Der Bau zwei­er Kin­der­ta­ges­stät­ten

Im all­ge­mei­nen Wohn­ge­biet sind Kin­der­ta­ges­stät­ten nach der Bau­nut­zungs­ver­ord­nung als Anla­gen für sozia­le Zwe­cke zuläs­sig. Die Nut­zung von zwei mit ihren Außen­spiel­flä­chen anein­an­der­sto­ßen­den Kin­der­ta­ges­stät­ten ist bei hin­rei­chen­der Grö­ße und Dich­te der Wohn­be­bau­ung des Plan­ge­biets nicht gebiets­un­ver­träg­lich. Der Lärm spie­len­der Kin­der stellt regel­mä­ßig kei­ne immis­si­ons­schutz­recht­lich rele­van­te Stö­rung dar.

Der Bau zwei­er Kin­der­ta­ges­stät­ten

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren ent­schie­den, mit dem sich sie­ben Anwoh­nern (Antrag­stel­ler) gegen den Bau von zwei Kin­der­ta­ges­stät­ten für ins­ge­samt 80 Kin­der im Alter von 0 bis 6 Jah­ren und 8 Jugend­li­che in Stutt­gart – Bad Cann­statt gewehrt haben. Die Antrag­stel­ler hat­ten gegen die mit Beschei­den vom 13.05.2013 und 22.10.2012 von der Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart erteil­ten Bau­ge­neh­mi­gun­gen für den Bau der Kin­der­ta­ges­stät­ten in einem all­ge­mei­nen Wohn­ge­biet mit einem Außen­spiel­flä­che von ins­ge­samt 860 m² ins­be­son­de­re gel­tend gemacht, die Bau­vor­ha­ben ver­stie­ßen in dem eng bebau­ten Bereich gegen die zuläs­si­ge Art der bau­li­chen Nut­zung und sei­en daher gebiets­un­ver­träg­lich und bau­recht­lich "rück­sichts­los". Wei­ter befürch­te­ten sie auf­grund der ungüns­ti­gen Lage des Kin­der­spiel­plat­zes und wegen des zu erwar­ten­den Ver­kehrs­auf­kom­mens unzu­mut­ba­re Lärm­be­läs­ti­gun­gen.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart sei­en im all­ge­mei­nen Wohn­ge­biet Kin­der­ta­ges­stät­ten nach der Bau­nut­zungs­ver­ord­nung als Anla­gen für sozia­le Zwe­cke zuläs­sig. Die geplan­ten Kin­der­ta­ges­stät­ten ver­stie­ßen auch weder gegen das Gebot der Gebiets­ver­träg­lich­keit noch gegen das bau­recht­li­che Rück­sicht­nah­me­ge­bot. Ange­sichts der Grö­ße und der Dich­te der Wohn­be­bau­ung des Plan­ge­biets, wel­ches im inner­ört­li­chen Bereich von Bad-Cann­statt lie­ge und von Gebie­ten mit eben­falls star­ker Wohn­nut­zung umge­ben sei, kön­ne nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Nut­zung der bei­den an zwei ver­schie­de­nen Stra­ßen lie­gen­den und ledig­lich mit ihren Außen­spiel­flä­chen anein­an­der­sto­ßen­den Kin­der­ta­ges­stät­ten für 80 Kin­der im Alter von 0 – 6 Jah­ren und acht Jugend­li­che gebiets­un­ver­träg­lich sei. Ihr räum­li­cher Umfang hal­te sich durch­aus im Rah­men der Umge­bungs­be­bau­ung.

Auch die Grö­ße ihres betrieb­li­chen Ein­zugs­be­reichs beschrän­ke sich ange­sichts des nun­mehr bestehen­den Anspruchs auf einen Kin­der­be­treu­ungs­platz in einer Kin­der­ta­ges­stät­te und der damit ver­bun­de­nen all­ge­mein ver­stärk­ten Errich­tung von Kin­der­ta­ges­stät­ten im Wesent­li­chen auf den Bereich des Plan­ge­biets und die benach­bar­ten Wohn­be­rei­che. Der vor­ha­ben­be­ding­te An- und Abfahrts­ver­kehr kön­ne eben­falls nicht als gebiets­un­ver­träg­lich ange­se­hen wer­den.

Auch im Hin­blick auf den durch die Nut­zung des Außen­spiel­be­reichs der Kin­der­ta­ges­stät­ten ent­ste­hen­den Kin­der­lärm kön­ne nicht von einer Gebiets­un­ver­träg­lich­keit oder von einem Ver­stoß gegen das Rück­sicht­nah­me­ge­bot aus­ge­gan­gen wer­den.

Denn hier­bei sei ins­be­son­de­re Fol­gen­des zu berück­sich­ti­gen: Der Gesetz­ge­ber habe mit der Novel­lie­rung des Bun­des­im­mis­si­ons­schutz­ge­set­zes vom 20.Juli 2011 in § 22 Absatz 1 a den schon bis­her in der Recht­spre­chung gel­ten­den Grund­satz fest­ge­schrie­ben, dass der – unver­meid­ba­re – Lärm spie­len­der Kin­der regel­mä­ßig kei­ne immis­si­ons­schutz­recht­lich rele­van­te Stö­rung dar­stellt, wes­halb gera­de ein in einem Wohn­ge­biet ange­leg­ter Kin­der­spiel­platz im Rah­men sei­ner bestim­mungs­ge­mä­ßen Nut­zung unter Anwen­dung eines groß­zü­gi­gen Maß­sta­bes von den Nach­barn grund­sätz­lich als sozi­al­ad­äquat hin­zu­neh­men sei.

Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 20. August 2013 – 13 K 2046/​13