die über das Grund­stück der Antrag­stel­le­rin ver­läuft, die damit nicht ein­ver­stan­den ist. Dar­auf­hin ord­ne­te der Land­kreis Holz­min­den die Dul­dung der Ver­le­gung der Abwas­ser­trans­port­lei­tung an, weil es sich bei die­ser Vari­an­te um die zweck­mä­ßigs­te han­de­le. Dage­gen wen­det sich die Antrag­stel­le­rin, Eigen­tü­me­rin eines land­wirt­schaft­lich genutz­ten Grund­stücks, das im Über­schwem­mungs­ge­biet der Weser liegt, im Wesent­li­chen mit der Begrün­dung, die Lei­tung sei nicht erfor­der­lich, weil die Klär­an­la­ge in Bre­vör­de nicht aus­ge­las­tet sei. Die Lei­tung wer­de letzt­lich nur des­we­gen gebaut, weil ein in der Ort­schaft Gles­se ansäs­si­ger Frisch­kä­se­her­stel­ler Eng­päs­se befürch­te. Die­ser kön­ne aber ver­pflich­tet wer­den, für eine Vor­klä­rung sei­nes Abwas­sers zu sor­gen. Außer­dem kön­ne die Lei­tung auch ent­spre­chend der ande­ren Vari­an­ten ver­legt wer­den. Dadurch ent­stün­den zwar Mehr­kos­ten, die aber im Ver­gleich zu der Beein­träch­ti­gung ihres Grund­stücks nicht erheb­lich sei­en.

In sei­nem Beschluss hat dies das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver anders gese­hen: Die geplan­te Abwas­ser­lei­tung sei zur Abwas­ser­be­sei­ti­gung erfor­der­lich, da sie sich gemes­sen an was­ser­wirt­schaft­li­chen Zwe­cken als ver­nünf­tig und sinn­voll dar­stel­le. Die Abwas­ser­trans­port­lei­tung sol­le nicht nur die Abwäs­ser des orts­an­säs­si­gen Frisch­kä­se­her­stel­lers ent­sor­gen, son­dern lang­fris­tig auch die Wirt­schaft­lich­keit und Fle­xi­bi­li­tät des Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­sys­tems ver­bes­sern. Dies sei nicht zu bean­stan­den, da es grund­sätz­lich im Gestal­tungs­er­mes­sen des Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­pflich­ti­gen lie­ge, für wel­che Art der Abwas­ser­be­sei­ti­gung und für wel­ches tech­ni­sche Sys­tem er sich ent­schei­de. Das Vor­ha­ben las­se sich auch nicht in ande­rer Wei­se eben­so zweck­mä­ßig durch­füh­ren. Die ursprüng­lich in die Pla­nun­gen ein­be­zo­ge­nen Lei­tungs­va­ri­an­ten wür­den wegen des fort­schrei­ten­den Kies­ab­baus ihren Zweck nicht für die erwar­te­te Nut­zungs­dau­er der Trans­port­lei­tung erfül­len und dar­über hin­aus einen erheb­li­chen Mehr­auf­wand ver­ur­sa­chen. Außer­dem habe die Antrag­stel­le­rin kei­ne Nach­tei­le dar­ge­legt, die über die Erd­ar­bei­ten auf ihrem Grund­stück, das nur als Wei­de­land genutzt wer­den kön­ne, hin­aus­gin­gen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Beschluss vom 13. Mai 2013 – 12 B 2875/​13