Regel­schu­le für ein an Dia­be­tes erkrank­tes Kind

Die Über­wei­sung eines behin­der­ten Schü­lers an eine För­der­schu­le stellt eine nach Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG ver­bo­te­ne Benach­tei­li­gung dar, wenn die För­der­schul­über­wei­sung erfolgt, obwohl der Besuch der Regel­schu­le durch einen ver­tret­ba­ren Ein­satz von son­der­päd­ago­gi­scher För­de­rung ermög­licht wer­den kann. Das ist bei einem an Dia­be­tes Mel­li­tus Typ I erkrank­ten Kind mit ver­gleichs­wei­se gerin­gen kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen, das zudem wäh­rend der Schul­zeit von einem pri­va­ten Pfle­ge­dienst unter­stützt wird, der Fall.

Regel­schu­le für ein an Dia­be­tes erkrank­tes Kind

So hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren ent­schie­den und die wei­te­re Beschu­lung eines Kin­des an der staat­li­chen Grund­schu­le vor­läu­fig gestat­tet und eine vor­ge­hen­de Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Mag­de­burg 1 abge­än­dert. Das an Dia­be­tes Mel­li­tus Typ I erkrank­tes Kind besuch­te im 1. Schul­jahr eine staat­li­che Grund­schu­le. Zum Beginn des 2. Schul­jah­res ver­füg­te das Lan­des­schul­amt gegen den Wil­len des sor­ge­be­rech­tig­ten Vaters, dass das Kind eine För­der­schu­le für kör­per­be­hin­der­te Kin­der zu besu­chen habe. Zur Begrün­dung führ­te das Lan­des­schul­amt aus, dass mit dem an der Grund­schu­le der­zeit vor­han­de­nen päd­ago­gi­schen Per­so­nal die erfor­der­li­che Betreu­ung des Kin­des nicht mehr gewähr­leis­tet wer­den kön­ne, zumal an der Grund­schu­le noch ande­re Kin­der mit beson­de­rem Betreu­ungs­be­darf beschult wür­den.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts des Lan­des Sach­sen-Anhalt sei nach den Rege­lun­gen des Schul­ge­set­zes des Lan­des Sach­sen-Anhalt vor­ran­gig zu prü­fen, ob eine inte­gra­ti­ve bzw. inklu­si­ve Beschu­lung in Betracht kom­me, wenn die Erzie­hungs­be­rech­tig­ten dies wünsch­ten. Die Über­wei­sung eines behin­der­ten Schü­lers an eine För­der­schu­le stel­le eine nach Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG ver­bo­te­ne Benach­tei­li­gung dar, wenn ent­we­der sei­ne Erzie­hung und Unter­rich­tung an der Regel­schu­le sei­nen Fähig­kei­ten ent­sprä­che und ohne beson­de­ren Auf­wand mög­lich wäre oder die För­der­schul­über­wei­sung erfol­ge, obwohl der Besuch der Regel­schu­le durch einen ver­tret­ba­ren Ein­satz von son­der­päd­ago­gi­scher För­de­rung ermög­licht wer­den könn­te.

Im vor­lie­gen­den Fall sei auf­grund der ver­gleichs­wei­se gerin­gen kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen des Kin­des, wel­ches zudem z. B. bei Blut­zu­cker­mes­sun­gen wäh­rend der Schul­zeit von einem pri­va­ten Pfle­ge­dienst unter­stützt wer­de, nicht ersicht­lich, war­um nicht durch eine zumut­ba­re Unter­stüt­zung aller Ebe­nen der Lan­des­schul­ver­wal­tung dem Kind die Mög­lich­keit eines Besuchs der Grund­schu­le eröff­net wer­den kön­ne.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 25. Novem­ber 2013 – 3 M 337/​13

  1. VG Mag­de­burg, Beschluss vom 25.10.2013 – 7 B 284/​13 MD[]